Gebäudeverkabelung

BREKO: Bundesnetzagentur benachteiligt FTTB gegenüber VDSL

Der Glasfaserverband sieht eine aktuelle Entscheidung der Bundesnetzagentur äußerst kritisch. VDSL-Anschlüsse der Telekom würden bei der Nutzung der Gebäudeverkabelung künftig gegenüber FTTB-Glasfaseranschlüssen bevorzugt.

Jörg Schamberg, 24.04.2020, 17:13 Uhr
Highspeed InternetWerden FTTB-Anschlüsse gegenüber VDSL-Anschlüssen der Telekom bei der Nutzung der Gebäudeverkabelung künftig benachteiligt?© Silvano Rebai / Fotolia.com

Der Glasfaserverband BREKO kritisiert eine am Freitag veröffentlichte Entscheidung der Bundesnetzagentur. Nach Ansicht des Verbandes räumt die Bonner Regulierungsbehörde den Kupfer-Anschlüssen der Telekom Vorrang gegenüber Glasfaseranschlüssen bis in die Gebäude (FTTB) ein. Die EU-Kommission müsse die Entscheidung jedoch noch freigeben.

Quasi-Monopol der Telekom über die Gebäudeverkabelung?

Die Entscheidung betreffe unter anderem den Zugang zur Telefonleitung vom Keller eines Gebäudes bis zum jeweiligen Kunden in der Wohnung. Die Telekom erhalte nun durch die Bundesnetzagentur laut BREKO ein "Quasi-Monopol über die Gebäudeverkabelung". Auf den letzten Metern im Gebäude nutzen FTTB- und VDSL-Anschlüsse dieselben Kupferkabel der Gebäudeverkabelung. Sie würden sich hierbei gegenseitig stören. Die Netzagentur wolle jetzt den "längst abgeschriebenen Kupferanschlüssen der Telekom" einen weitreichenden Schutz gegenüber den Glasfaseranschlüssen der Wettbewerber gewähren. Die Telekom-Wettbewerber waren bereit, dem Bonner Konzern einen marktgerechten offenen Netzzugang zu den Glasfaseranschlüssen zu gewähren.

Für Anbieter von FTTB gebe es nun nur zwei Möglichkeiten. Sie müssten zum Einen das von VDSL oder VDSL-Vectoring bzw. Super-Vectoring genutzte Frequenzspektrum ausblenden. Dadurch stünde den Endkunden im schlimmsten Fall nur noch eine Bandbreite von maximal 600 Mbit/s bereit, obwohl über den Glasfaseranschluss Gigabit-Bandbreiten realisierbar sind. Zum Anderen könnte die Telekom die Glasfaseranschlüsse von der Nutzung der Gebäudeverkabelung ausschließen. Diese würden damit abgeschaltet, auch wenn sie sich nicht im Eigentum der Telekom befinden.

Gigabit-Ziel der Bundesregierung wird konterkariert

"Mit der Entscheidung der Bundesnetzagentur wird das Gigabit-Ziel der Bundesregierung konterkariert. Gleichzeitig setzt sie ein fatales Signal für die Unternehmen, die Glasfaseranschlüsse bis in die Gebäude (FTTB) bereits gebaut haben bzw. vor haben, diese zu bauen", kritisiert BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers. "Das ist doch paradox und den Menschen und Unternehmen in unserem Land, die schnelle Glasfaseranschlüsse nutzen möchten, nicht zu erklären: Einerseits kritisiert die Politik, dass der Glasfaserausbau in Deutschland nicht schnell genug gehe. Andererseits gibt die für Telekommunikations-Regulierung zuständige Bundesbehörde den Kupfer-Anschlüssen der Telekom Vorrang gegenüber FTTB-Anschlüssen", so Albers weiter.

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