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BMG-Boss Masuch: Illegale Musik-Downloads sind aussterbendes Geschäft

Steaming ermöglicht es im Internet Musik kostenlos und legal zu hören, ohne Furcht vor Abmahnanwälten der Musikindustrie. Im Interview räumt Hartwig Masuch, Label-Chef beim weltweit mächtigsten Musikverwerter jetzt ein, dass illegale Downloads ein aussterbendes Geschäftsmodell sind.

17.06.2014, 11:16 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

In seinem Büro steht ein Verstärker, daneben eine E-Gitarre Marke "Fender Stratocaster". Erst vor ein paar Jahren hat Hartwig Masuch angefangen, Gitarre zu spielen. Im Musikgeschäft ist er aber schon fast vier Jahrzehnte. Heute ist er Herr über 1,2 Millionen Songs bei BMG, Bertelsmanns Musikabteilung und mittlerweile die weltweite Nr. 4 auf dem Musikrechtemarkt. Ein Gespräch über den Musikmarkt von morgen von Matthias Benirschke (dpa) mit BMG-CEO Hartwig Masuch.

Sie haben mal selbst Musik gemacht mit den "Ramblers". Warum hat es da mit der großen Karriere nicht geklappt?

Masuch: Die Band hieß eigentlich "The Midnight Ramblers". Das war uns aber zu lang. Ich war der Sänger. Ich war viel zu träge, konsequent zu üben. Vor drei Jahren habe ich angefangen, Gitarre zu spielen. Das macht mir jetzt Riesenspaß.

Hat sich viel verändert im Musikgeschäft?

Masuch: Das Kerngeschäftsmodell ist in Bewegung geraten. Vorher ist es 60 oder 70 Jahre komplett stabil gewesen. In den letzten sieben, acht Jahren ging es los, dass die digitalen Kräfte heftig am traditionellen Geschäftsmodell zerren.

Die Branche hat vor allem lange über das illegale Downloaden von Musik geklagt?

Masuch: Das illegale Downloaden ist ein aussterbendes Geschäftsmodell. Viele jungen Leute laden heute gar nichts mehr herunter. Meine Kinder zum Beispiel streamen nur noch. Das ist völlig legal, weil Vodafone, die Telekom oder eben derjenige, der da Werbung schaltet, dafür bezahlen. Die neuen großen Geschäftsmodelle leben also davon, dass jemand das bezahlt, der etwas ganz anderes verkaufen will.

Das ist die Zukunft der Musik?

Masuch: Der nächste wird Apple sein, der das Downloaden durch Streaming ersetzen will, aber nicht nur, weil die damit wahnsinnig viel Geld verdienen wollen, sondern weil sie damit vor allem die Relevanz ihrer Produkte weiter erhöhen wollen.

Was läuft aktuell mit den Streaming-Diensten, wer drängt heute auf den Markt?

Masuch: Apple ist durch den Kauf von Beats groß im Kommen, aber Deezer und Spotify wachsen weiter rasant.

Seit Jahren verhandelt die Gema erfolglos mit YouTube über einen Lizenzvertrag. Die Google-Tochter will ja wohl im Herbst selbst einen Streaming-Dienst anbieten. Wer wird sich durchsetzen?

Masuch: Sicherlich wird es einen vernünftigen Kompromiss geben, aber es ist wichtig, die Relevanz musikalischer Inhalte angemessen zu vergüten, für Interpreten und Autoren im gleichen Maße.

Werden Dienste von Apple, Amazon oder Spotify dabei YouTube verdrängen?

Masuch: Nein. Youtube wird durch die Verbindung von Ton und Bild eher sogar an Relevanz zunehmen, da es natürlich auch die Rolle des Fernsehens für die Musikvermarktung zunehmend übernehmen wird.

(Michael Frenzel)

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