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Britische Regierung plant Umstieg auf Open-Source-Software

Die britische Regierung ist gewillt, bei der Software-Beschaffung für die öffentliche Verwaltung deutliche Einsparungen vorzunehmen. Im Zuge dessen sollen Dokumente nicht nur auf offene Dateiformate umgestellt werden, auch will man künftig bevorzugt auf Open-Source-Programme setzen.

02.02.2014, 00:01 Uhr
Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Konzerne wie Microsoft machen einen großen Teil ihres Umsatzes durch den Verkauf von Software-Lizenzen. Vor allem Unternehmenskunden, Institutionen und große Organisationen sorgen dabei für lukrative Aufträge, die schnell in die Millionen gehen können. Oft stellt sich während eines laufenden Beschaffungsprozesses daher irgendwann die Frage, ob Open-Source-Alternativen nicht das Gleiche deutlich günstiger leisten könnten.

Aus für Microsoft und Co.

In vielen Fällen bleibt es nur bei Überlegungen, hin und wieder entscheidet sich ein gewichtiger Akteur aber tatsächlich für den Umstieg. Aufsehen erregt dabei nun die britische Regierung mit ihrem Vorhaben, für digitale Dokumente künftig ausschließlich offene Dateiformate und nach Möglichkeit Open-Source-Programme zu verwenden. Teure Software-Produkte, wie etwa Microsoft Office, sollen hingegen im Zuge dessen weitgehend aus der öffentlichen Verwaltung verbannt werden, berichtet der "Guardian".

Die Londoner Administration hofft so auf Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe und mehr Effizienz in Beschaffungsdingen. Auch soll auf diese Weise die Kommunikation zwischen Behörden und Bürgern vereinfacht werden. Vor allem Kompatibilitätsproblemen beim Öffnen von Dokumenten in proprietären Formaten will man durch die standardisierte Verwendung offener Formate entgegentreten.

Allerdings kann der großflächige Umstieg auf Open-Source-Lösungen auch neue Probleme hervorbringen. Ende 2012 sorgte etwa die Stadt Freiburg durch eine Rückkehr zu Microsoft Office für Schlagzeilen. Das zuvor mehrere Jahre verwendete Open Office hatte in der Praxis zu zahlreichen Schwierigkeiten sowie unerwarteten Zusatzkosten geführt. Andere deutsche Städte, beispielsweise München, haben den Wechsel in das Open-Source-Lager hingegen nicht bereut.

Die Großen sind zu teuer

Der Plan der britischen Regierung geht allerdings noch deutlich weiter: So will man künftig ebenfalls dafür sorgen, dass bei offiziellen Ausschreibungen im Software-Bereich verstärkt kleinere und mittlere Unternehmen Berücksichtigung finden. "Bislang herrschte in der Verwaltung die Ansicht vor, wer ein großes multi-nationales Unternehmen engagiere, das jeder kenne, sei auf der sicheren Seite", erklärte der britische Cabinet-Office-Minister Francis Maude. In der Folge habe man aber nicht nur Innovationen verpasst, sondern auch viel Geld für veraltete Technologien gezahlt.

Welches Sparpotenzial sich durch eine Öffnung ergeben kann, veranschaulichte Maude sogleich an einem aktuellen Beispiel: Bei der kürzlich erfolgten Neuausschreibung eines Hosting-Auftrags habe der bisher genutzte Anbieter eine Summe von 4 Millionen Pfund angeführt, während ein kleineres britisches Unternehmen die gleiche Leistung für lediglich 60.000 Pfund erbringe, so der Minister. "Wir haben dem Steuerzahler also sagenhafte 98,5 Prozent an Ausgaben gespart", betonte der Minister.

(Christian Wolf)

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