Verivox-Analyse

Bezahlen per Smartphone: Deutsche noch skeptisch

Das mobile Bezahlen mit dem eigenen Smartphone hat sich in Deutschland laut einer Analyse von Verivox noch nicht auf breiter Front durchgesetzt. Dabei sind Smartphones und viele Kassenterminals längst fit für die erforderliche NFC-Technik, die Einrichtung der Handys ist schnell erledigt. Es fehlen aber unter anderem noch Standards.

mobil bezahlen© Artur Marciniec / Fotolia.com

Heidelberg – Ein Smartphone trägt inzwischen ein Großteil der Bundesbürger nahezu ständig mit sich herum. Viele Mobiltelefone unterstützen bereits das mobile Bezahlen, die entsprechende drahtlose Kommunikationstechnik Near Field Communication (NFC) ist bereits seit Jahren verfügbar. Doch laut einer Analyse der Tarifexperten von Verivox wird das Mobile Payment in Deutschland offenbar kaum genutzt. Doch warum ist das so?

Smartphone für NFC-Nutzung einrichten

Die technischen Anforderungen für das Zahlen per Handy sind eigentlich recht übersichtlich. Fast alle Handykarten und die meisten Smartphones sind heute mit einem NFC-Chip ausgestattet und somit fit für mobiles Bezahlen. Allerdings muss die NFC-Funktion laut Verivox in den Geräte-Einstellungen eigens aktiviert werden. In der Regel gehe dies im Bereich "Drahtlos & Netzwerke". Zudem ist die Nutzung einer Bezahl-App Voraussetzung. Es werden diverse, meist kostenlose Apps zum Download angeboten. Zur Wahl stehen etwa die App "Seqr" oder auch Anwendungen von Bankhäusern wie Paydirekt und Deutsche Bank Mobile. Im Sommer 2018 soll zudem die Sparkassen-App folgen.

Eine Einschränkung gebe es jedoch: "Die meisten Apps können nur für Android-Smartphones geladen werden, da Apple die Nutzung auf iPhones blockiert – wegen des eigenen Bezahldienstes Apple Pay. Außerdem funktioniert nicht jede App mit jeder Kreditkarte. Verbraucher sollten vor der Nutzung die Verfügbarkeiten prüfen", so Christian Schiele, Bereichsleiter Telekommunikation bei Verivox.

Bezahl-App: Mit Konto verknüpfbar oder auf Guthabenbasis

Die Bezahl-App selbst muss mit einem Girokonto oder einer Kreditkarte verknüpft werden. Der Nutzer muss seine persönlichen Bankdaten also einmalig hinterlegen. Wer sich davor scheut: Es gebe alternativ auch Apps auf Guthabenbasis – etwa von boon oder Number26. Bei diesen Payment-Apps könne der Kunde ein Guthaben aufladen und wie bei einer Prepaid-Karte verbrauchen.

An NFC-Kassenterminals, die an einem entsprechenden NFC-Logo erkennbar sind, lässt sich über die Bezahl-Apps mit dem Handy bezahlen. Der Gebrauch ist mit einer kontaktlosen Giro- oder Kreditkarte vergleichbar. Das entsperrte Smartphone muss lediglich ans Terminal gehalten werden. Zur Sicherheit wird bei Beträgen ab rund 25 Euro zusätzlich ein PIN-Code abgefragt oder der Fingerabdruck gescannt. Kunden erhalten nach der Zahlung eine Quittung.

Standards fehlen noch - internationale Anbieter noch nicht in Deutschland am Start

Eigentlich sollte das mobile Bezahlen nach der Einrichtung des Smartphones für NFC und der Installation einer geeigneten App somit ein bequemer und schneller Bezahlweg sein. Doch der Durchbruch für das mobile Bezahlen werde unter anderem durch fehlende Standards gebremst. "Große internationale Namen wie Apple Pay, Samsung Pay und Google Pay sind bislang nicht in Deutschland präsent. Die Technik ist da, doch Banken und Technologiekonzerne können sich nicht auf die kommerziellen Konditionen einigen", erläutert Verivox-Experte Schiele.

Solange diese großen Anbieter nicht in Deutschland an den Start gegangen sind, werde es hierzulande laut Schiele "unzählige Insellösungen für einzelne Anwendungen geben". Damit das Bezahlen per Smartphone auf breiter Front akzeptiert werde, müsse vor allem eine Voraussetzung erfüllt sein: "Mobile Payment wird erst dann massentauglich, wenn ein- und dieselbe App in vielen verschiedenen Alltagssituationen funktioniert."

Sicherheitsbewusste Deutsche zahlen weiterhin häufig mit Bargeld

Die Bundesbürger lieben es im internationalen Vergleich eher klassisch und zahlen weiterhin häufig mit Bargeld. Hinsichtlich der Sicherheit beim kontaktlosen Bezahlen herrscht noch viel Skepsis. Zudem gebe es ja bereits kontaktlose Giro- und Kreditkarten – von einem Mehrwert durch das Zahlen mit dem Smartphone ist daher nicht jeder überzeugt.

Handytarife mit Smartphone

Jörg Schamberg

Lesen Sie alles Wichtige von onlinekosten.de - auf Wunsch per WhatsApp direkt auf dem Handy. Whatsapp-Newsletter Wöchentlichen Newsletter
Kommentieren Forum
  • Seqr Zuletzt kommentiert von NiteOwl am 23.03.2018 um 19:12 Uhr
Zum Seitenanfang
NewsletterPopup