Kritik von Branchenverbänden

BUGLAS und FRK warnen vor Unitymedia-Übernahme durch Vodafone

Scharfe Kritik an der geplanten Fusion von Vodafone und Unitymedia äußerten aktuell die Branchenverbände BUGLAS und FRK. Der BUGLAS hält den Deal wegen der Nachteile für Verbraucher und kleinere Anbieter für nicht genehmigungsfähig.

Jörg Schamberg, 14.11.2018, 10:52 Uhr
BUGLAS© Bundesverband Glasfaseranschluss e.V. (BUGLAS)

Bonn/Lauchhammer – Je näher die endgültige Entscheidung über die geplante Übernahme des Kabelnetzbetreibers Unitymedia (Angebote von Unitymedia) Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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durch Vodafone rückt, umso mehr formiert sich der Widerstand dagegen. Am Dienstag kam scharfe Kritik vom Bundesverband Glasfaseranschluss e. V. (BUGLAS) sowie vom FRK – Fachverband Rundfunk- und BreitbandKommunikation. In der vergangenen Woche hatte bereits der Glasfaserverband BREKO vor negativen Folgen für Verbraucher gewarnt.

BUGLAS: Fusion von Vodafone und Unitymedia nicht genehmigungsfähig

In das gleiche Horn bläst auch der BUGLAS, der die geplante Kabelfusion für nicht genehmigungsfähig hält. Es würden erhebliche Wettbewerbsverzerrungen und Nachteile für Verbraucher drohen. Außerdem würde die ökonomische Grundlage für den weiteren Glasfaserausbau bis mindestens in die Gebäude (FTTB/H) entfallen. In Brüssel hatte der BUGLAS am Montag seine Bewertung des geplanten Zusammengehens von Vodafone und Unitymedia vorgetragen.

"Im Falle einer Genehmigung der Fusion würde ein Kabel-Gigant mit einer Marktabdeckung von rund 70 Prozent entstehen, der mit seiner weiter konzentrierten Marktmacht und Integration von klassischem Kabel-TV, Mobilfunk sowie Festnetztelefonie und Festnetzinternet die Wirtschaftlichkeit des überwiegend lokalen und regionalen Glasfaserausbaus bis mindestens in die Gebäude massiv beeinträchtigen, wenn nicht gar vollständig in Frage stellen würde", so BUGLAS-Geschäftsführer Wolfgang Heer. Bereits heute dominierten Vodafone und Unitymedia den TV-Markt, wie am Beispiel der Einspeiseentgelte für die Must-Carry-Sender ersichtlich sei.

"Im Zusammenspiel mit der Mobilfunk-Infrastruktur von Vodafone könnte das fusionierte Unternehmen zudem auch Quadruple-Play-Bundles anbieten, die von kleineren Wettbewerbern nicht nachbildbar sind", erklärt Heer weiter. Es würde ein Duopol aus Vodafone und Telekom auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt entstehen. Einen Anreiz für die beiden Unternehmen in nachhaltige Glasfaserinfrastrukturen zu investieren, gebe es dann nicht mehr. Anstatt nun in endlich in Deutschland die Aufholjagd bei der Glasfaserversorgung anzutreten, würde ein Duopol den Status Quo zementieren.

Kleinere Anbieter werden aus dem Markt gedrängt

Der BUGLAS sieht die Gefahr eines Verdrängungswettbewerbs durch den Preisdruck der Marktriesen, kleinere Anbieter könnten gezwungen sein aus dem Markt auszusteigen. "Was den Verbraucher kurzfristig vielleicht freuen mag, wird sich aber spätestens bereits mittelfristig als Bumerang erweisen, wenn mangels entsprechendem Innovationsdruck die notwendigen Investitionen in FttB/H-Netze unterbleiben und somit die Grundlagen für 5G und Gigabit-Konnektivität nicht gelegt werden", betont der BUGLAS-Geschäftsführer. Wegen all dieser Bedenken und möglichen Folgen dürfe die Fusion von Vodafone und Unitymedia nicht genehmigt werden. "Die abzusehenden Wettbewerbsverzerrungen und Nachteile für die Verbraucher lassen sich durch eventuelle Effizienzgewinne des Zusammengehens der beiden Unternehmen nicht rechtfertigen."

FRK: Aus ehemaligem Staatsmonopol darf kein Duopol entstehen

Die Kritik des FRK zielt dagegen aktuell auf Äußerungen von Mike Fries, Chef des Unitymedia-Mutterkonzerns Liberty Global. Das Bundeskartellamt will die geplante Übernahme von Unitymedia durch Vodafone prüfen. Fries hatte diesen Schritt als total erwartbar und nicht überraschend bezeichnet. Liberty Global-Chef Fries meinte weiter, dass die Europäische Kommission genau für solche Art von Deals geschaffen worden sei. Der FRK-Vorsitzende Heinz-Peter Labonte wirft Mike Fries dagegen völlige Unkenntnis der wettbewerbspolitischen Zusammenhänge in Deutschland und Europa vor.

"Herr Fries übersieht völlig, dass die Kommission vor rund zwei Jahrzehnten die Telekom gezwungen hat, ihr Kabelgeschäft in neun Regionalgesellschaften aufzuspalten und diese zu verkaufen. Ziel der Kommission war es, dass diese Gesellschaften miteinander in den Wettbewerb treten", so Labonte. "Jetzt soll auf einmal alles wieder zusammenwachsen? Anstatt dass Unitymedia und Vodafone gegenseitig gebietsüberschreitend in den Wettbewerb treten, soll es Ziel der EU-Kommission sein, nach Auflösung des Telekommonopols ein neues Duopol mit einem noch marktmächtigeren zweiten angelsächsischen Unternehmen im breitbandigen Kabelmarkt zu schaffen, das die TV-Sender mit seiner Einkaufsmacht massiv bedroht," so Labonte weiter.

"Falls Herr Fries aufgrund seiner Vorgespräche zu dem geschilderten Ergebnis kommt, so handelt es sich entweder um historische Unkenntnis oder einen Ausbruch Trump’scher Wahrheitsliebe“ erklärte Labonte. Die EU-Kommission dürfe die Deregulierung der Telekom nicht vollkommen zurückdrehen. Aus einem ehemaligen Staatsmonopol dürfe nicht ein wirtschaftliches Duopol entstehen. "Weniger selektive Wahrnehmung und eine intensivere Beschäftigung mit der deutschen und europäischen Wettbewerbspolitik und ihrer Historie würde Ihren internationalen Horizont deutlich erweitern, Herr Fries!", richtet sich Labonte direkt an den US-Manager.

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