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Bundesliga-Rechte: Telekom macht Druck

Bis Ende April will die Telekom Klarheit darüber, wie sie ihre Internetrechte nutzen darf. Die DFL schließt eine Weitergabe an Premiere weiter aus.

20.04.2006, 09:00 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Knapp vier Monate dauert es noch, bis am 11. August die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt. Auch wenn die aktuelle Saison noch nicht beendet ist, brennt hinter den Kulissen schon der Baum. Wie so oft in den letzten Wochen geht es einmal mehr um die Übertragungsrechte der Livespiele aus den beiden höchsten deutschen Fußball-Spielklassen. Konkret geht es um den Streitpunkt, wie weit die Deutsche Telekom ihre Rechte an Internet-Livestreams an Premiere weiterverkaufen darf. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) versucht mit aller Macht den neuen Pay-TV-Sender arena gegen mögliches Konkurrenzprodukt von Premiere zu schützen, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD).
Wohin geht die Reise?
Telekom und Premiere verhandeln offenbar intensiv darüber, das TV-Signal über die von Premiere aufgebaute Infrastruktur zu verbreiten. Premiere war bei der Vergabe der Übertragungsrechte leer ausgegangen und versucht seitdem über eine Sublizenz doch noch die Fußball Bundesliga übertragen zu können. Nicht ohne Grund: das Bundesliga-TV-Angebot gilt als eines der Zugpferde des Abo-Senders. Ohne deutschen Fußball droht ein massiver Kundenverlust. Nach Informationen der FTD haben sich Telekom und Premiere bereits auf Eckpunkte geeinigt: Premiere soll die Produktion des Fußballprogramms der Telekom übernehmen, dafür gäbe es dann quasi als Gegenleistung die Inhalte.
Genau das aber könnte den Erfolg des Pay-TV-Neulings arena gefährden. Der Sender zahlt an die DFL ab der kommenden Saison jährlich 220 Millionen Euro für die klassischen Pay-TV-Rechte. Die Telekom zahlt hingegen "nur" 45 Millionen Euro für die Internetrechte. Um arena als wichtigsten Geldgeber nun nicht ins Abseits laufen zu lassen, hat die DFL laut Fußballkreisen in einer Aufsichtsratssitzung noch einmal bekräftigt, dass es klare Grenzen für die Telekom-Pläne gebe. Die Telekom sehe zwar Aussichten auf einen Kompromiss, zeigt letztlich aber Härte: "Wir wollen Rechtssicherheit darüber, was wir mit unseren Rechten anfangen dürfen", wird ein Telekom-Sprecher zitiert. Bis Ende April soll Klarheit darüber herrschen, wo die Spiele zu sehen sein werden.
Doch Bundesliga bei Premiere?
Die kommenden Wochen werden zeigen, wie die Telekom mit ihren Rechten umgehen darf. Die Ausschreibung sehe vor, dass die Telekom ihre Fußballbilder nur über das Internetprotokoll (IP) senden darf, berichtet die FTD. Das sei aber praktisch bedeutungslos. "Bei der Telekom muss ein IP-Signal rausgehen und beim Kunden muss ein IP-Signal ankommen. Was dazwischen passiert, ist juristisch egal", zitiert die Zeitung einen Experten zu Gunsten der Telekom. Die Telekom müsse die Bilder nicht zwingend über DSL-Leitungen schicken. Sie könnte Premiere-Kunden auch über Kabel oder Satellit versorgen. Ein Szenario, das den arena-Verantwortlichen reichlich Kopfschmerzen bereiten dürfte.
Weiterhin keine Bewegung sei bei den Verhandlungen zwischen arena und Kabel Deutschland zu erkennen. Bisher ist es arena noch nicht möglich, das eigene Produkt an Kunden zu verkaufen, die an das Netz von Kabel Deutschland angeschlossen sind. Laut FTD-Informationen sei arena inzwischen dazu übergegangen einen Notfallplan aus der Schublade zu zaubern. Sollte mit Kabel Deutschland keine Einigung erzielt werden können, wolle arena Zuschauer im KDG-Gebiet über kleinere Kabelfirmen versorgen. Diese betreiben einen Großteil der Hausanschlüsse im KDG-Gebiet. Wie es heißt, sollen dann zusätzliche Satellitenkapazitäten bei Eutelsat angemietet werden, um die kleineren Kabelanbieter mit einem Signal zu versorgen. Ein Kabel Deutschland-Sprecher sagte der Zeitung allerdings: "Beide Seiten sind an einer Einigung interessiert". Es heißt also weiter, abwarten und Tee trinken.

(Hayo Lücke)

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