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Breitband: Kampf ums Königreich

Ein aggressiver Provider will den britischen Breitbandmarkt aufmischen und setzt den Ex-Monopolisten British Telecom unter Druck.

17.04.2006, 10:09 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Internet mit acht Megabit pro Sekunde und das als Gratis-Dreingabe zum Telefonvertrag: Das klingt gut, auch für von Billigsttarifen verwöhnte deutsche Nutzer. Das Angebot kommt aber von einem britischen Telefonprovider und sorgt für helle Aufregung auf der Insel.
TalkTalk mischt auf
Dort mischt gerade der Mobiltelefon-Anbieter Carphone Warehouse mit seiner Festnetzsparte TalkTalk den Markt kräftig auf. Für knapp 21 britische Pfund (etwa 30 Euro) monatlich bekommen Kunden einen Festnetz-Telefonanschluss mit Telefonflatrate für nationale und internationale Gespräche sowie einem 8-Mbit/s-Internetzugang mit 40 Gigabyte Volumengrenze.
Für das Vereinigte Königreich ist das eine Preisrevolution. Denn die Briten sind nicht gerade das Highspeed-Volk. Erst 17 Prozent der Haushalte sind mit einem Breitband-Anschluss ausgestattet, die Mehrheit der Briten surft noch mit klassischen Telefonverbindungen. Ein vergleichbares Angebot mit Telefonflatrates und 8-Mbit-Internet kostet auf der Insel zwischen 42 und 60 Pfund (60 - 86 Euro).
Entbündelung
Das soll sich ändern, unter anderem durch die Bestimmungen der englischen Regulierungsbehörde Ofcom, deren Vorgabe die Entbündelung der letzten Meile ist. Ex-Monopolist British Telecom (BT) soll seinen Konkurrenten bis zum 30. Juni einen automatischen Prozess für das so genannte "Local Loop Unbundling" und damit leichteren Zugang zu den Anschlussleitungen anbieten.
Mit eigener Hardware in den Vermittlungsstellen der BT will TalkTalk dann bis Juli 70 Prozent der britischen Haushalte erreichen können.
Bisher stellt BT die entbündelte Teilnehmeranschlussleitung nur in Handarbeit zur Verfügung. Mitbewerber klagen über die Verzögerungen, die bei der Bereitstellung einer entbündelten TAL und dem Umschalten des Kunden entstehen. Die Einführung des automatischen Prozesses soll das verbessern.
"Bis ans Ende der Welt"
Carphone-Chef Charles Dunstone setzt voll darauf, dass BT den Prozess rechtzeitig zur Verfügung stellen kann. "Der Regulierer und BT haben sich darauf verständigt, dass das zum ersten Juli funktioniert. Wenn sie versagen, werde ich sie bis ans Ende der Welt jagen, um mein Geld zu bekommen", drohte der Carphone-CEO in der Tageszeitung "The Independent". Dunston will mit seinem aggressiven Vorgehen Kabelanbieter NTL (4,3 Millionen Festnetzkunden) als Nummer zwei hinter BT (18,4 Millionen) ablösen.
Den Briten steht damit jetzt bevor, was für deutsche Internetnutzer schon längst Gewohnheit ist: Eine Preisschlacht bei breitbandigen Internetzugängen. Englische Analysten üben sich schon in martialischer Metaphorik: Carphones "Landnahme" werde einen "brutalen Preiskrieg" und ein "Breitband-Blutbad" auslösen. Die Finanzexperten erwarten eine Marktbereinigung, bei der kleinere Anbieter auf der Strecke bleiben.
Grundrecht Breitband
Die britischen Konsumenten wird das freuen. Dunston gibt die Parole aus: "Von heute an ist Breitband kein Privilieg mehr, sondern ein Recht".

(Volker Briegleb)

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