Breitbandstudie 2016

BREKO: 50 Mbit/s bis 2018 bestenfalls für 85 Prozent der Haushalte

Der Glasfaserverband BREKO fordert Vorrang für den Glasfaserausbau. Der Verband erklärte bei der Vorstellung der "BREKO Breitbandstudie 2016", dass nur echte Glasfaseranschlüsse den stetig steigenden Breitbandbedarf befriedigen könnten.

Jörg Schamberg, 12.09.2016, 12:37 Uhr
BREKO© BREKO Bundesverband Breitbandkommunikation e. V.

Berlin – Die Breitbandnachfrage wird in den kommenden Jahren weiter rasant steigen. Für das Jahr 2025 geht der Glasfaserverband BREKO, in dem sich 148 Netzbetreiber zusammengeschlossen haben, von einer durchschnittlichen privaten Nachfrage nach Internetgeschwindigkeiten von 400 Mbit/s im Download und 200 Mbit/s im Upload aus. Das ist ein Ergebnis der am Montag vorgestellten "BREKO Breitbandstudie 2016". An der Marktbefragung beteiligten sich rund 90 Prozent aller BREKO-Netzbetreiber.

BREKO fordert Vorfahrt für Glasfaseranschlüsse

Doch wie lässt sich der zukünftige Breitbandbedarf am besten abdecken? Für BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers ist die Antwort klar: "Wir brauchen Vorfahrt für Glasfaseranschlüsse in Deutschland". Die BREKO-Netzbetreiber würden in immer stärkerem Maße auf den 'richtigen' Glasfaserausbau, die Verlegung von Glasfaserleitungen bis ins Gebäude (FTTB) oder bis direkt in die Wohnungen der Kunden (FTTH) setzen. Die Politik müsse laut Albers endlich klare Kante zeigen und dem Ausbau der Glasfaserinfrastruktur Vorrang einräumen.

Schweden, das führend ist beim Glasfaserausbau in Europa, sei Deutschland rund zehn Jahre voraus. Das nordeuropäische Land ermögliche bereits rund 70 Prozent der Einwohner bei Bedarf einen Zugriff auf einen schnellen Glasfaseranschluss. In Deutschland sei das Bundesland Schleswig-Holstein mit einer FTTH/B-Erschließung von 25 Prozent Spitzenreiter. Der Bundesdurchschnitt liege bei einer Glasfaserabdeckung von 6,7 Prozent. Dabei ist allerdings noch viel zu tun, um nicht abgehängt zu werden: Zwölf Bundesländer liegen laut der Studie unter dem bundesweiten Durchschnitt.

FTTH/B-Anschlüsse für 2,65 Millionen Haushalte verfügbar

Insgesamt beziffert die BREKO-Studie die FTTH/B-Verfügbarkeit Ende 2015 bei insgesamt 2,65 Millionen Haushalten. Zum Vergleich: Die Zahl der gebuchten Breitbandanschlüsse in den Festnetzen lag Ende des vergangenen Jahres bei rund 30,7 Millionen. Rund 81 Prozent des Glasfaserausbaus per FTTH/B erfolge durch die alternativen Netzbetreiber, der Löwenanteil von mehr als 60 Prozent entfalle auf die BREKO-Carrier. Für die Telekom (www.telekom.de/dsl Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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) weist die Studie lediglich 0,5 Millionen FTTH/B-Anschlüsse aus.

Der BREKO weist darauf hin, dass das Angebot von schnellen Internetanschlüssen von den Kunden auch angenommen werde. Um eine Million kletterte beispielsweise die Zahl der Anschlüsse mit Bandbreiten von mehr als 100 Mbit/s, der Anteil an den Breitbandschlüssen insgesamt lag Ende 2015 aber dennoch erst bei 8 Prozent. Auf der anderen Seite nutzen immer noch, wenn auch mit stark rückläufiger Tendenz, 29 Prozent der Haushalte Internetanschlüsse mit Bandbreiten von weniger als 10 Mbit/s.

BREKO: Breitbandziel der Bundesregierung wird bis 2018 nicht erreicht

Die Bundesregierung hatte sich im Rahmen ihrer Breitbandstrategie das Ziel gesetzt, das bis 2018 Internetanschlüsse mit mindestens 50 Mbit/s flächendeckend in Deutschland bereitstehen. Ende 2015 waren solche Breitbandanschlüsse allerdings erst für rund 70 Prozent der Haushalte hierzulande verfügbar. BREKO-Präsident Norbert Westfal äußerte daher Zweifel an der Erreichung dieses Ziels. "Bestenfalls 85 Prozent können 2018 50 Mbit/s nutzen", so Westfal.

Die jüngste Vectoring-Entscheidung würde den Breitbandausbau sogar verlangsamen. "Die Vectoring-II-Technologie, die nach den Vorgaben Brüssels erst nach Einführung entsprechender Vorleistungsprodukte und grundsätzlich nur vom Ex-Monopolisten in den zu weiten Teilen bereits gut versorgten Nahbereichen eingesetzt werden darf, wird den Ausbau unterm Strich verzögern, anstatt ihn im Wettbewerb zu beschleunigen", erläuterte Telekommunikationsexperte Prof. Dr. Nico Grove.

Verband warnt vor Überbau von Glasfaseranschlüssen

Nicht förderlich für den Breitbandausbau sei in den vergangenen Jahren der parallele Ausbau von Breitband-Infrastruktur gewesen. Obwohl es in Gebieten bereits etwa schnelle Kabelanschlüsse gebe, baue die Telekom dort zusätzlich ihre eigenen Netze. Auch die Glasfasernetze der alternativen Netzbetreiber seien von einem Überbau bedroht. "Der Überbau wird sich weiter intensivieren – denn durch die vom Regulierer abgesegnete Ausbauverpflichtung wird die Deutsche Telekom nun in den vielfach gut versorgten Nahbereichen bereits vorhandene NGA-Infrastrukturen überbauen. Das ist regulatorisch angeordneter Überbau", kommentiert Experte Grove.

Die BREKO-Mitglieder prüfen derzeit rechtliche Schritte gegen die aktuelle Vectoring-Entscheidung der Bundesnetzagentur. Ende September endet die Einspruchsfrist, bis dahin wollen die alternativen Netzbetreiber entscheiden, ob sie Klage einreichen.

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