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Börsengang: Twitter startet mit Erfolg

Twitter hat aus dem verpatzten Börsengang von Facebook gelernt. Nichts überstürzen, nicht übertreiben beim Preis, den richtigen Börsenplatz wählen. Es hat sich gelohnt: Der Kurs explodiert zu Handelsbeginn.

07.11.2013, 19:21 Uhr (Quelle: DPA)
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Die simple Idee von 140 Zeichen langen Kurznachrichten hat Twitter zum milliardenschweren Börsenstar gemacht. Der Handel in New York startete am Donnerstag bei 45,10 Dollar und damit um 73 Prozent über dem Ausgabepreis. Dabei verdient das sieben Jahre junge Unternehmen bis heute kein Geld. Die Investoren setzen voll auf zukünftiges Wachstum.

Kurs stieg auf über 50 Dollar

Die Gesamtbewertung von Twitter lag zum Start bei annähernd 25 Milliarden Dollar oder grob gerechnet rund 19 Milliarden Euro. Das ist mehr als traditionsreiche deutsche Großkonzerne wie der Sportartikel-Hersteller Adidas oder der Energieversorger RWE auf die Waage bringen.

Zwischenzeitlich stieg der Kurs sogar über 50 Dollar. Analysten warnten, dies sei nicht gerechtfertigt. "Twitter ist einfach zu teuer", schrieb Brian Wieser von Pivotal Research seinen Klienten. Das "Wall Street Journal" zitierte Finanzprofessor Anant Sundaram mit den Worten: "Ich bin verloren, wenn ich auch nur eine zarte Verbindung zu den fundamentalen Daten erklären sollte."

Wen der Börsengang reicht macht

Der Twitter-Börsengang macht viele Leute reich, zumindest auf dem Papier. Besitzer des Kurznachrichtendiensts sind neben den Gründern auch zahlreiche Investoren, die nach und nach Geld in das Unternehmen gesteckt haben, um es groß zu machen. Die drei Mitgründer halten höchst unterschiedliche Anteile. So ist der zeitweise Firmenchef Evan Williams der mit Abstand größte Aktionär mit einer Beteiligung von 10,4 Prozent. Seine 56,9 Millionen Aktien sind zum Startkurs von 45,10 Dollar knapp 2,6 Milliarden Dollar wert. Dabei hatte er sich schon vor einigen Jahren bei Twitter zurückgezogen und kümmert sich jetzt um neue Projekte wie das Medien-Start-up Medium.

Mitgründer Jack Dorsey, auf dessen Idee Twitter zurückgeht, hält einen deutlich geringeren Anteil von nun 4,3 Prozent, die zum Startkurs 1,1 Milliarden wert sind. Dorsey ist der einzige aus dem Gründer-Trio, der noch die Geschicke von Twitter mitbestimmt - er ist als Vorsitzender des Verwaltungsrats der starke Mann im Hintergrund. Vom dritten Kompagnon Biz Stone, der zusammen mit Williams weitergezogen ist, fehlt im Börsenprospekt jede Spur. Der aktuelle Firmenchef Dick Costolo kommt auf einen Anteil von 1,4 Prozent nach dem Börsengang.

Unter den frühen Investoren mit einem Anteil von jeweils rund fünf Prozent sind bekannte Risiko-Kapitalgeber wie Union Square Ventures, Benchmark Capital Partners, Spark Capital sowie DST Global aus Russland. Hauptaktionär ist der bislang kaum in Erscheinung getretene Investor Rizvi Traverse mit 15,6 Prozent (3,8 Milliarden Dollar); die größte US-Bank JPMorgan Chase hält 9,0 Prozent (2,2 Milliarden Dollar).

(Saskia Brintrup)

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