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Bundesnetzagentur will TAL-Entgelt auf 10,19 Euro erhöhen

Die Bundesnetzagentur hat einen Entwurf für neue monatliche Entgelte für die Nutzung der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) veröffentlicht. Die Telekom scheiterte erneut mit ihrem Antrag auf eine kräftige Anhebung, dennoch kommt Kritik von den Branchenverbänden VATM und BREKO.

28.03.2013, 16:43 Uhr
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Kurz vor den Osterfeiertagen meldete sich die Bundesnetzagentur am Donnerstag mit einem Paukenschlag zu Wort. Die Bonner Regulierungsbehörde veröffentlichte einen Vorschlag für neue monatliche Entgelte zur Nutzung der Teilnehmeranschlussleitung (TAL). Im Januar hatte die Deutsche Telekom eine TAL-Erhöhung auf 12,37 Euro beantragt, doch davon ist der jetzt vorgelegte Entwurf der Bonner Regulierungsbehörde weit entfernt. Vorgesehen ist zwar teils eine leichte Erhöhung, teils aber auch eine Absenkung von TAL-Entgelten. Heftige Kritik kam bereits von den Branchenverbänden.

TAL am Hauptverteiler steigt leicht

Die Telekom konnte sich nur ein klein wenig durchsetzen: Die Anmietung der TAL am Hauptverteiler, der sogenannten "letzten Meile" mit einzelnen Kupferleitungen zu den Endkunden, soll moderat von bislang 10,08 Euro auf 10,19 Euro steigen. Die Teilstrecke vom Hauptverteiler bis zum Kabelverzweiger kostet künftig 3,40 Euro statt 2,91 Euro. Gleichzeitig plant die Bundesnetzagentur aber eine deutlichere Absenkung des Entgelts für den Zugang zur TAL an einem Kabelverzweiger, den 'grauen Verteilerkästen' am Straßenrand.

Ab dem 1. Juli dieses Jahres, wenn die neuen Entgelte nach nationalen und europäischen Beratungen in Kraft treten könnten, darf die Telekom ihren Wettbewerbern für diesen TAL-Zugang nur noch 6,79 Euro monatlich statt bisher 7,17 Euro berechnen. Die Telekom hatte hier eine Erhöhung auf 8,80 Euro beantragt. In einer Reaktion auf die heutige Entscheidung verwies die Telekom laut Nachrichtenagentur dpa darauf, dass die geplante Anhebung die erste Erhöhung der Durchleitungsentgelte seit 14 Jahren sei. "Es ist ein gutes und wichtiges Signal für weitere Breitbandinvestitionen, dass der Preis für die letzte Meile langfristig stabilisiert werden soll", erklärte ein Sprecher. Die Behörde habe die steigenden Kosten für die Infrastruktur berücksichtigt.

Entgeltberechnung berücksichtigt gestiegene Tiefbau- und Kupferpreise

"Die moderate Erhöhung des Preises für den Zugang zur letzten Meile am Hauptverteiler und die Absenkung des Überlassungsentgelts für die kürzere Kabelverzweiger-Variante sind das Ergebnis eines sehr sorgfältig und transparent durchgeführten Genehmigungsverfahrens", erläutert Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur die vorgeschlagenen Entgelte. Die Entgelte wurden demnach wie auch schon bei früheren Genehmigungsrunden wieder auf der Basis aktueller Wiederbeschaffungskosten ermittelt.

Im Vergleich zur letzten Entscheidung vor zwei Jahren seien unter anderem die Tiefbau- und Kupferpreise gestiegen. Auch die Stückkosten hätten sich erhöht, da die Zahl der kupferbasierten Festnetzanschlüsse weiter zurückgehe. Daher sei eine weitere Absenkung des TAL-Entgelts am Hauptverteiler nicht wünschenswert gewesen: "Zu niedrige Preise würden bereits getätigte Investitionen entwerten sowie neue beeinträchtigen und damit den Regulierungszielen zuwider laufen", so Homann. Stattdessen soll der Breitbandausbau durch die neuen TAL-Entgelte belebt werden.

Homann: Breitbandausbau wird attraktiver

"Infolge des günstigeren Entgelts für die letzte Meile ab dem Kabelverzweiger und des größeren preislichen Abstands zur Hauptverteiler-TAL ist es für Wettbewerber künftig attraktiver, Kabelverzweiger zu erschließen und damit den Breitbandausbau in Deutschland weiter mit voranzutreiben", betont Homann. Erstmals sollen die neuen Entgelte für einen Zeitraum von drei statt bislang zwei Jahren gelten.

Die Bundesnetzagentur hat neben den TAL-Entgelten am Donnerstag zudem weitere neue Entgelte bekannt gegeben. Für einen Einbauplatz in einem Multifunktionsgehäuse, spezielle Kabelverzweiger mit aktiver Technik, darf die Telekom ab Juli künftig einen Ausgangswert von 107,23 Euro statt bislang 132,42 in Rechnung stellen. Telekom und mindestens ein Wettbewerber teilen sich ein Multifunktionsgehäuse, für einen Wettbewerber alleine fällt laut Netzagentur daher nur maximal die Hälfte des nun festgelegten Betrages an. Die Anbindung eines Kabelverzweigers mit unbeschalteter Glasfaser soll künftig 66,75 Euro im Monat kosten statt bisher 69,22 Euro.

Weiter auf Seite 2: Kritik von VATM und BREKO

Bis zum 24. April können "interessierte Parteien" auf nationaler Ebene schriftlich Stellung zu den Vorschlägen nehmen, danach werden die Regulierungsbehörden der EU-Mitgliedsstaaten und die EU-Kommission mit einbezogen. Falls alle beteiligten Institutionen grünes Licht geben, könnten die neuen Nutzungsentgelte ab dem 1. Juli offiziell gelten.

VATM: Drastische Belastung des Wettbewerbs

Wie üblich bei Entscheidungen der Bundesnetzagentur lässt eine Reaktion von Branchenverbänden wie dem Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e. V. (VATM) und dem Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) nicht lange auf sich warten. "Die investierenden Unternehmen verlieren durch die Entscheidung, die Miete für die Teilnehmeranschlussleitung vom Hauptverteiler bis zum Kabelverzweiger um 49 Cent zu erhöhen, Millionen Euro. Anreize werden nicht ausreichend gesetzt", so ein erstes Fazit von VATM-Präsident Peer Knauer.

"Die Telekom gewinnt Millionen für ihren eigenen Breitbandausbau in den ohnehin bereits gut versorgten wettbewerbsintensiven Regionen, wo dieses TAL-Stück besonders wichtig ist. Für die Kunden auf dem Land und für die ambitionierten Breitband-Ziele der Bundesregierung ist dies ein ganz schwarzer Tag", so Knauer weiter. Für die mehr als neun Millionen angemieteten TAL-Anschlüsse am Hauptverteiler sei eine Preiserhöhung geplant, lediglich die Entgelte für die rund 140.000 gemieteten TALs am Kabelverzweiger seien marginal gesenkt worden.

Der Verband sieht eine "drastische Belastung des Wettbewerbs" in Höhe von 37 Millionen Euro während des Genehmigungszeitraums, die Investitionskraft der ausbauenden Unternehmen werde geschwächt. Die Entlastung durch die teilweise Entgeltabsenkung betrage lediglich rund 1,9 Millionen Euro in drei Jahren. "Unter solchen investitionsfeindlichen Rahmenbedingungen sind die Breitbandziele des Bundes wohl auch eher nur noch fiktiv erreichbar" unterstreicht VATM-Präsident Knauer. Der VATM hatte ein TAL-Entgelt von deutlich unter 9 Euro gefordert.

BREKO: Letztes Wort ist noch nicht gesprochen

Auch der BREKO hatte eine deutliche Reduzierung aller TAL-Varianten gefordert. Die jetzige Entscheidung der Netzagentur verpasse dem Infrastruktur-Wettbewerb dagegen einen Dämpfer. Vor allem in ländlichen Regionen gehen laut BREKO Investitionsmittel verloren. "Die Bundesnetzagentur hat die Chance verpasst, eindeutige Investitions-Impulse für den Breitbandausbau der Wettbewerber zu setzen. Eine deutliche Absenkung der TAL-Preise wäre nämlich das beste Investitionsprogramm für den dringend erforderlichen Breitbandausbau in der Fläche", erläutert BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers. Doch der Verband sieht das letzte Wort noch nicht gesprochen, da die EU-Kommission einen Entgelt-Korridor von 8 bis 10 Euro für die TAL-Miete am Hauptverteiler anpeile.

(Jörg Schamberg)

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