ITK-Branche wächst weiter

BITKOM-Präsident: "Gigabit-Gesellschaft beginnt im Kopf"

Wie entwickelt sich die ITK-Branche in Deutschland? Der BITKOM-Verband bestätigte am Dienstag seine Prognose für 2016 und gab einen Ausblick auf 2017. Das Breitbandziel der Bundesregierung bis 2018 werde wahrscheinlich erreicht.

Jörg Schamberg, 18.10.2016, 10:43 Uhr
BITKOM© BITKOM

Berlin – Optimistische Töne mit Blick auf das Breitbandziel der Bundesregierung für 2018 kamen am Dienstag vom BITKOM-Verband aus Berlin. BITKOM-Präsident Thorsten Dirks, zugleich Chef von Telefónica Deutschland, zeigt sich überzeugt, dass bis 2018 mit hoher Wahrscheinlichkeit flächendeckend mindestens 50 Mbit/s für alle Haushalte realisiert werden können. Dies sei aber nur ein Etappenziel, es müsse darüber hinaus geblickt und weiter in den Netzausbau investiert werden.

Öffentliche Verwaltung soll bei Digitalisierung vorangehen

Bis 2020 gebe es öffentliche Fördertöpfe in Höhe von 4,7 Milliarden Euro. Viele Kunden, sowohl Endverbraucher als auch Geschäftskunden, würden aber gar nicht die Möglichkeiten nutzen, die sie bereits heute technisch hätten. Dabei werde gerade im Mittelstand schnelles Internet benötigt. Die öffentliche Verwaltung müsse laut Dirks ein Vorbild bei der Digitalisierung in Deutschland sein. "In unseren Behörden ist der Alltag in viel zu vielen Fällen noch analog, unvernetzt, ineffizient - eher 1996 als 2016", kritisiert Dirks.

Dirks: Pflichtfach Informatik an Schulen und Englisch ab der ersten Klasse

Digitales Know-How müsse in den Mittelstand getragen werden. "Die Gigabit-Gesellschaft beginnt im Kopf und nicht im Glasfaserkabel", betont der BITKOM-Präsident. Auch die Hochschulen würden noch zu wenig digitale Hilfsmittel nutzen. Dirks plädiert zudem für ein Pflichtfach Informatik an Schulen ab der fünften Klasse, die englische Sprache solle zudem bereits ab der ersten Klasse erlernt werden.

ITK-Umsatz legt 2016 um 1,7 Prozent zu - leichte Abschwächung 2017

Der BITKOM gab zudem eine Prognose für das Wachstum der ITK-Branche in diesem Jahr und einen Ausblick auf das Jahr 2017. Demnach wächst die deutsche ITK-Wirtschaft 2016 wie bereits im Frühjahr prognostiziert um 1,7 Prozent. Der Umsatz mit Informationstechnologie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik legt auf 160,5 Milliarden Euro zu. Während die TK-Umsätze 2016 bei 66,9 Milliarden Euro liegen (-0,4 Prozent), kommt der Bereich IT auf 84 Milliarden Euro (+ 3,6 Prozent). Mit nun 1.030.000 Arbeitsplätzen (+ 20.000) sei die Branche der zweitgrößte industrielle Arbeitgeber in Deutschland, noch vor der Autobranche und hinter dem Maschinenbau.

Im kommenden Jahr sieht der BITKOM eine leichte Abschwächung wegen der gesamtwirtschaftlichen Lage und sinkender Umsätze in der Telekommunikation. Der ITK-Umsatz werde 2017 voraussichtlich um 1,2 Prozent auf 162,4 Milliarden Euro steigen. Das schwächere Wachstum liege auch an deutlichen Regulierungseingriffen. Im Sommer 2017 falle etwa Roaming in der EU komplett weg.

Abwärtstrend bei TK-Endgeräten, Software weiter auf Wachstumskurs

In diesem Jahr gingen die Umsätze mit TK-Endgeräten, darunter auch Smartphones, nach Angaben von Dr. Axel Pols, Geschäftsführer BIKTKOM Research, um 2,1 Prozent zurück. Der Umsatz mit Software zeige sich jedoch sehr stabil und werde 2016 ein Plus von 6,2 Prozent erreichen. Die Einnahmen mit TK-Diensten sinken, gleichzeitig würden aber Investitionen in die Netzinfrastruktur, etwa für 5G, ausgebaut. Der Abwärtstrend in der Unterhaltungselektronik schwäche sich ab, der Umsatz gehe 2016 nur noch um 0,9 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro zurück. Die großen Sportereignisse dieses Jahres wie Olympia und Fußball-EM hätten die Nachfrage etwa nach Flachbild-Fernsehern angekurbelt.

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