Rückblick

Breitbandjahr 2020: Gigabit-Internet und Glasfaser-Ausbau im Fokus

Wie hat sich der Breitbandmarkt in Deutschland im Jahr 2020 entwickelt? Die Kabelmarke Unitymedia verschwand vom Markt, zudem sind Gigabit-Anschlüsse für immer mehr Menschen verfügbar.

Jörg Schamberg, 29.12.2020, 13:10 Uhr
GeschwindigkeitImmer mehr Internetanschlüsse bieten Gigabit-Geschwindigkeit.© FotoMak / Fotolia.com

In dieser Woche steht der Jahreswechsel an, das Corona-Jahr 2020 geht zu Ende. Auch wenn die Pandemie viele Themen in den Hintergrund drückte: Der Breitbandausbau ist in diesem Jahr trotz Corona weiter vorangekommen. Wir werfen einen Blick zurück auf die Breitband-Highlights des Jahres.

Aus für Marke Unitymedia

UnitymediaDas Unitymedia-Logo verschwand im Februar 2020 vom deutschen Markt.© Unitymedia GmbH

Im Februar 2020 verschwand die Marke Unitymedia vom Markt. Der Kölner Kabelnetzbetreiber war im August 2019 vom Düsseldorfer Konkurrenten Vodafone übernommen worden. Vodafone führte die eigenen Internet- und Telefonie-Tarife auch für ehemalige Unitymedia-Kunden in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg ein. Nur im TV-Bereich gibt es vorerst noch unterschiedliche Angebote: Horizon TV bzw. GigaTV. Hier dürfte eine Harmonisierung 2021 anstehen. Als Auflage zur Übernahme von Unitymedia musste Vodafone sein Kabelnetz für Telefónica Deutschland (O2) öffnen. Ende November hat O2 mit der Vermarktung von Internet über Kabelanschlüsse begonnen.

Gigabit-Internet für immer mehr Haushalte verfügbar

2020 stand auch im Zeichen von Gigabit-Internet, hier vor allem durch die Aufrüstung der Kabelnetze auf den Kabelübertragungsstandard DOCSIS 3.1, der Download-Bandbreiten von zunächst bis zu 1 Gbit/s ermöglicht. Einen entsprechenden Gigabit-Aktionstarif bot Vodafone sowohl im Frühjahr und später im Herbst dieses Jahres zum dauerhaften Preis von knapp 40 Euro pro Monat an. Damit wurde Gigabit-Speed für viele Verbraucher erschwinglich. Noch vor ein bis zwei Jahren wurden für Gigabit-Anschlüsse Preise von über 100 Euro pro Monat aufgerufen. Gigabit-Internet ist im Kabelnetz von Vodafone bereits für 22 Millionen Haushalte verfügbar.

Telekom forciert den FTTH-Glasfaserausbau

Glasfaser Kabel AusbauDem Glasfaserausbau gehört die Zukunft, auch die Telekom setzt jetzt verstärkt auf FTTH.© Gundolf Renze / Adobe Stock

Highspeed-Internet stand 2020 verstärkt auch für die Deutsche Telekom im Fokus. Neben dem VDSL-Ausbau setzt der Bonner Konzern zunehmend auf den reinen Glasfaserausbau per FTTH und verlegt Internetanschlüsse mit Gigabit-Bandbreiten bis in die Wohnungen. In diesem Jahr habe die Telekom rund 600.000 weitere FTTH-Anschlüsse realisiert. Ab 2021 sollen jährlich rund zwei Millionen weitere FTTH-Anschlüsse hinzukommen. Aktuell können nach Angaben der Telekom zwei Millionen Haushalte einen Glasfaseranschluss der Telekom buchen.

Auch 1&1 vermarktet Gigabit-Glasfaseranschlüsse ebenso wie regionale Anbieter wie M-net, NetCologne, EWE & Co. Insgesamt schätzt eine TK-Marktstudie des Branchenverbandes VATM die Zahl der bis Ende 2020 in Deutschland insgesamt verfügbaren Glasfaseranschlüsse auf über 5,1 Millionen. Aktiv genutzt werden mit knapp 1,9 Millionen Glasfaseranschlüssen aber noch deutlich weniger. Zudem wird der Großteil der echten Glasfaseranschlüsse in Deutschland weiterhin von den Wettbewerbern der Telekom errichtet.

Zahl der Breitbandschlüsse steigt 2020 auf 36,2 Millionen

Rund eine Million neuer Breitbandanschlüsse sind laut der VATM-Marktstudie in diesem Jahr hinzugekommen. Insgesamt kommt Deutschland somit auf rund 36,2 Millionen vermarktete Breitbandanschlüsse. Über 70 Prozent davon entfallen auf DSL-Anschlüsse, ein Viertel auf HFC-Kabelanschlüsse sowie etwas über 5 Prozent auf Glasfaseranschlüsse. Bei der Telekom können 33,4 Millionen Haushalte jetzt einen Internetanschluss mit mindestens 100 Mbit/s buchen. Für 24,9 Millionen Haushalte ist ein Anschluss mit 250 Mbit/s oder mehr verfügbar.

Fritz!Box 7530 AXNeue WLAN-Router bieten nun oft Unterstützung für Wi-Fi 6.© AVM

Wi-Fi 6 auf dem Vormarsch

Der Zugriff auf Breitbandanschlüsse erfolgt zuhause in der Regel per WLAN über einen WLAN-Router. 2020 war auch der Durchbruch für den neuen, deutlich schnelleren WLAN-Standard Wi-Fi 6. Der Router-Hersteller AVM bietet beispielsweise mit der Fritz!Box 7530 AX einen Wi-Fi 6-Router an, auch andere Hersteller haben Router mit Unterstützung für Wi-Fi 6 auf den Markt gebracht. Mit älteren Endgeräten ist Wi-Fi 6 allerdings nicht nutzbar. Es erschienen in diesem Jahr aber zunehmend mehr neue Geräte wie Notebooks, Tablets und Smartphones, die fit für Wi-Fi 6 sind.

5G als Alternative zum Gigabit-Festnetzanschluss?

5G SmartphoneDer 5G-Ausbau der Mobilfunknetzbetreiber kommt mit großen Schritten voran.© Liridon / Adobe Stock

Nicht nur auf dem Festnetz-Markt finden sich zunehmend Gigabit-Anschlüsse. Dank des in diesem Jahr rasch vorangekommenen 5G-Ausbaus von Telekom und Vodafone, können viele Mobilfunkkunden inzwischen auf 5G zugreifen, wenn sie einen entsprechenden Mobilfunktarif gebucht haben. Bis zu 1 Gbit/s lassen sich mobil je nach Anbieter und Verfügbarkeit vor Ort realisieren. Das 5G-Netz der Telekom sei bereits für 55 Millionen Menschen verfügbar. Das 5G-Netz von Vodafone ist derzeit für 16 Millionen Menschen nutzbar. O2 hatte im Herbst mit dem 5G-Ausbau in ersten Städten begonnen. Noch sind Flatrate-Tarife mit unbegrenztem 5G-Datenvolumen allerdings relativ teuer, die Telekom berechnet beispielsweise rund 80 Euro pro Monat.

Günstige Internet-Tarife finden
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