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Branchenreaktionen auf Fonic-Offensive

Zwar zeigen sich die Chefs führender Mobilfunk-Discounter in ersten Reaktionen nach außen gelassen, interne Gespräche wolle man aber trotzdem führen und den Markt aufmerksam weiter beobachten.

30.08.2007, 19:06 Uhr
SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com

Der deutsche Mobilfunkmarkt darf sich auf eine neue Preisrunde im Segment der inzwischen zahlreichen Discount-Angebote freuen. Der Mobilfunk-Netzbetreiber o2 startet über seine neue Billigmarke Fonic mit Kampfpreisen in den Markt. Ab kommenden Montag, 3. September, bietet Fonic praktisch einen neuen 10-Cent-Tarif an, der verglichen mit ähnlichen Angeboten jedoch auf eine monatliche Grundgebühr oder einen Mindestumsatz verzichtet. Alle nationalen Standard-Telefonate und SMS kosten bei Fonic rund um die Uhr 9,9 Cent.
Discount-Markt wächst
Das Ziel von Fonic ist klar: bis Ende des Jahres möchte der neue Billiganbieter mindestens eine sechsstellige Zahl an Kunden gewinnen und stützt sich dabei auf aktuelle Studien, die besagen, dass die zahlreichen Discount-Marken bis 2010 einen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent erreichen werden. Bis Ende dieses Jahres wird im Discount-Geschäft ein Marktanteil von zehn bis zwölf Prozent erwartet. Prognosen, die sich umsetzen lassen, da sich "das Discount-Segment in den Köpfen der Verbraucher als ernstzunehmende Alternative etabliert", wie Fonic Geschäftsführer Holger Feistel heute in Berlin sagte.
Trotz des hohen Wettbewerbsdrucks sieht sich Fonic für den Konkurrenzkampf gerüstet. Nicht zuletzt auch aufgrund der mit der Lebensmittel-Kette Lidl geschlossenen Vertriebspartnerschaft. "Mit der richtigen Kombination aus Angebot, Marke und Partner wird Fonic zu den Top-Anbietern in diesem Marktsegment gehören", zeigt sich Feistel optimistisch. In erster Linie möchte Fonic nach eigenen Angaben Wenig- und Normaltelefonierer ansprechen, die "einfach nur günstig mobil telefonieren und simsen möchten".
Mit der Wahrheit überzeugen
Am Markt soll Fonic als fair, klar und seriös platziert werden. Der Claim "Fonic – Das ist die Wahrheit" stehe als Haltung, aber auch als Verpflichtung gegenüber den Kunden. Dabei helfen soll Bruce Darnell, der in Deutschland aus der TV-Show "Germany's Next Topmodel" bekannt ist. Er stehe für Fairness und Ehrlichkeit und besitze darüber hinaus eine hohe Glaubwürdigkeit, hieß es heute auf der ersten offiziellen Fonic-Pressekonferenz auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin.

Lesen Sie auf Seite 2: Wie reagiert die Konkurrenz?
Doch wie reagiert die Konkurrenz auf Fonic? Ist die Angst vor der neuen Konkurrenz groß oder bleibt man eher gelassen. Onlinekosten.de hat sich in der Branche umgehört und stieß auf eher zurückhaltende Stimmen.
Bei der Billigmarke von mobilcom, klarmobil.de, sieht man keinen Grund, die neuen Fonic-Preise hochzujubeln. "Das Tarifmodell von Fonic ist kein Angebot, das den Discountmarkt weiter voranbringt. Anstelle eines innovativen Produkts präsentiert Fonic ein bekanntes Tarifkonzept, das sich lediglich über seine Preise definiert", urteilt klarmobil.de-Geschäftsführer Hartmut Herrmann.
Festnetz-Flat von klarmobil.de?
Das neue Angebot sei sicherlich für einige Kunden interessant, Hermann erwartet aber keine Kündigungswelle bei seinem Unternehmen. "Für die Kunden von klarmobil.de ist 1 Cent mehr oder weniger aber nicht entscheidend", sagt Herrmann. Klarmobil.de wolle durch Produktvorteile wie die Abrechnung auf Postpaid-Basis und die neue Community-Flatrate überzeugen.
Gleichzeitig kündigte Herrmann indirekt die Einführung einer Festnetz-Flatrate an: "Auch zukünftig werden wir mit unseren Lieferanten fortlaufend über neue Produkte verhandeln, um für unsere Kunden weitere Mehrwerte zu schaffen - zum Beispiel eine Festnetz-Flatrate."
blau.de will abwarten
Martin Ostermeyer, Geschäftsführer von blau.de, sieht in den neuen Preisen in erster Linie den auf o2 liegenden Druck, auch am Discount-Markt agieren zu müssen. "o2 setzt dabei eine neue Preismarke", gibt Ostermeyer unumwunden zu. Bei blau.de sei aber niemandem Angst und Bange. Man wolle sich im Laufe der nächsten Tage intern zusammensetzen und über weitere Schritte beraten. Fakt ist: "Eine Voice-Flatrate von blau.de wird in jedem Fall kommen", wie der blau.de-Chef gegenüber unserer Redaktion bestätigte. Flatrate-Tarife seien ebenso wie das Discount-Segment der schnellstwachsende Markt. "Darin liegt die Zukunft", sagte Ostermeyer. Bisher nur ein Gedankenspiel sei es, auch auf dem Markt der Datentarife mit Paketen oder einem Pauschaltarif durchzustarten. Auch bei simyo zeigt man sich nach außen gelassen. Rolf Hansen, Gründer und Geschäftsführer der E-Plus-Billigmarke, der sich gestern mit einem offenen Brief an seine Kollegen aus der Discount-Welt gerichtet hatte, sagt: "Wir begrüßen neue Wettbewerber, die unserem Weg folgen."
Auf Feinheiten achten
Gleichzeitig mahnt Hansen erneut zur Vorsicht. Kunden müssten bei Fonic neben dem Preis, der "sehr aggressiv kalkuliert" sei, andere wichtige Aspekte im Auge behalten. So moniert Hansen bei Fonic die Minutentaktung bei Sprach- und die 100-Kilobyte-Taktung bei Datentarifen. Auch fehle es bei Fonic an einem Community-Tarif, der günstige Gespräche zwischen Fonic-Kunden erlaube. Bei simyo kosten Telefonate zwischen simyo-Kunden nur fünf Cent pro Minute.
Timo Voswinckel, Geschäftsführer von callmobile, sieht in den Fonic-Preisen in erster Linie eine Reaktion auf das, was die Kunden am deutschen Mobilfunkmarkt verstärkt wünschen: einfache Tarife. "Konkurrenz belebt das Geschäft und schafft weitere Aufmerksamkeit für unser Marktsegment. Sofortigen Handlungsbedarf sehen wir nicht, beobachten den Markt jedoch weiter", so Voswinckel. Darüberhinaus unterstrich er, dass bei Fonic anders als beispielsweise bei callmobile die Portierung einer Rufnummer nicht möglich sei. "Zudem unterbieten wir mit einem Preis von vier Cent von callmobile zu callmobile Fonic bei Anbieter-internen Gesprächen deutlich."
congstar bedient andere Zielgruppe
Keinen Grund zur Besorgnis sieht man bei congstar. Die neue Billigmarke der Deutschen Telekom agiert am Markt mit verschiedenen Flatrate-Paketen und sieht aktuell noch keinen Grund zum Handeln. "Wir sprechen eher Vieltelefonierer an", sagte eine Unternehmenssprecherin am Rande der IFA. Man agiere in einem anderen Segment als Fonic.

(Hayo Lücke)

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