Breitbandausbau

BUGLAS warnt vor Aufweichung der europäischen Breitbandziele

Der europäische Rechtsrahmen für Telekommunikation - und damit auch für den Breitbandausbau - wird derzeit überarbeitet. Der Glasfaserverband BUGLAS kritisiert den Vorschlag einer erneuten Vorgabe von Download-Bandbreiten, die auch mit Vectoring erreichbar seien.

Jörg Schamberg, 21.06.2017, 11:51 Uhr
Europäische Union© mik ivan / Fotolia.com

Köln – Die Strategie für den weiteren Breitbandausbau in Europa steht derzeit in Brüssel auf der Tagesordnung. Der federführende Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europaparlaments (ITRE) berät am Mittwoch erneut über den Entwurf für eine Überarbeitung des europäischen Telekommunikations-Rechtsrahmens (EU TK-Review). Der deutsche Bundesverband Glasfaseranschluss e.V. (BUGLAS) warnt dabei vor einer Aufweichung der europäischen Breitbandziele.

100 Mbit/s als Definition für Highspeed-Netze?

Die EU-Kommission habe sogenannte Very High Capacity (VHC)-Netze als Voraussetzung für Deregulierung als Investitionsanreiz benannt. VHC sei dabei laut BUGLAS auf Basis von Glasfaser bis zum "Distribution Point" (FTTdp) definiert, also der Verlegung von Glasfasern bis zum Kabelschacht in der Nähe des Kunden. Das wäre somit ein Schritt weiter als FTTC, bei dem Glasfaser nur bis zum nächsten Kabelverzweiger verlegt wird. Der ITRE-Ausschuss schlage dagegen eine Download-Bandbreite von 100 Mbit/s als Definition für VHC-Netze vor. Der BUGLAS kritisiert dies scharf.

BUGLAS kritisiert Vorgabe von Download-Bandbreiten

"Wenn Europa richtigerweise über die Gigabit-Gesellschaft und mögliche Hochverfügbarkeitsanwendungen diskutiert, ist eine erneute Vorgabe von Download-Bandbreiten weder hilfreich noch zielführend", so BUGLAS-Geschäftsführer Wolfgang Heer. "Wenn man nun ein Bandbreitenziel ausruft, das auch mit der Erschließung der Kabelverzweiger mit Glasfaser und den Einsatz von Vectoring erreicht werden kann, hebelt man die bestehende und bewährte Zugangsregulierung aus", kritisierte Heer.

Außerdem würden bei diesem Vorschlag der steigende Upload-Bedarf sowie die zunehmende Bedeutung von Latenz oder Packet-Loss-Raten vernachlässigt. Der BUGLAS-Geschäftsführer betont: "Wo VHC draufsteht, muss daher zwingend Glasfaser drin sein".

Glasfaserverband spricht sich gegen staatliche Netzausbauplanung aus

Der BUGLAS hatte sich am Dienstag in Brüssel gegenüber Abgeordneten des EU-Parlaments auch kritisch zu einer staatlichen Netzausbauplanung mit noch umfassenderen Auskunftspflichten für ausbauende Unternehmen gezeigt. "Die Wirtschaftsgeschichte zeigt ganz eindrucksvoll, dass eine wettbewerblich ausgerichtete Marktstruktur Planwirtschaften in punkto Verfügbarkeit und Qualität von Produkten und Leistungen immer klar überlegen ist", erläuterte Heer.

Die finale Beschlussempfehlung des ITRE-Ausschusses soll am 11. Juli erfolgen. Auch weitere Ausschüsse sowie der Rat beschäftigen sich aktuell mit dem EU TK-Review.

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