BREKO Marktanalyse 2021

BREKO will Tempo beim Glasfaserausbau erhöhen: An Geld mangelt es nicht

Aktuelle Zahlen zum Glasfaserausbau in Deutschland hat der Verband BREKO mit der "BREKO Marktanalyse 2021" vorgelegt. Der Glasfaserausbau kommt hierzulande deutlich voran.

Jörg Schamberg, 27.07.2021, 12:28 Uhr
Glasfaser Kabel Ausbau© Gundolf Renze / Adobe Stock

Der Bundesverband Breitbandkommunikation e.V. (BREKO) hat am Dienstag die "BREKO Marktanalyse 2021" vorgestellt. Dazu lieferten 201 BREKO-Netzbetreiber Daten, die im Mai 2021 per Fragebogen befragt worden waren. Der Verband sammelte somit aktuelle Zahlen zum Glasfaserausbau in Deutschland. Laut BREKO-Präsident Norbert Westfal laufe der Glasfaserausbau hierzulande auf Hochtouren. Beim Ausbau der schnellen Internetanschlüsse liege Deutschland im europäischen Vergleich inzwischen auf dem dritten Platz. Das Tempo soll aber noch weiter erhöht werden.

43 Milliarden Euro für eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau verfügbar

Am Geld mangele es nicht: In den nächsten fünf Jahren würden 43 Milliarden Euro für den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau bereitstehen. Geld allein baue aber laut Westfal keine Glasfasernetze. Schleppende Genehmigungsverfahren seien ein Nadelöhr. Der BREKO fordert für die nächste Legislaturperiode ein Digitalministerium, in dem alle politischen Kräfte für die Digitalisierung und den Glasfaserausbau gebündelt werden sollten.

Flächendeckender Glasfaserausbau nicht bis 2025 erreichbar

Die breitgestreuten staatlichen Förderprogramme würden den Netzausbau nicht beschleunigen. Geförderte Ausbauprogramme würden in der Abwicklung länger dauern als eigenwirtschaftlich realisierte Projekte. Förderung sei jedoch sinnvoll als Ergänzung in Gebieten, wo auch in den nächsten Jahren die wirtschaftliche Grundlage für den Ausbau fehle. Die begrenzten Tiefbaukapazitäten beeinträchtigen den Ausbau. Lieferengpässe bei Kabeln, Rohren und Halbleitern seien zudem nicht kurzfristig behebbar. Trotz mehr Tempo beim Glasfaserausbau, müsse jedoch auch klar gemacht werden, dass ein flächendeckender FTTH-Ausbau bis 2025 nicht erreicht werden könne. Dies werde länger dauern.

Genutztes Datenvolumen im Festnetz steigt jährlich um 30 bis 40 Prozent

Professor Jens Böcker präsentierte die gesammelten Daten der Marktanalyse im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz. Das Datenvolumen im Festnetz lege bezogen auf alle Haushalte und Unternehmen jährlich um 30 bis 40 Prozent zu. Für 2020 nennt Böcker ein verbrauchtes Datenvolumen von 200 GB pro Monat. Für 2023 prognostiziert die BREKO Marktanalyse ein genutztes Datenvolumen von 485 GB, 2025 sollen es bereits 876 GB pro Monat sein. Treiber seien etwa die Speicherung von Daten in der Cloud, aber auch Gaming und Streaming. Im Mobilfunk lag der monatliche Datenverbrauch 2020 dagegen lediglich bei 2,2 GB. Dies macht rund 1,1 Prozent des Festnetzvolumens aus. Nur drei Prozent der Haushalte würden auf einen Festnetzanschluss verzichten, dies seien vor allem jüngere Nutzer.

Gigabit-Anschluss wird zum Standard werden

Knapp ein Drittel der gebuchten Anschlüsse verfügten 2020 über eine Download-Geschwindigkeit von 100 Mbit/s oder mehr. Dies war ein Zuwachs von 2,3 Millionen gegenüber dem Vorjahr. Langsame Anschlüsse würden zunehmend aussterben, die Nachfrage nach schnellen Anschlüssen steige deutlich. Über eine Million Kunden haben einen Gigabit-Tarif gebucht. Dies seien bei den befragten BREKO-Mitgliedsunternehmen drei Prozent aller Vertragskunden. Professor Böcker geht davon aus, dass Anschlüsse mit 1 Gbit/s zum neuen Standard werden.

BREKO Marktanalyse 2021 Internetanschlüsse Die Bandbreite der gebuchten Internetanschlüsse legt stetig zu.© BREKO

Glasfaser bei Kunden auf Platz 1 als bevorzugte Anschlusstechnologie

Welche Technologien stehen bei gebuchten Anschlüssen von mindestens 200 Mbit/s oder mehr zur Verfügung? 2020 seien bei 17,7 Prozent der Anschlüsse Glasfaser verfügbar gewesen, ein Anstieg um 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 52 Prozent der Anschlüsse konnten auf VDSL zugreifen, 66,4 Prozent der Kabelanschlüsse war entsprechend schnell. Bei den bevorzugten Anschlusstechnologien liege Glasfaser auf Platz 1 bei den Kunden.

Die Investitionen sind 2020 um 7,1 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro gestiegen. Es sei so viel investiert worden wie nie zuvor. 5,9 Milliarden Euro der Investitionen entfielen im vergangenen Jahr auf die alternativen Netzbetreiber sowie 4,6 Milliarden Euro auf die Deutsche Telekom. Insgesamt sei seit der Marktliberalisierung 1998 in Deutschland 174,4 Milliarden Euro in den Netzausbau investiert worden. Die staatliche Förderung habe daran einen Anteil von rund fünf Prozent.

BREKO Marktanalyse 2021 Glasfaserausbau Der Glasfaserausbau in Deutschland hat an Tempo gewonnen.© BREKO

2020 gab es 8,3 Millionen Glasfaseranschlüsse in Deutschland

Die Zahl der Glasfaseranschlüsse (Homes Passed), die zwar bereits an den Häusern vorbeigehen, aber technisch noch nicht angeschlossen sind, beziffert die BREKO-Studie für 2020 auf 8,3 Millionen. Davon entfielen 6,2 Millionen Anschlüsse auf die alternativen Netzbetreiber sowie 2,1 Millionen auf die Telekom. Für 2021 prognostiziert der BREKO ein sehr starkes Wachstum und sieht 7,9 Millionen Glasfaseranschlüsse bei den alternativen Netzbetreiber sowie 3,5 Millionen bei der Telekom. Für 2024 rechnet der Verband sogar mit 16 Millionen Glasfaseranschlüssen bei den Telekom-Wettbewerbern sowie mit zehn Millionen bei der Telekom. Insgesamt würde es 2024 damit 26 Millionen Glasfaseranschlüsse geben.

Die sogenannte Take-Up-Rate, also der Anteil der tatsächlich von Kunden gebuchten Anschlüsse, lag 2020 bei den BREKO-Netzbetreibern bei 43 Prozent (2019: 42 Prozent). In den nächsten fünf Jahren lege die Bandbreitennachfrage stark zu. Die durchschnittliche Download-Geschwindigkeit bei Privatkunden steige von 156 Mbit/s in diesem Jahr auf 369 Mbit/s (2024) bis zu 845 Mbit/s im Jahr 2026. In diesem Zeitraum soll die Upload-Bandbreite von aktuell im Schnitt 88 Mbit/s auf 302 Mbit/s im Jahr 2026 zulegen. Es werde außerdem mehr Carrier geben, die Tarife mit symmetrischen Bandbreiten anbieten.

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