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Blitzer-Marathon: Polizei Göttingen will Raser jagen und Facebook-Freunde gewinnen

Am Mittwoch startet die Polizei Göttingen eine große Blitzer-Aktion und macht Jagd auf Temposünder. Die Messstandorte will sie vorher auf Facebook bekannt machen - und in dem Netzwerk neue Freunde gewinnen.

14.05.2013, 15:16 Uhr (Quelle: DPA)
Facebook © Facebook

Bei Facebook sehen, wo die nächste Radarfalle steht: In einer großen Blitzer-Aktion will die Polizei Göttingen Jagd auf Temposünder machen und die Orte dabei gleichzeitig in dem sozialen Netzwerk veröffentlichen.

Messstandorte auf Facebook-Seite der Polizei

An 60 mobilen Stellen, die sich über einen großen Teil Niedersachsens erstrecken, wollen die Beamten zusammen mit den Behörden der Kommunen am Mittwoch kontrollieren. Im Vorfeld wurden bereits an verschiedenen Standorten wie Brücken oder am Straßenrand Banner mit Warnhinweisen wie "Fahr nicht so schnell" platziert.

Auf der Facebook-Seite der Polizei Göttigen gibt es am Mittwoch von 6:00 Uhr bis 23:00 Uhr aktuelle Informationen zu der Präventionsaktion: "Hier könnt Ihr Euch direkt vor dem Losfahren situationsaktuell über die genaue Lage von Messorten und weiteren Maßnahmen informieren", heißt es dort. Die extra für diese Aktion eingerichtete Seite kann auch ohne Facebook-Account aufgerufen werden. Die Angaben sollen tagsüber aktualisiert werden - immer dann, wenn Kontrollstellen verlegt werden.

Die Seite zeigt jedem Besucher, wo derzeit geblitzt wird. Ein Klick auf die "Gefällt mir"-Schaltfläche ist nicht notwendig, erhöht aber den Nutzen. Denn wer auf diesen Button klickt, erhält die aktuellen Informationen über die Blitzer-Standorte auf seiner persönlichen Facebook-Startseite. So kann man sich über das Smartphone jederzeit auf dem Laufenden halten.

Polizei will mehr Verständnis für ungeliebte Blitzer

Dass der Blitzer-Marathon die ganze Zeit über Facebook begleitet werde, sei bundesweit einmalig, sagte eine Polizeisprecherin. Die Polizei will mit der Aktion neue Freunde in dem sozialen Netzwerk gewinnen und vor allem jüngere Menschen ansprechen. Es geht vor allem um mehr Verständnis für die ungeliebten Blitzer. Die Aktion soll zeigen, dass es nicht um Abzocke geht, sondern um einen sicheren Verkehrsfluss. Die Polizei arbeitet mit Facebook, weil hier vor allem junge Menschen aktiv sind, die als Fahranfänger für die Risiken im Straßenverkehr sensibilisiert werden sollen. Generell will die Polizei künftig stärker über das soziale Netzwerk mit den Menschen in Kontakt treten - und dadurch auch die Zahl ihrer Facebook-Fans erhöhen.

Der Verkehrsclub Deutschland erwartet keinen dauerhaften Nutzen von der Aktion. Autofahrer würden am Mittwoch vermutlich zwar häufiger den Fuß vom Gaspedal nehmen, aber nicht dauerhaft ihr Fahrverhalten ändern, heißt es beim Verkehrsclub. Der ADAC hingegen kann sich mit der Aktion anfreunden. Die Gefahr, dass Autofahrer permanent ihr Smartphone im Blick haben, um die aktuellen Blitzer-Standorte zu erfahren, sieht der Verband nicht. "Während der Fahrt kommt eigentlich keiner in die Versuchung, eine ganze Facebook-Seite zu lesen", sagt ADAC-Jurist Jost Kärger.

Mit dem Facebook-Auftritt gibt sich die Polizei einen modernen Anstrich. Doch will sie damit den Kontakt zu jungen Menschen dauerhaft verbessern, muss sie am Ball bleiben. "Es kommt darauf an, ob es gelingt, wirklich einen Dialog zu führen", meint Christopher Buschow vom Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

(Jörg Schamberg)

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