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Branchengeflüster: Google schielt nach Energiemarkt

RWE und Co müssen wohl bald zum Schal greifen: Wenn der IT-Tanker Google den Energiemarkt betritt, wird es wohl eng in der Branche. Das vermutet IT-Manager Christian Fleiß auf dem Kongress Energie und Informatik in Karlsruhe. Googles Vorteil: Der Konzern kennt seine Kunden.

13.05.2014, 09:01 Uhr (Quelle: DPA)
Google© Google

Ein Gigant auf Abwegen: Suchmaschinen-Riese Google schielt nach dem nächsten Markt - und hat es auf die Energiebranche abgesehen. RWE, EnBW und Co müssen sich wohl warm anziehen. Vorsprung des Internet-Konzerns: "Google kennt den Kunden". Davon ist der Vorstandsvorsitzende des Münchener Software-Spezialisten GreenCom Networks überzeugt.

Googles Einkaufspolitik gilt als Indiz

Internet-Firmen wie Google, Facebook oder Microsoft beherrschen den Umgang mit großen Datenmengen, so Christian Feißt auf dem Kongress Energie und Informatik. Die etablierten Energieversorger hätten zwar das Branchen-Knowhow, dürften sich aber nicht darauf ausruhen. "Google geht ganz klar in Richtung Energiemarkt", sagte Feißt. Google hatte zwar ein 2009 gestartetes Projekt für einen digitalen Stromzähler nach knapp zwei Jahren wieder gestoppt. Die Übernahme des Thermostat-Herstellers Nest für 3,2 Milliarden Dollar zu Beginn des Jahres sei aber ein klares Signal gewesen, betonte Feißt.

Mit der Verbindung von Daten aus der Internet-Nutzung und dem Energieverbrauch stellen sich ganz neue Fragen zum Schutz der persönlichen Privatsphäre. "Früher kam der klassische Zählerableser ein oder zweimal im Jahr", erklärte der Informatiker Erik Buchmann vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Mit vernetzten Messgeräten, dem "Smart Metering", würden aber alle 15 Minuten Informationen erhoben und übermittelt.

Datenschutzlücke: Energieverbrauch verrät Haushalt

"Diese Daten können ganz erhebliche Einblicke in die persönlichen und sachlichen Verhältnisse der Haushalte liefern", warnte der Wissenschaftler. In einem Test mit 180 Haushalten konnten rund 70 Prozent der Haushalte an ihrem Energieverbrauch identifiziert werden: "Es ist sehr einfach, aus Daten, die zunächst keinen Personenbezug haben, Rückschlüsse auf bestimmte Haushalte zu ziehen." Wichtig sei es deswegen, Verfahren wie "Information Hiding" oder die verlustbehaftete Kompression einzusetzen, um die Datenschutz-Anforderungen zu erfüllen.

(Dorothee Monreal)

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