News

BGH: Bieter hat nach abgebrochener Auto-Auktion bei eBay Anspruch auf Schadenersatz

Ein Autobesitzer brach eine laufende eBay-Versteigerung seines VW Passat ab, obwohl ein Bieter bereits den Mindestpreis von 1 Euro geboten hatte. Der Bundesgerichtshof entschied nun, dass der Bieter Anspruch auf Schadenersatz hat.

12.11.2014, 14:32 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Anterovium / Fotolia.com

Wer eine laufende Internetauktion vorzeitig abbricht, muss unter Umständen Schadenersatz zahlen. Das ergibt sich aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH). Im Streit um ein zurückgezogenes Auto-Angebot auf der Online-Auktionsplattform eBay hat der Bundesgerichtshof (BGH) dem Bieter recht gegeben (Aktenzeichen: VIII ZR 42/14). Dieser hat damit Anspruch auf Schadenersatz gegen den Verkäufer wegen der abgebrochenen Versteigerung.

Autobesitzer brach Auktion ab - Mindestgebot von 1 Euro war aber erreicht

Wegen der unrechtmäßig abgebrochenen Versteigerung hat der Bieter danach Anspruch auf Schadenersatz gegen den Verkäufer. Wie hoch dieser ausfällt, muss nach Angeben des Käufer-Anwalts aber erst noch ermittelt werden. In den Vorinstanzen war der Wert des Fahrzeugs auf 5.250 Euro beziffert worden.

Der Besitzer eines VW Passat hatte seinen Wagen im Mai 2012 auf der Internet-Plattform angeboten. Als Mindestgebot setzte er einen Euro fest. Einige Stunden später konnte er das Auto aber anderweitig für 4.200 Euro verkaufen und zog sein Internet-Angebot zurück. Zu dem Zeitpunkt hatte jemand bei der Versteigerung bereits einen Euro auf den Pkw geboten - das bis dahin höchste Gebot.

Der Bieter wollte daraufhin Schadenersatz in Höhe des Wertes des Wagens. Er klagte und bekam in den Vorinstanzen recht. Er habe den Wagen wirksam für einen Euro erworben, urteilte zuletzt das Thüringer Oberlandesgericht in Jena.

Dieses Urteil bestätigte der BGH am Mittwoch. Der Kaufvertrag ist in den Augen der Richter wirksam zustande gekommen. Der Vertrag sei nicht sittenwidrig, hieß es. Es mache gerade den Reiz einer Internetauktion aus, dass man dort "Schnäppchen" machen könne. Der Verkäufer habe andererseits ja auch die Chance, seine Waren teurer zu verkaufen als gedacht.

In der Verhandlung am Mittwochvormittag war von den Richter nicht in Frage gestellt worden, dass die Verkaufsangebote auf einer Internetversteigerung nur in ganz bestimmten Fällen zurückgezogen werden dürfen. Laut den Bedingungen von eBay gehört ein anderweitiger Verkauf wie im vorliegenden Fall nicht dazu.

Ebay sieht seine bisherige Geschäftspraxis bestätigt - Info vor Abbruch einer Aktion

Das Online-Auktionshaus eBay sieht vom Urteil des Bundesgerichtshofs seine bisherige Geschäftspraxis bestätigt. "Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs ist nicht überraschend", erklärte das Unternehmen am Mittwoch. "Grundsätzlich gilt: Wenn man einen Artikel bei eBay zum Verkauf einstellt, erklärt man sich verbindlich zum Abschluss eines Vertrags bereit." Ebay informiere über die Voraussetzungen für einen berechtigten Abbruch einer Auktion "sehr deutlich - auch in dem Moment, in dem der Verkäufer den Abbruch vornimmt".

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang