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Bewegte Bilder: Der aktuelle iPod im Langzeittest

Apples neuester Streich ist ein Kultobjekt, das viele Fans besitzt. Wir haben den iPod in der fünften Generation einem Langzeittest unterzogen. Ob der Kultplayer den Test wohl bestanden hat?

02.04.2006, 09:31 Uhr
Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Verdammt gut aussehend und erfolgreich. Seit Mitte Oktober vergangenen Jahres ist er da: der neue iPod 5G mit Videofunktion. Nachdem der schicke Player nun über zwei Monate ständiger Begleiter in meiner Hosen- und Jackentasche war, ist es nun an der Zeit für einen ausführlichen Testbericht über die Stärken und kleinen Schwächen des iPod-Video.
Perfektes Design
Den ersten videofähigen iPod gibt es in zwei verschiedenen Ausführungen: mit einer 30- und einer 60-Gigabyte-Festplatte. Wie der iPod-Nano ist auch der neue iPod in der fünften Generation in zwei Farben erhältlich: unschuldiges Weiß und edles Schwarz, das dem neuen iPod ausgesprochen gut steht. Unser Testgerät ist ein Modell in Schwarz, das Platz für 30 Gigabyte Daten bietet.
Lieferumfang dürftig
Wie die Größe der iPod-Verpackung schon vermuten lässt, bekommt der Käufer des neuen Kleinods nur das allernötigste Zubehör mit geliefert. Der Lieferumfang ist dürftig. Fand der Käufer in der Verpackung der dritten iPod-Generation unter anderem noch eine Docking-Station und eine Fernbedienung, so liefert Apple heute nur noch einen Satz Kopfhörer, ein USB-Kabel, eine Software-CD mit iTunes, einen Adapter für das Universal-Dock und - nach zahlreichen Käuferbeschwerden - auch eine Schutzhülle aus weißem Wildleder. Alle weiteren Zubehörteile müssen extra und vor allem teuer erworben werden.


Die Rückseite des iPod-Video ist komplett aus Metall gefertigt und sehr robust. Einen weiteren Minuspunkt gab es in unserem Praxistest für die Vorderseite des neuen Apple-Flaggschiffs, die komplett aus Kunststoff besteht. Sieht der iPod-Video beim ersten Auspacken noch jungfräulich und edel aus, so kann sich das schnell beim täglichen Gebrauch ändern. Denn die Oberfläche ist ähnlich beschaffen, wie die des iPod-Nano und extrem anfällig für Kratzer und Macken. Auch die mitgelieferte Hülle bietet keinen allumfassenden Schutz. Der iPod wird in das Wildleder-Etui hinein geschoben, das Etui aber bleibt oben offen. Bereits nach wenigen Wochen wies unser getestetes Gerät zwei Sprünge und Kratzer am ungeschützten Rand auf. Wer seinen iPod also vor Kratzern und Macken bewahren möchte, sollte sich einen Komplettschutz zulegen. Die gibt es beispielsweise aus dünnem Silikon, allerdings sind diese auch nicht ganz billig. Im Apple Store im Internet kostet eine solche Schutzhülle rund 30 Euro. In diesem Internet-Shop wird so manch frisch gebackener iPod-Besitzer auch öfters mal vorbeischauen. Zum Beispiel, um sich ein neues Ladegerät zu bestellen. Denn der iPod kann nur mit dem gelieferten USB-Kabel über einen Computer aufgeladen werden. Ein Adapter, mit dem der Akku auch über die Steckdose aufgeladen werden kann, muss extra erworben werden. Die Kosten für einen Original-Adapter von Apple betragen rund 30 Euro.
Kinderleichte Steuerung
Natürlich ist auch die neue Generation iPod mit dem fast schon legendären Click-Wheel ausgestattet. Das Click-Wheel ist ein berührungsempfindliches Rad auf der Vorderseite unterhalb des Bildschirms, das die Steuerung des iPods kinderleicht macht. Der iPod-Nutzer fährt mit einem Finger über das Rad und kann so durch das Menü blättern oder die Lautstärke stufenlos regeln.
Dünner, leichter und mehr Speicher
Bestätigt werden Einstellungen und Menüeinträge dann mit einem kurzen Druck auf einen Knopf in der Mitte des Click-Wheels. Auf der Unterseite des iPod-Gehäuses befindet sich der Dock-Anschluss über den der iPod auch mit dem Computer verbunden wird. Kopfhöreranschluss und der Schieberegler für die Tastensperre befinden sich auf der Oberseite. Mit seinen Abmessungen von 104 mal 62 mal 11 Millimetern ist der iPod erstaunlich kompakt und liegt gut in der Hand.
Auch das Gewicht lässt nichts zu wünschen übrig, trotz der integrierten 30-Gigabyte-Festplatte wiegt Apples neues Steckenpferd nur 136 Gramm. Und auch die 60-Gigabyte Variante ist nur drei Millimeter höher und 21 Gramm schwerer. Damit hat Apple im Vergleich zu den Vorgängermodellen die Speicherkapazität erweitert und gleichzeitig Größe und Gewicht verringert. Möglich wurde dies durch die Verwendung neuer Festplatten.
Das 2,5 Zoll Farb-Display ist großflächig angelegt, besitzt eine Bildschirmdiagonale von 6,35 Zentimetern und erstreckt sich fast über die Hälfte der Vorderseite. Auf dem Display können 65.000 Farbe dargestellt werden. Die LED-Hintergrundbeleuchtung sorgt für eine ausreichende Helligkeit. Der iPod-Video unterstützt die Audioformate AAC, MP3, MP3 VBR, Audible, Apple Lossless, WAV und AIFF. Der Klang über die mitgelieferten Kopfhörer ist wesentlich besser, als bei den Vorgängermodellen. Auch bei hohen Lautstärken sind keine störenden Klirr-Geräusche mehr zu vernehmen. Bei den Bässen ist der neue iPod allerdings stellenweise immer noch etwas schwach auf der Brust.
Menüführung durchdacht
Nach dem Einschalten des Players kommt der Nutzer in ein übersichtliches und einfach zu bedienendes Menü. Im Vergleich zu den früheren iPod-Generationen ist hier fast alles beim alten geblieben. Über den Menüpunkt "Einstellungen" lässt sich der iPod konfigurieren und Änderungen vornehmen. Hier findet der Nutzer auch eine automatische Lautstärkeanpassung und die Equalizer-Presets.
Beim Equalizer kann der Musikfreund unter 22 verschiedenen Voreinstellungen auswählen. Eine Möglichkeit, den Equalizer frei einzustellen gibt es aber nicht. Während des Musikgenusses ist der Nutzer nicht an eine Menüseite gebunden, sondern kann sich fröhlich durch die Ordner und Menüs klicken. Über den Menüpunkt "Sie hören" gelangt er immer wieder zu dem aktuell gespielten Musikstück zurück.
Kontakte, Kalender und Notizen
Auch einige Extras hat sich Apple für den Video-Player einfallen lassen, unter anderem vier einfache Spiele und eine Sperrfunktion für das Display in Safe-Optik. Die Menüpunkte Kontakte, Kalender und Notizen bieten Platz für wichtige persönliche Daten. Kontakte und Kalender lassen sich zudem über den Computer synchronisieren und unterstützen unter anderem Microsoft Outlook (PC) oder iCal (Mac).
Natürlich setzt Apple auch beim iPod der fünften Generation auf ein nahtloses Zusammenspiel von Player und iTunes-Musicstore. Über iTunes werden neue Musikstücke ganz einfach per Drag-and-Drop auf den iPod geladen und die Musiksammlung synchronisiert. Über das im Lieferumfang enthaltene USB-Kabel wird der iPod mit dem Computer verbunden und auf diese Weise auch der integrierte Akku aufgeladen. Ein zusätzliches, externes Netzteil ist aber nicht im Lieferumfang enthalten und kostet nochmals rund 30 Euro extra. Wer also seinen iPod mit der Musiksammlung mit in den Urlaub nehmen möchte, kommt an dem Kauf des Netzteils früher oder später wohl nicht vorbei.
Wenige Videoformate
Nach dem Verbinden mit dem Computer über das mitgelieferte USB-Kabel beginnt der iPod mit dem automatischen Synchronisieren und Abgleichen der Dateien. Darunter fallen Musik, Bilder und auch Videos. Dabei unterstützt der iPod alle gängigen Bildformate: JPEG, BMP, GIF, TIFF, PSD und PNG. Fotos lassen sich als Einzelbilder oder Diashow anzeigen. Bei den bewegten Bildern unterstützt der neue Player nur wenige Videoformate: MPEG-4, H.264, M4V und MOV.
Apple will selbst verkaufen
Das bedeutet, dass nahezu jedes eigene Video konvertiert werden muss, das auf dem iPod-Video abgespielt werden soll. Allerdings ist das Umwandeln eigener Videos für den kleinen Player kompliziert, denn Apple möchte allem Anschein nach in erster Linie eigene Videoclips über den iTunes-Store verkaufen.
Das Herunterladen und Ansehen von Videos über den iTunes-Store funktioniert ohne Probleme. Beim eigenen Konvertieren von Filmen müssen allerdings mehrere Dinge beachtet werden: MPEG-4-Videos beispielsweise dürfen nur mit Bitraten von bis zu 2,5 MBit/s, bei einer maximalen Auflösung von 480 mal 480 Pixel und einer Bildrate von 30 Bilder pro Sekunde encodiert werden. Am einfachsten funktioniert die Umwandlung der Videodatei mit einer Vollversion von Apples Quicktime-Player, die satte 30 Euro extra kostet.
Ist der gewünschte Film erst einmal zeitaufwändig in das passende Format umgewandelt, darf sich entspannt zurückgelehnt werden. Das portable Minikino kommt scharf und in brillianter Optik daher. Für den Filmgenuss unterwegs ist der iPod ein fast idealer Begleiter - wenn der Akku nicht schlapp macht. In punkto Akkulaufzeit blieben bei unserem Testgerät nämlich noch Wünsche offen. Bei der Wiedergabe von Musik beträgt die Akkulaufzeit unseres Modells laut Apple 14 Stunde. Unser Testgerät bestätigte dies. Bei der Wiedergabe von Videos machte der integrierte Lithium-Ionen Akku allerdings bereits nach mageren zwei Stunden schlapp, beim Abspielen von Videos sollte also eine Lademöglichkeit in der Nähe sein. Der Akku ist zudem fest im iPod verbaut. Sollte der Akku mal schwach werden, hilft nur noch einschicken und für rund 110 Euro beim Hersteller Apple auswechseln lassen - ein teures Vergnügen.
Eigenes Hörbuch-Verzeichnis
Für Hörbücher bietet der neue iPod im Menü auch eine eigene Kategorie an. Bei den hier abgelegten Hörbüchern merkt sich der iPod, an welcher Stelle der Nutzer das Hörbuch abgebrochen hat und setzt automatisch beim nächsten Hören an dieser Stelle fort. Auch die Abspielgeschwindigkeit lässt sich hier regeln. Aber auch bei den Hörbüchern macht es Apple dem frischgebackenen iPod-Besitzer nicht leicht, eigene Dateien im entsprechenden Verzeichnis abzulegen.
Aufwändig und kompliziert
Um das Hörbuch vernünftig mit dem iPod verwalten zu können, muss es in einer Datei vorliegen oder erst aus mehreren Dateien zu einer zusammengefügt werden. Liegt die Datei als MP3 vor, muss sie mit iTunes noch in das AAC-Format umgewandelt werden. Das Ergebnis ist eine Datei mit der Endung m4a. Damit der iPod die Datei als Hörbuch erkennen kann, muss diese Endung zum guten Schluss noch in .m4b geändert werden - fertig ist die Hörbuch-Datei. Apples Rechnung scheint aufzugehen, denn wer greift bei einem solchen Aufwand nicht doch lieber zum kostenpflichtigen Download? Der neue iPod-Video ist ein überaus schickes Teil, das mit einem überragenden Design, einfacher Bedienung und guter Bild- und Tonqualität besticht. Das Gerät ist handlich, kompakt und nicht zu schwer. Als sehr guter MP3-Player taugt der iPod-Video allemal, die neue Videofunktion könnte Apple dagegen nutzerfreundlicher gestalten. Die Videoformate sind auf einige wenige beschränkt und das Konvertieren nimmt viel Zeit in Anspruch. Die Tatsache, dass es mittlerweile vergleichbare und auch bessere Geräte auf dem Markt gibt, wie den Cowon iAudio X5 oder den Archos Gmini 400, lässt die iPod-Fangemeinde aber trotzdem nicht schrumpfen. Der iPod ist zu einem wahren Kultobjekt avanciert.
Fazit
Bei einem Kaufpreis von 319 Euro für die 30-Gigabyte- und 429 Euro für die 60-Gigabyte-Variante ist der kultige Player aber auch nicht ganz billig. Und mit dem Kauf des Players ist es allein auch nicht getan: Soll das gute Stück nicht verkratzen, muss eine neue Schutzhülle her, für den Urlaub der Adapter zum Aufladen über die Steckdose und für das Umwandeln eigener Videos die Vollversion von Quicktime.
Apple selbst verdient sich auf diesem Weg eine goldene Nase, das Zusammenspiel des Players mit der Software und dem iTunes-Musicstore funktioniert für den iPod-Nutzer allerdings perfekt. Wer das nötige Kleingeld besitzt, wird mit seinem iPod sicherlich viel Spaß haben.

(Denise Bergfeld)

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