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Briten speichern Reisedaten zehn Jahre lang

Die britische Regierung will die 250 Millionen jährlichen Reisebewegungen ihrer Bürger im Kampf gegen Terrorismus und Kriminalität detailliert in einer Datenbank erfassen.

09.02.2009, 15:01 Uhr
Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

Großbritannien ist in den letzten Monaten häufiger mit peinlichen Datenpannen in die Schlagzeilen geraten. So gab es etwa Skandale um Verluste der Daten von britischen Häftlingen, vom britischen Verteidigungsministerium, von Bankkunden oder von Kindergeldempfängern. Häufig war Unachtsamkeit bei der Aufbewahrung der Grund für die Datenlecks. Dessen ungeachtet will die britische Regierung nun offenbar in einer neuen Mega-Datenbank die Reisedaten ihrer rund 60 Millionen Einwohner detailliert speichern.
Geheime Datenbank
Die britische "Sunday Times" berichtete über eine bisher geheime Datenbank der Regierung, in der neben Namen und Telefonnummern von ein- und ausreisenden Briten auch die Sitzplatzreservierung, die Fahrtroute und Kreditkartendaten festgehalten werden sollen. Jedes Jahr gebe es in Großbritannien laut "Sunday Times" rund 250 Millionen Ein- und Ausreisen. Das Innenministerium bestätigte, dass die Reisedaten jedes individuellen Reisenden zehn Jahre lang gespeichert werden sollen.
Auf dem Schritt in den totalen Überwachungsstaat
Die neue Datenbank, die in einem Industriegebiet in der Nähe von Manchester angesiedelt ist, sei ein wichtiger Bestandteil im Kampf gegen Kriminalität, illegale Einwanderung und Terrorismus. Doch die Pläne der britischen Regierung sorgen bei der Opposition und Datenschützern für Unmut. Gegner einer solchen Datenbank befürchten, dass die Datenerfassung ein weiterer Schritt auf dem Weg zum totalen Überwachungsstaat sei. Denn die gesammelten Daten könnten auch für andere Zwecke genutzt werden. So lassen sich unter anderem etwa auch Rückschlüsse auf die Reisebegleitung der Briten ziehen. Nichts bliebe mehr geheim.
Einwanderungsminister Phil Woolas verteidigte jedoch die Pläne. Großbritannien habe eine der best geschützten Grenzen weltweit und dies solle auch so bleiben. Reisende, die sich nicht an die Spielregeln der Regierung halten, könnten mit dem neuen System ermittelt werden. Im Zentrum zur Bespitzelung der Reisegewohnheiten der eigenen Landsleute sollen mehr als 300 Polizisten und Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde tätig werden. Eine ähnliche hohe Zahl von Technikern wird die erhobenen Reisedaten mit Daten der Polizei, des Geheimdienstes und anderer Regierungsbehörden abgleichen.
Ab 2014 sollen alle Reisebewegungen erfasst werden
Die Datenbank bildet einen Baustein im Rahmen des "e-borders"-Programm. Alle Ein- und Ausreisenden nach Großbritannien sollen damit ab 2014 erfasst werden können. Im Moment laufe auf einigen Reisestrecken inklusive der Flughäfen Heathrow und Gatwick schon ein Pilotversuch. Bislang seien bereits 70 Millionen Bewegungen von Reisenden erfasst worden, bis Ende April soll sich diese Zahl auf 100 Millionen erhöht haben. Am Ende des nächsten Jahres sollen bereits 95 Prozent aller Reisebewegungen erfasst sein. Die Transportunternehmen leiten die Daten der Reisenden an die Behörden weiter, wann immer ein Brite per Flugzeug, Schiff oder Zug Großbritannien verlässt oder wieder einreist.

(Jörg Schamberg)

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