News

Bundesregierung: iPhone & BlackBerry unerwünscht

Wie nun bekannt wurde, gelten BlackBerry und iPhone in deutschen Regierungskreisen seit Monaten als Risikofaktoren. Teilweise sind sie sogar verboten. Auch die EU-Kommission verbannt nun die BlackBerrys.

08.08.2010, 16:31 Uhr
SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com

Ein spezielles Gesetz der gegenseitigen Anziehung von Materie kennt fast jeder. Es drückt sich in der Anhäufung von Dingen genau dort aus, wo diese bereits im Übermaß vorhanden sind. Bei Monopoly etwa erhält immer der Spieler das meiste Geld, der ohnehin bereits einen riesigen Stapel vor sich liegen hat. Bei BlackBerry-Hersteller Research in Motion (RIM) tritt das Phänomen in abgewandelter Form auf. Zu den zahlreichen Negativ-Nachrichten der letzten Tage kommen in immer kürzeren Abständen weitere hinzu. Laut Medienberichten unter Bezug auf die Nachrichtenagentur Reuters hat die Bundesregierung ihren Mitarbeitern bereits vor Monaten davon abgeraten, BlackBerry-Geräte zu verwenden. Teilweise sei die Nutzung der Geräte sogar untersagt. Zudem wolle auch die EU-Kommission nun keine RIM-Geräte mehr in ihren Reihen wissen. Da hilft es den Kanadiern wenig, dass Konkurrent Apple und das iPhone in Berliner Regierungskreisen ebenfalls mit dem Prädikat "nicht empfehlenswert" bedacht wurden.

BlackBerry und iPhone gelten als unsicher

Wie erst jetzt bekannt wurde, verschickte ein Staatssekretär im Bundesinnenministerium (BMI) bereits im November des Vorjahres ein entsprechendes Schreiben an alle anderen Ressorts. Darin heißt es, aufgrund einer zunehmenden Zahl von Angriffen auf die elektronischen Informations- und Kommunikationsnetze werde empfohlen, auf die Verwendung von BlackBerrys und iPhones zu verzichten. Von den mobilen Geräten gehe ein erhebliches Gefährdungspotential für IT-Infrastrukturen und Regierungsnetze aus. Lediglich das abhörsichere HTC-Smartphone SiMKo 2 der Telekom-Tochter T-Systems mache hier laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eine Ausnahme. "Andere PDAs wie beispielsweise Blackberry oder iPhone erfüllen derzeit nicht die notwendigen Sicherheitsanforderungen und können nicht zum Einsatz kommen", so der Regierungsmitarbeiter.

Mittlerweile hat das Innenministerium zumindest die Nutzung von BlackBerrys in seinem Zuständigkeitsbereich komplett untersagt. Auch Auswärtiges Amt und Kanzleramt verbieten ihren Mitarbeitern die Verwendung der RIM-Geräte. Das iPhone bleibt von solchen Maßnahmen offenbar bislang weitgehend ausgenommen – so setzt etwa Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) weiterhin auf ein Apple-Smartphone, obwohl das BSI wiederholt schwere Sicherheitsbedenken geäußert hatte.

RIM dementiert die Sicherheitsvorwürfe

Ein Grund für die strikte Ablehnung der BlackBerrys ist die verschlüsselte Übermittlung aller Datenströme der Geräte an Rechenzentren des Herstellers in Kanada und Großbritannien. RIM wird verdächtigt, bestimmten Geheimdiensten und Regierungen Einblicke in die Daten zu gewähren. Mit ähnlichen Argumenten beschlossen auch die Vereinigen Arabischen Emirate (VAE) sowie Saudi-Arabien gerade ein Verbot der Smartphones. Gegenüber der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" erklärte RIM jedoch, die Anschuldigungen seien falsch. "Wir dementieren die Meldung, dass wir der indischen oder anderen Regierungen Einblicke in die Kommunikation unserer Kunden geben", so ein Sprecher des Unternehmens. Zuletzt waren am Dienstag Meldungen aufgetaucht, nach denen zumindest Indien den BlackBerry-Datenverkehr überwachen dürfe.

Auf der europäischen Ebene bleibt das Misstrauen gegen RIM daher bestehen. Die Brüsseler EU-Kommission teilte am Mittwoch mit, dass sie BlackBerrys bei ihren 32.000 Mitarbeitern künftig nicht mehr toleriere. Die Nutzung von iPhones sei aber weiterhin gestattet. Geht es hingegen nach dem Bundesinnenministerium, sollen Smartphones mit Apfel-Logo innerhalb des deutschen Regierungsapparates in kurzer Zeit ebenfalls zur Randerscheinung werden. Um die Verbreitung des SiMKo 2 voranzutreiben, verteilt das BMI 4.000 Exemplare vorsorglich selbst an die anderen Ressorts.

(Christian Wolf)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang