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Breitband-Neukunden: Kabel lässt DSL hinter sich

Der deutsche Breitbandmarkt ist weiter auf Konsolidierungskurs. Die Auswertung der Halbjahresergebnisse der acht größten deutschen Internet-Provider bestätigt die bestehenden Trends: Kabel liegt in der Neukundengewinnung immer deutlicher vor DSL. Die DSL-Anbieter suchen bereits nach Alternativen.

29.08.2011, 16:01 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Der deutsche Breitbandmarkt ist weiter auf Konsolidierungskurs. Die Auswertung der Halbjahresergebnisse der acht größten deutschen Internet-Provider bestätigt die bestehenden Trends im DSL- und Kabelsektor. Während das DSL-Geschäft nur noch geringe Zuwächse verzeichnet und mittlerweile durch ein Oligopol von 1&1, Deutsche Telekom, Telefónica Germany und Vodafone dominiert wird, sind auch im Kabel-Bereich mit der Übernahme von Kabel BW durch Unitymedia-Eigner Liberty Global erste Konzentrationstendenzen zu beobachten - vorbehaltlich der als fraglich geltenden Zustimmung des Bundeskartellamtes. Darüber hinaus konnten die Kabelnetzbetreiber auch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres weitere Marktanteile erobern.

Nur Telekom und Telefónica legen zu

Das Neukundenpotenzial der DSL-Anbieter ist derweil nahezu ausgeschöpft. Lediglich Telekom und Telefónica Germany konnten in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres alles in allem 200.000 und 90.000 zusätzlichen Breitbandkunden noch Gewinne erzielen. Die übrigen großen Provider 1&1, Versatel und Vodafone haben in diesem Bereich bis zur Jahreshälfte hingegen insgesamt nur eine Negativbilanz vorzuweisen. Bei 1&1 und Vodafone beträgt das Minus dabei jeweils rund 50.000. Die angeschlagene Düsseldorfer Versatel AG muss auf 20.000 Nutzerverträge verzichten.

Immer deutlicher wird zudem, dass DSL in den Zukunftsplanungen einiger Anbieter nur noch eine nachgeordnete Rolle spielt. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zumindest in den gut ausgebauten Gebieten gehören etwa sinkende Margen bei aggressivem Preiswettbewerb und erreichter Marktsättigung längst zum alltäglichen Geschäft. Hinzu kommt der Konkurrenzdruck durch die Angebote der Kabelnetzbetreiber, die deutlich höhere Bandbreiten zu ähnlichen Konditionen liefern können. Und selbst der ab kommenden Jahr bereits in vielen Gebieten verfügbare LTE-Standard erreicht mühelos Transferraten, die denen herkömmlicher DSL-Anschlüsse nicht nachstehen. In der Folge sind viele DSL-Provider – ganz gleich ob bereits von Verlusten betroffen oder nicht - längst auf der Suche nach Alternativen.

LTE und Glasfaser im Wettstreit mit dem Kabelanschluss

Beispiel Vodafone. Deutschland-Chef Friedrich Joussen lässt bislang kaum eine Gelegenheit aus, die Vorteile von LTE als DSL-Ersatz zu preisen. DSL-Nutzer sollen großflächig für den Umstieg auf LTE begeistert werden. Rund fünf Millionen Haushalte seien zudem bereits an das hauseigene LTE-Netz angeschlossen, teilte Vodafone erst vor wenigen Tagen mit. Oder die Deutsche Telekom. Neben dem Aufbau eines LTE-Netzes kündigten die Bonner erst kürzlich Milliardeninvestitionen in Sachen Glasfaserausbau an. FTTH-Zugänge im Gigabit-Bereich sollen dabei einer weiteren Expansion der Kabelanbieter Einhalt gebieten. Versatel wiederum setzt ebenfalls auf das Potenzial schneller Lichtwellenleiter, will sich dabei aber auf das Business- beziehungsweise Resale-Geschäft konzentrieren.

Bei Kabel BW, Kabel Deutschland und Unitymedia besteht derweil kein Grund zu umfangreichen Kursänderungen. Quartal um Quartal besetzen die Kabelunternehmen durch einen kaum endenden Kundenzufluss neue Marktanteile und bleiben auf absehbare Zeit durch die technischen Möglichkeiten des Übertragungsstandards EuroDOCSIS 3.0 in einer komfortablen Position. Dieser sorgt für Geschwindigkeiten, die im DSL-Bereich - abgesehen von VDSL - weiterhin ihresgleichen suchen. Wo verfügbar, hat daher Internet über Kabel im direkten Kosten-Nutzen-Vergleich meist die Nase vorn. Dies lässt sich auch in den Kundenzahlen ablesen. Kabel Deutschland etwa konnte von Anfang Januar bis Ende Juni rund 160.000 neue Breitbandkunden gewinnen. Bei Unitymedia betrug die Zahl der Neuverträge im Internetbereich circa 110.000 und Kabel BW erreichte ein Plus von 80.000. Insgesamt ergibt sich damit für den Kabelmarkt ein Netto-Kundenplus in sechs Monaten von 350.000, während die fünf größten DSL-Unternehmen gemeinsam unter dem Strich lediglich rund 170.000 neue Nutzer gewinnen konnten. Einen Überblick zu allen Änderungen der ersten beiden Quartale bietet nachfolgende Tabelle.

* Alle Zahlen basieren auf gerundeten Ausgangswerten.

Detailliertere Informationen zur Entwicklung der Breitbandkundenzahlen der deutschen Top-8-Provider sind in unserem Hintergrundbereich zum Thema abrufbar.

(Christian Wolf)

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