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"Boxenstopp" nur eine Fußnote in GVU-Bilanz

Die GVU hat ihren Jahresbericht 2005 vorgelegt: 2.549 Verfahren wurden aufgrund der GVU-Aktivitäten eingeleitet. Interessant ist aber auch, was nicht in dem Papier steht.

08.05.2006, 17:16 Uhr
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Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU) hat ihren Jahresbericht vorgelegt. Die unter anderem von den Unternehmen und Verbänden der Filmwirtschaft getragene Organisation verweist auf ein erfolgreiches Kalenderjahr 2005. Der geübte Grundsatz "Null Toleranz" sei konsequent fortgeführt worden, zugleich habe sich die Arbeit aber auf besonders schwerwiegende Rechtsverletzungen konzentriert.
2.549 neue Verfahren
Mit 2.549 neu eingeleiteten Verfahren im Jahr 2005 bewegt sich die Erfolgsbilanz der GVU auf Vorjahresniveau. 2.170 der neuen Verfahren waren Strafverfahren. Neben den Neuverfahren verweist die Hamburger Organistaion auf 1.842 Verfahrensabschlüsse im vergangenen Jahr. 40 Prozent der Verfahren wiesen einen Bezug zum Internet auf, insgesamt wurden in 83 Prozent Raubkopien auf physikalischen Datenträgern angeboten. Die Behörden stellten im Rahmen der Ermittlungsverfahren fast 500.000 Datenträger sicher.
Ein Schwerpunkt der Ermittlungsarbeit war dem Bericht zufolge das Projekt "Quelle". Die Ermittlungen der GVU konzentrierten sich danach auf die illegale Verbreitung aktueller Kinofilme, insbesondere über die Server der so genannten Release-Gruppen und der FXP-Szene. Auch die eigentlichen Quellen des Ausgangsmaterials ("Provider") hatten die privaten Ermittler im Visier. Insgesamt hat der Verein seine Erkenntnisse über 36 Server an die Behörden weiter gegeben. In ihrem Bericht verweist die GVU insbesondere auf die Aktion gegen die Release-Gruppe Flatline (FTL) hin. Diese Gruppe verbreitete im großen Stil aktuelle Kinofilme.
Boxenstopp am Rande
Als weiteren Schwerpunkt führt der Bericht die "vorbereitende Ermittlung" für die zunächst für Oktober 2005, dann aber auf Januar 2006 verschobene "Operation Boxenstopp" an. Was nicht in dem Bericht steht: Am 24. Januar wurden bei der Großrazzia auch die Geschäftsräume der GVU in Hamburg sowie die Wohnung eines hochrangigen GVU-Mitarbeiters durchsucht. Hintergrund: Wie von onlinekosten.de und dem Computermagazin c't berichtet, hat die private Organisation im Rahmen dieser Ermittlungen den Betrieb zweier Server und somit auch die Verbreitung der Raubkopien maßgeblich unterstützt.
Die Staatsanwaltschaft Ellwangen hatte die Ergebnisse der Razzia zunächst nach Hamburg weitergeleitet, die dortige Staatsanwaltschaft sah jedoch keine ausreichenden Anhaltspunkte für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen die GVU. Die peinliche Geschichte ist für die Hamburger Lobbytruppe aber wohl noch nicht ausgestanden. Jetzt liegen die Ermittlungsergebnisse in Frankfurt. Jüngsten Berichten zufolge sind die Staatsanwälte dort an dem Material sehr interessiert und fühlen sich auch zuständig: In Frankfurt standen die "GVU-Server".

(Saskia Brintrup)

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