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Bing Maps Streetside: Widerspruch per Musterbrief

Die Verbraucherzentrale VZ NRW hält einen Musterbrief für Bürger bereit, die vorab Widerspruch gegen eine Veröffentlichung ihrer Hausansicht in Microsofts Dienst Bing Maps Streetside einlegen wollen. Microsoft selbst bietet vor der Veröffentlichung der Panorma-Aufnahmen keine Widerspruchsmöglichkeit an.

30.04.2011, 11:01 Uhr
Welt© Julien Eichinger / Fotolia.com

Nach dem Vorbild von Google Street View will auch der US-Softwarekonzern Microsoft für seinen Online-Dienst Bing Maps Streetside Panorama-Aufnahmen von deutschen Städten im Internet veröffentlichen. Ab dem 9. Mai will Microsoft Kamera-Autos zunächst in vier bayrischen Städten rollen lassen. Anschließend sollen bundesweit circa 50 weitere Städte und Regionen folgen. Eigentümer und Mieter von Häusern und Wohnungen können der Veröffentlichung der Fotos allerdings im Gegensatz zu dem Angebot von Google erst im Nachhinein widersprechen. Die Verbraucherzentrale NRW sieht die von Microsoft geplante Vorgehensweise als rechtswidrig an und hält einen Musterbrief zum vorherigen Widerspruch gegen Bing Maps Streetside zum Download (PDF) oder zur Abholung in ihren örtlichen Beratungsstellen bereit.

Behörden fordern vorherige Verpixelung

Microsoft will die Panorma-Bilder ab dem Sommer in das Kartenmaterial von Bing Maps integrieren. Der Aufwand ist enorm. Hunderte Bilder werden für eine einzelne Panorama-Ansicht zu einem nahtlosen 3D-Modell zusammengefügt. Nutzer des Dienstes können frei durch diese Ansichten navigieren.

Das Vorgehen von Microsoft ruft aber Kritik bei den Verbraucherzentralen und den Datenschutzbeauftragten der Länder und des Bundes hervor. Auch wenn sich der US-Softwareriese am Datenschutz-Kodex für Geodatendienste der Internetwirtschaft orientieren möchte, sind die Verbraucherschützer skeptisch. "Die von Microsoft vorgesehene Möglichkeit zum Widerspruch nach Veröffentlichung der Bilder reicht nicht aus, um Persönlichkeitsrechte effektiv durchzusetzen. Sind die Daten einmal im Netz, lassen sie sich nur schwer wieder zurückholen", bemängelt die Verbraucherzentrale NRW.

Die für Microsoft zuständige Aufsichtsbehörde, das bayrische Landesamt für Datenschutzaufsicht, hat dem US-Unternehmen die Kamera-Fahrten unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Unverzüglich und noch vor der Einstellung ins Internet müssten Gesichter von aufgenommenen Personen sowie Kfz-Kennzeichen durch Verpixelung unkenntlich gemacht werden. Das Amt will die Veröffentlichung der erstellten Panorama-Aufnahmen jedoch untersagen, wenn Microsoft Vorabwidersprüche nicht berücksichtigt und die dazugehörigen Hausansichten nicht ebenfalls vorab unkenntlich macht.

VZ NRW: Musterbrief zum Widerspruch per Post oder E-Mail

Die Verbraucherzentrale NRW rät Eigentümern und Mietern bereits im Voraus aktiv zu werden und mit dem von den Verbraucherschützern bereitgestellten Musterbrief Widerspruch einzulegen. Darin wird Microsoft aufgefordert, entsprechende Aufnahmen auch in den Rohdaten zu löschen. Der schriftliche Widerspruch kann per Post an die Adresse Microsoft Deutschland GmbH, Konrad-Zuse-Straße 1, 85716 Unterschleißheim geschickt werden. Alternativ lässt sich der Musterbrief auch per E-Mail an kunden@microsoft.com senden. Sollte Microsoft auf den Widerspruch nicht zufriedenstellend reagieren, können sich die Betroffenen laut VZ NRW auch direkt an das Bayrische Landesamt für Datenaufsicht wenden. Per Post ist die Aufsichtsbehörde unter der Adresse Bayrisches Landesamt für Datenschutzaufsicht, Promenade 27, 91522 Ansbach erreichbar. Wer eine Beschwerde per E-Mail verschicken möchte, kann diese an datenschutz@reg-mfr.bayern.de richten.

Unterdessen sind im April auch wieder Google Kameraautos in Deutschland unterwegs. Der aktuelle Einsatz dient aber nur der Verbesserung von Google Maps. Die aufgenommenen Fotos sind laut Google nicht für den im November des vergangenen Jahres in Deutschland gestarteten Dienst Google Street View gedacht.

(Jörg Schamberg)

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  • Omg Zuletzt kommentiert von chloride am 14.05.2011 um 09:13 Uhr
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