Nach Anschlag

Britische Ministerin will Zugang zu Whatsapp-Chats

Vor dem Anschlag in London soll der Täter über den Messenger Whatsapp kommuniziert haben. Nun fordert die Innenministerin Zugang zu den verschlüsselten Chats.

Melanie Zecher, 27.03.2017, 11:49 Uhr (Quelle: DPA)
Großbritannien © samott / Fotolia.com

London – Nach dem Anschlag von London mit fünf Toten und etwa 50 Verletzten ist in Großbritannien eine Debatte über die Verschlüsselung von Kurznachrichten entbrannt. Anlass sind Medienberichte, die nahelegen, dass der Attentäter Khalid Masood kurz vor dem Anschlag noch den Kurznachrichtendienst Whatsapp nutzte. Die britische Innenministerin Amber Rudd forderte am Sonntag Whatsapp und andere Social-Media-Unternehmen auf, Sicherheitsbehörden Zugang zu verschlüsselten Nachrichten zu gewähren.

Geheimdienste sollen Zugang zu verschlüsselten Chats bekommen

"In dieser Situation müssen wir sicherstellen, dass unsere Geheimdienste Zugang zu verschlüsselten Whatsapp-Nachrichten haben", sagte Rudd. Sie kündigte an, in der kommenden Woche auf eine Reihe von Firmen mit Vorschlägen für eine Zusammenarbeit zuzugehen.

Die Polizei wollte sich zu möglichen Whatsapp-Chats Masoods nicht äußern. "Es handelt sich um pure Spekulation durch die Medien", sagte ein Scotland-Yard-Sprecher am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

Erst am Samstag hatten die Behörden eingestanden, dass möglicherweise nie geklärt werden kann, was Masood zu seiner Tat trieb. "Wir müssen alle die Möglichkeit akzeptieren, dass wir nie verstehen werden, warum er das getan hat. Dieses Wissen könnte mit ihm gestorben sein", hieß es in einer Mitteilung.

War Masood ein Einzeltäter?

Die Polizei geht davon aus, dass Masood alleine handelte. Doch weiterhin ist unklar, ob der 52-Jährige bei der Vorbereitung unterstützt wurde oder ob er möglicherweise einen Auftrag für den Terroranschlag erhielt. "Wir sind entschlossen zu verstehen, ob Masood ein Einzeltäter war, der von terroristischer Propaganda inspiriert wurde, oder ob ihn andere ermutigt, unterstützt oder angeleitet haben", hieß es in der Scotland-Yard-Mitteilung weiter.

Masood war am Mittwoch mit einem Wagen gezielt in Fußgänger auf der Westminster-Brücke in London gefahren. Er tötete dabei drei Menschen; anschließend erstach er einen unbewaffneten Polizisten vor dem Parlament. Masood wurde von Sicherheitskräften erschossen. 50 Menschen wurden bei seinem Attentat teils schwer verletzt. Der ganze Anschlag dauerte gerade einmal 82 Sekunden. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert die Tat für sich. Der Wissenschaftler Peter Neumann bezweifelte aber, dass Masood in direktem IS-Auftrag handelte.

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