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Bruchlandung mit Nacktscannern in Düsseldorf

Schon wieder machen Körperscanner deutschen Flughäfen Probleme. Die mit Millionen-Aufwand auf US-Druck angeschafften Geräte werden am Flughafen Düsseldorf bei großen Andrangs abgeschaltet, damit Passagiere ihren Flug erreichen. Die Geräte halten weiterhin nicht, was die Hersteller-Lobby verspricht.

29.12.2014, 12:22 Uhr
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Eigentlich sollen Körperscanner die Abfertigung an Flughäfen beschleunigen. So versprach es die Lobby der vier großen Hersteller, von denen drei ihren Sitz in den USA haben. Doch nicht einmal dieses Versprechen erfüllen die skandalträchtigen Geräte. Über Weihnachten wurde bekannt, dass die Scanner am Flughafen Düsseldorf während der Stoßzeiten abgeschaltet werden mussten, weil sie ineffektiv und zu langsam sind.

Jeder zweite Nacktscan fehlerhaft

Die Bundespolizei bestätigte entsprechende Informationen gegenüber der Wochenzeitschrift Spiegel. Damit bleiben die fehleranfälligen Scanner auch weiterhin den Beweis schuldig, dass sie zumindest ihren Zweck erfüllen.

Die milliardenschwere Sicherheits-Industrie hatte den flächendeckenden Einsatz zunächst in den USA gegen Widerstände aus der Bürgerrechtsbewegung durchgesetzt. Dort kann sich eine Regierung dem Druck des sogenannten Militärisch-Industriellen-Komplexes kaum entziehen - zumal, wenn es um die nationale Sicherheit geht.

Die auch als Nacktscanner bezeichneten Geräte zeigten in der Praxis jedoch viel höhere Fehlerquoten als herkömmliche Sicherheitschecks. Bereits 2011 lösten von 809.000 in Scannern bestrahlten Passagieren 49 Prozent einen falschen Alarm aus - unter anderem wegen Schweißflecken oder Hosenfalten. Angeblich wurden die Scanner seither verbessert. Offensichtlich ist es nicht gelungen, die Fehlerquote zu senken. Staatssekretär Ole Schröder räumte im November vor dem Innenausschuss des Bundestages ein, jeder zweite Passagier müsse weiterhin nachkontrolliert werden. Allerdings behauptete der CDU-Innenexperte, die Fehlerquote habe früher sogar 70 Prozent betragen.

Experte schmuggelt explosives Pulver trotz Scanner

Wie wenig die Scanner taugen, hatte fünf Jahre nach dem ersten Einsatz in den USA Sicherheitsexperte Werner Gruber live im TV bewiesen. Das explosive Video inklusive einem entsetzten Innenexperten und einem stotternden Scannerverkäufer ist bei Youtube abrufbar.

Aufgrund dieser und weiterer Erkenntnisse blieb der auf etwa neun Milliarden Euro taxierte europäische Markt für sicherheitstechnische Ausrüstungen und Produkte den Körperscanner-Herstellern zunächst versperrt. Am Ende aber mussten sich die europäischen Flughäfen dem fortgesetzten Lobbybeschuss aus den USA beugen. Daran änderte ein kurzer Aufschrei nichts, als bekannt wurde, dass die ersten beiden in Deutschland installierten Körperscanner von einem Streubomben-Hersteller bezogen wurden. Streubomben sind eine international geächtete Kriegswaffe.

Deutscher Ex-Minister wird Lobbyist bei Nacktscanner- und Panzerschmiede

Das war kein Zufall. Der Hersteller L3 Communications Security and Detection Systems gehört zu den zehn weltweit größten Waffenkonzernen und betreibt intensive Lobbyarbeit in Washington. Weitere Körperscanner-Lobbyisten mit Verbindungen zur US-Regierung sind unter anderem ehemalige ranghohe TSA-Mitarbeiter und der frühere US-Senator Al D’Amato. Der ehemalige Minister für Innere Sicherheit Michael Chertoff warb intensiv für den Einsatz von Körperscannern, ohne bekannt zu geben, dass er Lobbyist für einen der Hersteller ist. Aber auch die deutsche Waffenindustrie pflegt den Austausch mit der Politik. Am kommenden Freitag tritt der ehemalige Fallschirmjäger und FDP-Entwicklungsminister Dirk Niebel seinen Dienst als Rüstungslobbyist beim Düsseldorfer Nacktscanner- und Panzerproduzenten Rheinmetall an.

Nutzen der 150.000 Dollar teuren Geräte weiter umstritten

So werden mit Millionenaufwand aus Steuergeldern die Geräte zum Stückpreis von 150.000 Dollar angeschafft, obwohl ihr Nutzen weiter umstritten bleibt. Für Homeland-Security und Flugsicherheit ist kein Preis zu hoch. Immerhin sollten aber nach vier Jahren Einsatz die Mängel durch häufigen falschen Alarm behoben sein.

Das scheint jedoch nicht der Fall zu sein, wie die aktuelle Panne am Düsseldorfer Flughafen belegt. Die Meldung platzt ausgerechnet in eine Zeit, da die Waffenlobby das millionenschwere Europa-Geschäft in der Tasche zu haben schien. Nach jahrelangen Ringen war im Oktober die Entscheidung gefallen, dass die Bundesregierung 75 neue Nacktscanner an deutschen Flughäfen aufstellen wird.

(Michael Frenzel)

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