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Breitband-Special: Der Flatrate-Frühling

Flatrates billig hier, Flatrates billiger da. Doch welcher Anbieter empfiehlt sich für welche Benutzergruppe? Ein Ratgeber.

28.04.2005, 10:01 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Die großen Provider, einer nach dem anderen, betraten die Arena, um sich einen erbitterten Flatrate-Preiskampf zu liefern. Allen voran 1&1 - auf dem Fuße folgten Strato, Tiscali, Lycos und Congster. Erst Dienstag dieser Woche meldete sich dann auch freenet zu Wort und komplettierte die Runde mit frisch geschliffenen Klingen.
Auf in die Schlacht!
Es ist zu erwarten, dass auch die restlichen großen Provider mit Preissenkungen reagieren werden. Denn mit stumpfen Waffen lässt es sich gegen ein großes, gut ausgestattetes Heer schwer ankämpfen. Zu nennen wären T-Online und AOL, die zwar auch "unkompliziert und schnell" sind, sich mit den neuen Rekord-Tiefstpreisen der Konkurrenten jedoch nur schwer messen können.
Selbsterhaltungstrieb geweckt
Den ersten selbsterhaltenden Schritt hat das mit der T-Com eng verwandte Unternehmen T-Online getätigt, als in dieser Woche öffentlich wurde, dass ab Juli bei allen zeit- und volumenbasierten DSL-Zugängen eine 12-monatige Vertragslaufzeit eingegangen werden muss. So hält man seine Kinder auch mit nicht unbedingt zeitgemäßen Preisen beisammen. Scheinbar hat der tiefe Stich, den Arcor und Co. wohl überlegt setzten, gesessen.
In diesem Ratgeber begeben wir uns hinter die Front, analysieren die Angebote der Kombattanten und stellen heraus, welches Produkt sich für welche Surf-Gewohnheiten am ehesten lohnt. Zunächst profilieren wir das Angebot von 1&1, um uns nach dem Zerpflügen von Strato dem Produkt von freenet anzunähern. Last but not least folgen noch Lycos, Congster und Tiscali. Da die Flatrate-Prügelei von den Knaben aus dem Hause 1&1 entfacht wurde, nehmen wir zunächst deren Angebot unter die Lupe. Die Offerte: Echte Flatrate für 6,99 Euro, sofern man in einer von 22 ausgebauten Metropolen zuhause ist.
Deutschland-Flat für 9,99 Euro
Glücklich darf sich schätzen, wer in einer dieser Städte wohnt. In den meisten Fällen muss wohl doch der Preis für die Deutschland-Flat gezahlt werden. Hier verlangt der Provider aus Montabaur 9,99 Euro pro Monat. Die Leistungen beider Produkte sind identisch, nur der Preis unterscheidet sich. Der Grund für die Spanne dürfte das Vorhandensein von Z-ISP-Anbindungen sein.
Direktanschluss vorausgesetzt
Voraussetzung für beide Angebote ist ein 1&1 DSL-Direktanschluss. Wer also momentan mit T-DSL im Netz der Netze verkehrt, muss komplett zu 1&1 wechseln. Der große Nachteil: Danach lässt sich über keinen anderen Internetanbieter mehr surfen, ohne gleichzeitig auch bei 1&1 einen Tarif zu besitzen.
Aus technischem Blickwinkel ist 1&1 zu empfehlen. Die Daten werden über das Backbone der Telekom transferiert, Einschränkungen jeglicher Form gibt es nicht. Und doch sollten sich Poweruser darüber im Klaren sein, dass sie bei 1&1 nicht gern gesehen sind. Wer über die Stränge schlägt, der wird gekündigt. Normalsurfer, Download-Freunde und Spieler sind mit 1&1 gut beraten. Das günstigste Angebot im Bunde weiß die freenet-Tochter Strato vorzuweisen: Eine Flatrate für 4,99 Euro. Auch hier muss der DSL-Anschluss zu Strato portiert werden, um diesen Tarif in Anspruch nehmen zu können. Ebenso ist dieser Preis nicht deutschlandweit verfügbar, sondern nur an 24 ausgewählten Standorten. Ansonsten werden 8,99 Euro fällig.
Keine freie Flat
Größtes Manko der DSL-Zugänge von Strato dürfte für Eseltreiber das intelligente Bandbreiten-Management sein, dass bei übermäßiger Nutzung zum Einsatz kommt. So interveniert der Provider aktiv gegen Filesharing und sichert sich durch dieses System vor horrenden Traffic-Explosionen seiner Kunden. Wer also sein Herz an den digitalen Dateientausch verloren hat, ist bei Strato an der falschen Adresse.
Ansprüche klären
Für Wenig- und Normalnutzer hingegen ist der Preis, der in den erschlossenen Ballungszentren angeboten wird, unschlagbar. Das Angebot für den Rest des germanischen Raumes ist gut, für eine eingeschränkte Flatrate im Vergleich der Günstigsten jedoch - so anmutend es auch klingen mag - nicht umwerfend. Ab Mai hat auch freenet ein Angebot für DSL-Vielsurfer im Angebot. Die neue DSLflat kostet 8,90 Euro pro Monat und ist wie die zuvor genannten Pauschalzugänge nur mit einem Direktanschluss vom selben Provider nutzbar. Mit zwölfmonatiger Bindung natürlich. Es ist noch unklar, ob T-DSL-Nutzer vielleicht doch noch in den Genuss der deutschlandweit verfügbaren freenet DSLflat kommen werden.
Viel Leistung, magerer Support
Der giftgrüne Provider wirbt damit, freie Internetzugänge unters Volk zu bringen. Die Erfahrungswerte der letzten Jahre bestätigen dies. Das freenet-Backbone ist solide und weiß mit Leistung zu überzeugen. Der Support des Anbieters hingegen ist weniger befriedigend. Wer weiß, was er will, ist hier richtig. Betreuungsliebende Breitband-Surfer hingegen könnten mit freenet nicht glücklich werden.
Einjähriges bei Lycos
Zur Feier des einjährigen Bestehens der Bestpreis-Garantie senkt Lycos den Grundpreis seiner Flatrate und wirft gleichzeitig das DSL-Portfolio um. Der Vorteil dieses Angebots: Der Tarif kann mit T-DSL genutzt werden und ist optional mit einer Laufzeit von drei Monaten (Grundpreis dann 14,95 Euro, statt 9,95 Euro bei 12 Monaten) zu haben. Da Lycos auf die Infrastruktur der Telekom zurückgreift, sind die Leistungen allen Benutzergruppen zu empfehlen. Mit dem Start der eigenen Billigmarke Congster hat sich T-Online viele Freunde gemacht. Ob das Unternehmen sich damit den Feind im eigenen Haus geschaffen hat, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Special-Flat des günstigen T-Online-Bruders gilt für alle T-DSL-Bandbreiten und setzt keinen Resale-Anschluss voraus. Ein klares Plus. Wie auch der Preis: 9,99 Euro pro Monat - für einen freien, unbeschränkten Zugang über das Telekom-Backbone, der jedem Kunden Spaß machen sollte.
Zeitlich begrenzt
Es gilt, schnell zuzugreifen. Das Angebot ist nämlich bis zum 1. Mai begrenzt. Ob eine Verlängerung geplant ist, wollte man uns auf Anfrage nicht mitteilen. Die aktuelle Marktsituation lässt aber vermuten, dass man bei Congster nicht vom Flatrate-Dampfer springen wird. Wessen Wahl auf Congster fällt, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass eine Bindung über zwölf Monate eingegangen wird. Immerhin: nach dem ersten Monat kann der Tarif gewechselt werden.
Auch auf Zeit: Tiscali
Zunächst auch bis Mitte Mai gültig ist der vergünstigte Preis bei Tiscali. Für 8,90 Euro erhalten Kunden einen Pauschaltarif für alle DSL-Bandbreiten, der genau wie das Angebot von Congster auch an T-DSL genutzt werden kann. Internet-Liebhaber mit hohem Datenaufkommen, sollten von Tiscali die Finger lassen. Hier kommt wie bei Strato ein Bandbreiten-Management zum Einsatz, dass die Durchsatzraten bei übermäßiger Nutzung in den Keller treibt.
Fazit
Zum Schluss bleibt nur noch zu sagen, dass sich Interessenten darüber bewusst werden sollten, was sie wollen. Ein guter Preis ist nicht alles - auch die Leistungen müssen stimmen. Großstädter haben die Qual der Wahl unter den City-Flatrates. Wer kein Glück mit dem Wohnort hat, muss mit den Angeboten der übrigen Provider vorlieb nehmen. Da diese den regional verfügbaren Angeboten jedoch in nichts nachstehen, sollte für jeden preisbewussten Surfer etwas dabei sein.

(Michael Müller)

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