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"Big Brother" bei Harry Potter: Kinofans ausgespäht

Der Filmverleiher Warner Bros. postiert in Kinos Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma. Diese kontrollieren die Kinozuschauer zum Schutz vor Raubkopien mit Nachtsichtgeräten.

23.07.2009, 18:01 Uhr
Internet© Gina Sanders / Fotolia.com

Seit dem 16. Juli wird in deutschen Kinos wieder gezaubert. Harry Potter, der berühmteste Zauberlehrling der Welt, kämpft in "Harry Potter und der Halbblutprinz" gegen Lord Voldemort & Co. Die Kinozuschauer ihrerseits müssen sich derzeit mit speziellen Sicherheitsvorkehrungen des Filmverleihers Warner Bros. herumschlagen.
Kontrolle mit Nachtsichtgläsern
In Magdeburg beschwerten sich Kinobesucher laut eines Berichts der Zeitung "Volksstimme" über den Einsatz von Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma. Diese hatten sich links und rechts der Leinwand postiert und die Zuschauer im Kinosaal während der Filmvorstellung mit Nachtsichtgläsern beobachtet. Das heimliche Aufzeichnen von Filmen und die Verbreitung über das Internet sollte so verhindert werden. Eine örtliche Kinobetreiberin teilte mit, dass von Mittwoch bis Sonntag jede "Harry Potter"-Vorführung kontrolliert worden sei. "Wenn wir das nicht zugelassen hätten, würden wir von Warner keinen Film mehr bekommen", so die Kino-Chefin.
Warner rechtfertigt Maßnahme als Schutz vor Raubkopien
Warner-Sprecher Bert Buellmann rechtfertigte sich gegenüber der "Volksstimme". In der Vergangenheit seien bereits mehrere Filme in deutschen Kinos mit Camcordern abgefilmt worden. "Wir möchten sicherstellen, dass Harry-Potter-Fans den neuen Film so sehen, wie die Filmemacher es vorgesehen haben: auf der großen Leinwand im Kino", so Buellmann. Das Vorgehen der Security-Männer in den Kinos geschehe so diskret wie möglich. Die Nachtsichtgeräte dienten nur zur Identifikation von Aufnahmegeräten. Das Abfilmen von Kinofilmen wird schon seit Jahren diskutiert, in Kalifornien ist dies sogar per Gesetz verboten.
Datenschützer bezweifelt rechtliche Zulässigkeit
Zweifel an der rechtlichen Zulässigkeit kommen dagegen von Sachsen-Anhalts Datenschutzbeauftragten Harald von Bose. Für ihn sei etwa von Bedeutung, ob die Zuschauer vorab auf die Beobachtung hingewiesen wurden. Zudem müsse auch die Bauart der Nachtsichtgeräte hinterfragt werden. Es dürfe nicht sein, dass damit Herzschrittmacher entdeckt werden könnten. Die Überwachungsmaßnahme sei zudem unverhältnismäßig. Ein ganzer Kinosaal würde unter Beobachtung gestellt, nur weil eventuell ein Kinozuschauer mitfilmen könnte. Das zuständige Landesverwaltungsamt ermittelt nun, ob Warner gegen geltendes Recht verstoßen hat.

(Jörg Schamberg)

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