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BNetzA-Studie: Maximale Bandbreite gern beworben, aber nur selten erreicht

Die maximal erreichbare Übertragungsgeschwindigkeit stationärer und mobiler Breitbandanschlüsse wird von den Anbietern zwar gern vollmundig beworben, aber tatsächlich nur selten erreicht. Das belegt eine neue Studie der Bundesnetzagentur.

11.04.2013, 15:08 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Zwei kleine Wörter mit großem Gewicht: Kaum etwas sorgt bei deutschen Breitbandkunden regelmäßig für mehr Ärger als der vermeintlich unscheinbare Zusatz "bis zu" neben der Geschwindigkeitsangabe ihrer Datenleitung. Während sich die Internetanbieter auf diese Weise juristisch vor etwaigen Klagen absichern, fühlen sich viele Nutzer arglistig betrogen, wenn der gebuchte 16-Megabit-Anschluss real dann doch kaum mehr als 10 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) erreicht. Vor allem im DSL-Bereich ist das Problem ein Dauerbrenner, aber auch Kabel- und Mobilfunk-Provider sind immer wieder betroffen. Offizielle Zahlen zum tatsächlichen Ausmaß des Problems gab es bislang allerdings nicht. Eine neue Studie der Bundesnetzagentur hat diese nun auf Basis von einer Viertelmillion ausgewerteten Messungen verschiedener Breitbandtechnologien vorgelegt.

Über 226.000 Einzelmessungen

Unter den 226.543 als valide eingestuften Prüfungsläufen befanden sich rund 188.000 DSL- beziehungsweise 31.400 Kabelanschlüsse sowie über 6.700 LTE-Zugänge. Durchgeführt wurde die unter www.initiative-netzqualitaet.de vollständig abrufbare Erhebung (PDF) im Zeitraum von Juni bis Ende Dezember 2012. Zu den untersuchten Anbietern zählen sowohl die großen deutschen DSL- und Kabelnetzbetreiber wie Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica Deutschland, 1&1, Kabel Deutschland und Unitymedia Kabel BW als auch kleinere beziehungsweise regional aktive Unternehmen wie Versatel, EWE, NetCologne oder M-net. Welcher Provider wie abgeschnitten hat, ist dabei nicht erkennbar.

Allerdings ermöglicht die Studie etwa Aussagen darüber, welche Anschlussart am ehesten die zugesicherte Maximalbandbreite erreicht. Spitzenreiter sind hier Kabel-basierte Zugänge. Rund 78 Prozent der teilnehmenden Nutzer erreichten im Test mindestens 50 Prozent der angegebenen Höchstgeschwindigkeit. Auf die volle Leistung konnten immerhin noch rund 42 Prozent zugreifen; rund die Hälfte der Kabelkunden dürfen sich über 90 Prozent der Spitzenrate freuen. Anders sieht es bei DSL-Anschlüssen aus: Hier stand nur für rund 68 Prozent der Kunden zumindest die Hälfte der Maximalbandbreite zur Verfügung. Auf das theoretisch erreichbare Maximum konnte hingegen lediglich jeder Sechste wirklich zugreifen; knapp ein Drittel wurde aber mit 90 Prozent der Höchstgeschwindigkeit versorgt. Bei LTE-Nutzern ist das Bild gespalten. So gibt es zwar fast in der Hälfte aller Fälle nur die halbe Leistung für's volle Geld, die maximale Übertragungsgeschwindigkeit war dafür allerdings für jeden Fünften kein leeres Werbeversprechen.

Mehr Transparenz gefordert

Parallel untersuchte die Bundesnetzagentur die Standardverträge der berücksichtigten Anbieter und stellte fest, dass sich die Mehrheit der Provider in Sachen Bandbreite nicht zu sehr festlegen will. "Der Kunde weiß so nur vage, mit welcher Leistung er konkret rechnen kann. Auch nach Vertragsabschluss und erfolgter Schaltung besteht kein überschwängliches Bemühen, dem Endkunden aktiv einen transparenten Überblick über die Leistungsfähigkeit des konkreten Anschlusses zu bieten", so Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Mit den gewonnenen Ergebnissen will die Behörde nun auf die Unternehmen zugehen und in einen "konstruktiven Dialog" treten.

Oberstes Ziel sei es, die Transparenz für den Endkunden zu erhöhen. Kritik übt Homann zudem an der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben zum Anbieterwechsel. Hier verstießen die Provider immer wieder gegen die seit dem vergangenen Jahr gültigen Neuregelungen im Telekommunikationsrecht, die Kunden vor langwierigen Ausfällen ihres Internetzugangs schützen sollen. So darf die Unterbrechung beim Wechsel nur noch höchstens einen Kalendertag betragen; notfalls muss der abgebende Provider die Versorgung erneut aufnehmen.

Die Praxis sieht oft anders aus: Nach Eingang zahlreicher Beschwerden seien bereits mehrere Bußgeldverfahren anhängig, erklärt der Behördenchef. "Ich appelliere noch einmal eindringlich an die Unternehmen, die gesetzlichen Vorgaben entsprechend umzusetzen. Wie die eingeleiteten Bußgeldverfahren zeigen, werden wir die für Endkunden nicht hinnehmbare Situation nicht länger akzeptieren". Der unkomplizierte Anbieterwechsel sei eine Voraussetzung für funktionierenden Wettbewerb, betont Homann.

(Christian Wolf)

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