News

Bloß nicht berühren - Handy am Steuer meist verboten

Wer am Steuer eines Autos sitzt, sollte am besten die Finger vom Mobiltelefon lassen: Das bloße Berühren des Gerätes kann zu einem Punkt in Flensburg und 60 Euro Bußgeld führen, wie ein Sprecher des Kraftfahrt-Bundesamtes sagt.

24.05.2014, 14:01 Uhr (Quelle: DPA)
SMS© TristanBM / Fotolia.com

Wer am Steuer eines Autos sitzt, sollte am besten die Finger vom Mobiltelefon lassen: Das bloße Berühren des Gerätes kann zu einem Punkt in Flensburg und 60 Euro Bußgeld führen, wie der Sprecher des Kraftfahrt-Bundesamtes, Stephan Immen, sagt. Man muss demnach noch nicht einmal eine Kurznachricht getippt, ohne Freisprechanlage telefoniert oder per Smartphone im Internet gesurft haben - was ebenfalls während der Fahrt nicht erlaubt ist.

Polizei nicht ganz so streng

Nicht ganz so streng sieht es die Polizei. Wenn man während der Fahrt ein Handy von einer Ablage in die Hand nimmt und woanders hinlegt oder nur die Uhrzeit ablesen möchte, wird man nicht gestoppt, wie Andreas Tschisch von der Berliner Polizei erläutert.

Vor der Einführung des neuen Punktekataloges zum 1. Mai 2014 bekamen Autofahrer wegen Verstößen auch einen Punkt, zahlten aber nur 40 Euro Bußgeld. Für Radfahrer werden laut Bundesamt aktuell 25 Euro fällig.

Immer die Hände frei

In der Straßenverkehrsordnung (§23, Absatz 1a) heißt es: "Wer ein Fahrzeug führt, darf ein Mobil- oder Autotelefon nicht benutzen, wenn hierfür das Mobiltelefon oder der Hörer des Autotelefons aufgenommen oder gehalten werden muss. Dies gilt nicht, wenn das Fahrzeug steht und bei Kraftfahrzeugen der Motor ausgeschaltet ist."

In dem Doku-Kurzfilm "Texting while driving" zeigt Werner Herzog die Folgen der Handynutzung am Steuer.

Handyverbot am Steuer wird oft ignoriert

Tschisch von der Berliner Polizei betont, dass es allgemein darum gehe, im Straßenverkehr nicht abgelenkt zu sein und die Hände frei zu haben. Roman Mölling von der Landesverkehrswacht Niedersachsen weist darauf hin, dass das Tippen auf anderen Geräten nicht untersagt ist, etwa auf einem stationären Navigationsgerät - vorausgesetzt, andere Verkehrsteilnehmer werden nicht gefährdet.

Das 13 Jahre alte Handynutzungsverbot in Autos in Deutschland wird oft ignoriert. Die Landesverkehrswacht Niedersachsen will nun mit der Plakataktion "Tippen tötet" vor den Gefahren des SMS-Schreibens oder Handy-Surfens am Steuer warnen. Den Organisatoren zufolge ist das die erste Kampagne bundesweit gegen das Simsen am Steuer.

In einem Film weist die Verkehrswacht daraufhin, dass mit dem Schreiben von SMS und E-Mail am Steuer das Unfallrisiko nach einer Hochrechnung der Versicherungswirtschaft um das 23-Fache steigt. Eine junge Frau auf einem Verkehrsübungsplatz glaubt, Schlangenlinien um Pylonen fahren und nebenher eine SMS schreiben zu können. Nachdem sie den Parcour abgefahren hat, steht kein orange-weißes Hütchen mehr. Daten, wie oft es tatsächlich wegen des Smartphones kracht, gibt es nicht. "Das Fahren mit dem Handy wird nicht zentral erfasst", sagt der niedersächsische Landespolizeipräsident Uwe Binias. "Der Nachweis, dass ein Handy benutzt wurde, ist sehr schwierig." Es gebe ja rechtlich nicht die Möglichkeit, nach einem Crash einfach das Telefon einzuziehen, da müssten schon konkrete Verdachtsmomente her.

20 Prozent der Unfälle wegen Tippen am Steuer

Nach Schätzungen der Versicherungsbranche sollen jedoch 20 Prozent der Unfälle auf das Tippen am Steuer zurückzuführen sein, sagt die Staatssekretärin im Verkehrsministerium in Hannover, Daniela Behrens. Wer bei 50 Stundenkilometern nur fünf Sekunden auf das Display schaut, fährt 70 Meter weit. Eine Blindflug, der schwere Folgen haben kann. Nach einer Umfrage der Allianz in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus dem Jahr 2011 telefonieren mehr als 40 Prozent der Autofahrer beim Fahren mit dem Handy, ein Drittel liest oder schreibt SMS und E-Mails hinterm Steuer.

Die Ablenkung der Verkehrsteilnehmer durch Smartphones hat dem Bundesverkehrsministerium zufolge in den vergangenen Jahren stark zugenommen. "Das ist in den letzten Jahren enorm gestiegen", sagt Sprecher Stefan Ewert. Nicht zuletzt deswegen sei auch das Bußgeld von 40 auf 60 Euro erhöht worden. Fahrradfahrer zahlen immerhin noch 25 Euro, Fußgänger müssen nach Angaben der Polizei hingegen nicht in die Tasche greifen.

Drastische Aufklärungskampagnen im Ausland

In anderen Ländern wie zum Beispiel den USA gibt es bereits drastische Aufklärungskampagnen. Auch in den Niederlanden hängen schon Anti-SMS-Plakate an den Straßen.

Der Filmemacher Werner Herzog hat in den USA für eine Kampagne den Film "From one second to the next" (Von einer Sekunde auf die andere) gedreht, der drastisch zeigt, wie schnell Leben zerstört werden können. Abgelenkt durch sein Telefon rast ein Mann in eine Pferdekutsche, drei Menschen sterben. Er schrieb gerade seiner Frau, dass er sie liebt. Ein Junge sitzt im Rollstuhl, weil eine Frau im Auto in einer Kurznachricht andere informierte, dass sie gerade unterwegs ist.

(Peter Giesecke)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang