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Bundesliga-Deal mit Folgen

Die DFL vermarktet die Bundesliga-Rechte künftig über eine Agentur von Leo Kirch und freut sich über mehr Geld. Für TV-Konsumenten könnte der Deal aber weit reichende Folgen haben. Sowohl finanziell als auch was die eigenen Fernsehgewohnheiten betrifft. Premiere bekam die Folgen bereits in anderer Form zu spüren.

10.10.2007, 12:24 Uhr
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Mit einem neuen runderneuerten Konzept will die Deutsche Fußball Liga (DFL) ab der Spielzeit 2009/2010 mehr Geld einnehmen. Pro Saison sollen mindestens 500 Millionen Euro aus den Übertragungsrechten deutscher TV-Sender generiert werden. Dazu wurden die Vermarktungsrechte an die Agentur Sirius übertragen, die dem ehemaligen Pleitier und Medienunternehmer Leo Kirch gehört. Für Premiere hat der Deal schon jetzt Konsequenzen, für TV-Zuschauer könnten sich schon bald ebenfalls gravierende Änderungen ergeben.
Die Frage der Uhrzeit
Fest steht, dass Sirius mit interessierten TV-Sendern über die Ausstrahlungszeiten der Fußball Bundesliga verhandeln wird. Dazu zählt auch Premiere, denn der Platzhirsch unter den deutschen Pay-TV-Sendern braucht die Fußball-Bundesliga, um die Zahl der eigenen Abonnenten halten beziehungsweise weiter steigern zu können. Allerdings fordert Premiere, dass Bilder der Bundesligaspiele im frei empfangbaren Fernsehen am Samstagabend erst nach 20 Uhr, noch lieber nach 22 Uhr zu sehen sind. Mehr Exklusivität für das Pay-TV lautet die Devise.
Doch damit stößt der Münchner Sender auf Widerstand bei den Bundesligavereinen. Die nämlich plädieren im Interesse ihrer Sponsoren für frei empfangbare Bilder im Vorabendprogramm. Nicht ohne Grund: Zwischen 18 und 20 Uhr verfolgen mehr Menschen eine Sendung wie die "Sportschau" als um 22 Uhr ein Format wie das "Aktuelle Sportstudio". Bereits zur Prime-Time um 20:15 Uhr werden Spieltagszusammenfassungen nicht in der Form akzeptiert, wie es sich die Profiklubs wünschen würden. Das musste im Jahr 2001 bereits der damalige Free-TV-Rechteinhaber SAT.1 in Form miserabler Einschaltquoten feststellen und ruderte schnell wieder auf einen Beginn um 19 Uhr zurück.
Auch finanzielle Aspekte
Doch nicht nur die Übertragungszeit könnte für Premiere ein Problem werden. Auch finanziell könnte sich der Kirch-Deal negativ für Premiere auswirken. Es ist denkbar, dass sich mehrere Interessenten für die Pay-TV-Rechte interessieren und der Preis für ein exklusives Rechtepaket im Bieterverfahren deutlich höher ausfällt als von Premiere bisher kalkuliert. Sollte hingegen "Bundesliga-Pay-TV an jeder Ecke zu sehen sein", will Premiere weniger Geld ausgeben als bisher, sagte Premiere-Vorstandsmitglied Carsten Schmidt gegenüber Dow Jones Newswires. Ein höherer von Premiere zu zahlender Preis könnte auch finanzielle Folgen für die Pay-TV-Abonnenten haben. Vorausgesetzt, der Bezahlsender sollte die Live-Rechte auch für die Spielzeiten 2009/2010 bis 2011/2012 behalten, könnte das Bundesliga-Abo teurer werden als bisher. Derzeit kostet das Einzelabo der Fußball Bundesliga bei Premiere 19,90 Euro im Monat. Arena hatte sein Bundesliga-Abo für 14,90 Euro verkauft, aber selbst zu diesem Preis binnen eines Jahres nur gut eine Millionen Kunden gewinnen können und deswegen die Live-Rechte über eine Sublizenz wieder an Premiere abgegeben.
Premiere fordert redaktionelle Unabhängigkeit
Für Unmut sorgt unterdessen auch der DFL-Plan, die Livespiel-Rechteinhaber nicht nur mit einem fertig produzierten Fernsehbild zu versorgen, sondern auch die journalistische Berichterstattung komplett zu übernehmen. Das würde bedeuten, dass zum Beispiel nach Spielschluss Interviews nicht mehr beispielsweise von Premiere geführt werden, sondern von einer noch zu gründenden Firma, an der die DFL mit 49 Prozent und Sirius mit 51 Prozent beteiligt ist. Ein Plan, den Premiere verständlicherweise nicht akzeptieren möchte. Der Sender argumentiert, seine journalistische Unabhängigkeit nicht verlieren zu wollen, wenn pro Saison mehrere Millionen Euro an die DFL überwiesen werden. Pikant: Free-TV-Sender sind von dieser neuen Regelung nicht betroffen. Sie sollen weiter mit eigenen Reportern Interviews führen dürfen.
Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) übt an derartigen Plänen scharfe Kritik. "Wenn eine Pflichtabnahme der produzierten Beiträge von der DFL vorgesehen ist, würde das eine Knebelung der Sender bedeuten", sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Aufgabe der Sportjournalisten sei jedoch, ohne inhaltliche Vorgaben über die Bundesliga-Spiele zu berichten. Die DFL als Veranstalter stehe in der Pflicht, den Redaktionen diese unabhängige Berichterstattung zu ermöglichen.
Aktienkurs von Premiere bricht ein
Für Premiere hat der Kirch-Deal unterdessen noch weiter reichende Folgen. Der Aktienkurs brach bereits gestern am späten Nachmittag stark ein und setzte seine Talfahrt am Mittwoch morgen weiter fort. Das Papier notierte mit etwa acht Prozent unter dem Schlusskurs vom Dienstag. Nachdem der Kurs Anfang der Woche noch bei etwa 16,50 Euro lag, sind es derzeit nur noch knapp 13,50 Euro.

(Hayo Lücke)

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