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Börsengang: Tele Columbus Aktie ab 8 Euro im Angebot

Ab Dienstag, 13. Januar, können Anleger Aktien der Tele Columbus AG zeichnen. Damit leitet einer der größten deutschen Kabelnetzbetreiber offiziell seinen angekündigten Börsengang ein, mit dem er vor allem seinen Schuldenberg abtragen will.

12.01.2015, 20:28 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Deutschlands drittgrößter Kabelnetzbetreiber wagt den Gang auf das Börsenparkett. Die Tele Columbus AG gab am Montagabend weitere Details zum geplanten Börsengang bekannt. Die Zulassung zum Handel im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse ist für den 23. Januar 2015 geplant. Am Montagmorgen hatte das Unternehmen bereits für Aufsehen gesorgt: Ab April will Tele Columbus Kabel-Internet mit bis zu 400 Mbit/s anbieten.

37 Millionen neue Aktien und 15 Millionen Aktien der Alteigentümer im Verkauf

Im Zuge des Börsengangs werden das Unternehmen und Tele Columbus Management S.à r.l. in Luxemburg bis zu 52.772.500 Aktien zum Verkauf anbieten. Dies umfasst bis zu 37.500.000 neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung, deren Erlös dem Unternehmen zugute kommt. Außerdem stoßen die Alteigentümer bis zu 15.272.500 existierende Aktien ab. Sie hoffen so Kasse zu machen, nachdem ein Verkauf für 600 Millionen Euro an den deutschen Marktführer Kabel Deutschland im vergangenen Jahr am Widerstand des Kartellamtes gescheitert war.

Die Preisspanne der angebotenen Aktien wurde auf 8 bis 12 Euro je Aktie festgesetzt. Anleger können für eine gewünschte Anzahl Aktien im Rahmen der festgesetzten Preisspanne ein Kaufangebot abgeben. Je höher das Angebot, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit der Zuteilung. Die Zeichnungsfrist beginnt am 13. Januar 2015 und endet voraussichtlich am 21. Januar 2015. Zusätzlich können bis zu 3.750.000 Aktien durch Tele Columbus S.à r.l. im Wege einer sogenannten Aktienleihe für eine mögliche Mehrzuteilung zur Verfügung gestellt werden. Im Zusammenhang mit der Mehrzuteilung gewährt das Unternehmen den beteiligten Banken die Option, bis zu 3.750.000 zusätzliche neue Aktien am Unternehmen zu erwerben (entsprechend der Anzahl der Mehrzuteilungsaktien) ("Greenshoe Option") für den ausschließlichen Zweck, die im Wege der Aktienleihe erhaltenen Aktien an die Tele Columbus S.à r.l. zurückgeben zu können.

An der Tele Columbus S.à r.l. sind indirekt 150 Investoren beteiligt, darunter Finanzinstitute und die Tele Columbus New Management Participation GmbH & Co. KG. Zu den Eigentümern gehören seit 2009 ehemalige Gläubiger, allen voran mehrere Hedgefonds.

Die Erlöse, die dem Unternehmen zufließen, werden für die Reduzierung der Schulden verwendet. Sie "schaffen zusätzliche finanzielle Flexibilität, um die Wachstumsstrategie weiter umzusetzen", teilte das Unternehmen mit. Das gesamte Angebotsvolumen wird bei 447 Millionen Euro liegen, wenn die angebotenen Aktien zum Mittelwert der Preisspanne platziert werden (477 Millionen Euro bei vollständiger Ausübung der Mehrzuteilungsoption). Dies entspricht einer Marktkapitalisierung in Höhe von 530 Millionen Euro zum Mittelwert der Preisspanne.

Börsenerlös fließt hauptsächlich in Schuldenabbau

"Der Börsengang wird uns die zusätzliche finanzielle Flexibilität verschaffen, unsere erfolgreich initiierte Wachstumsstrategie in den nächsten Jahren umzusetzen", sagt Ronny Verhelst, Vorstandsvorsitzender von Tele Columbus. Das Angebot setzt sich zusammen aus einem öffentlichen Angebot in Deutschland und in Luxemburg sowie Privatplatzierungen außerhalb dieser beiden Länder. Zugunsten der bestehenden Eigentümer der Tele Columbus Management einschließlich der Tele Columbus New Management Participation GmbH & Co. KG wurde eine bevorrechtige Zuteilung eingerichtet. Die letztgenannte Gesellschaft ist ein Investmentvehikel einiger Manager und einiger Mitglieder des Aufsichtsrats des Unternehmens. Zum Zweck der bevorrechtigten Zuteilung werden die neuen Aktien, die existierenden Aktien und die Mehrzuteilungsaktien zunächst reserviert, sodass die Aktionäre der Tele Columbus Holdings SA und der Tele Columbus New Management Participation GmbH & Co. KG am ersten Tag des Angebotszeitraums eine bevorrechtigte Zuteilung zum Angebotspreis ohne Abschlag beantragen können. Die Tele Columbus New Management Participation GmbH & Co. KG hat sich gegenüber dem Unternehmen und den Konsortialbanken verpflichtet, einen bestimmten Betrag im Rahmen der bevorrechtigten Zuteilung zu investieren.

250.000 ostdeutsche Haushalte werden neu an schnelles Kabel-Internet angeschlossen

Tele Columbus hofft, 300 Millionen Euro aus dem Verkauf neuer Aktien zu erlösen. Mit dem Großteil der Nettoerlöse aus dem Aktienverkauf will das Unternehmen die Kapitalstruktur verbessern, sprich Schulden abbauen. Aufgrund seiner Geschichte und der Eigentümerstruktur aus Hedgefonds drückt das Unternehmen ein riesiger Schuldenberg von über einer halben Milliarde Euro. Was aus dem Börsengang übrig bleibt, wird für "generelle Unternehmenszwecke" verwendet, insbesondere den weiteren Ausbau ihres Kabelnetzes und die Anbindung von zusätzlichen Haushalten an die eigene, integrierte Netzebene 3 Infrastruktur. Mittelfristig strebt Tele Columbus eine Verschuldung des 3,0 bis 4,0-fachen des normalisierten EBITDA an. Der Wertpapierprospekt steht auf der Website von Tele Columbus unter www.ir.telecolumbus.com zum Download zur Verfügung.

"Unser Ziel ist es, die Zahl der Produkte pro Kunde mittelfristig von aktuell 1,43 auf 1,7 zu steigern, den durchschnittlichen monatlichen Erlös pro Kunde von 14,0 Euro auf 17,0 Euro zu erhöhen und den Anteil der Haushalte, die mit unserem eigenen Signal versorgt werden und internetfähig aufgerüstet sind, von 54 auf 70 Prozent anzuheben. Damit wollen wir die Position von Tele Columbus als drittgrößtem Anbieter im deutschen Kabelmarkt stärken", verspricht Ronny Verhelst. Damit würde Tele Columbus 270.000 Haushalte neu an schnelles Kabel-Internet anschließen, der größte Teil davon in Ostdeutschland.

Weiterer Ausbau der eigenen Kabelnetze

Für die Zukunft plant Tele Columbus weitere gezielte Investitionen in den Ausbau der eigenen Kabelnetze. Dabei sollen Haushalte, die bisher mit Signalen fremder Vorlieferanten bedient wurden, an die eigene Netzinfrastruktur und Produktwelt von Tele Columbus angebunden werden. Durch diese Übertragung erwartet das Unternehmen weitere Einsparungen bei Signallieferungsentgelten an Drittanbieter, eine zusätzliche Steigerung der Margen und die Schaffung weiteren Wachstumspotenzials für das Up- und Cross-Selling von zusätzlichen Diensten wie Premium TV-Angeboten, Internet oder Telefonie via Kabel.

Die Tele Columbus Gruppe zählt zu den größten Kabelnetzbetreibern in Deutschland. Das Unternehmen ist aus der Zusammenführung einzelner regionaler Kabelnetzbetreiber heraus entstanden und hat so eine Firmengeschichte, die bis in das Jahr 1972 auf Vorläufer-Abteilungen in der Deutschen Bundespost zurückreicht. Rund 1,7 Millionen angeschlossene Haushalte werden von Tele Columbus mit dem TV-Signal und immer mehr Kunden mit digitalen Programmpaketen, Internet-Zugang und Telefonanschluss über das leistungsstarke Breitbandkabel versorgt. Als nationaler Anbieter mit regionalem Fokus und als Partner der Wohnungswirtschaft ist die Gruppe im gesamten Kerngebiet Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie auch in zahlreichen westdeutschen Schwerpunktregionen präsent.

(Michael Frenzel)

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