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Beschlagnahmte Drogen-Bitcoins in Millionenwert wieder in Umlauf (Update)

Geld stinkt nicht, findet auch das FBI, selbst wenn es sich dabei um Bitcoins aus Geschäften mit Drogen handelt. Nach der Schließung der als "Drogen-eBay" verfemten Website Silk Road bringt die US-Justiz das beschlagnahmte "Hackergeld" mittels Auktion jetzt selber wieder in Umlauf.

02.07.2014, 14:31 Uhr (Quelle: DPA)
Datenübertragung© envfx / Fotolia.com

Angezählt, abgestürzt, totgesagt - aber doch nicht kleinzukriegen: Die virtuelle Währung Bitcoin berappelt sich wieder. Unterstützung leistet dabei ausgerechnet die US-Justiz, die sonst eigentlich vor dem Digitalgeld warnt.

Auktion für Goldschmuck, aufgemotzte Autos, Segeljachten, russische Spionageabsteige - und Bitcoin

Nach etlichen Pleiten, Pech und Pannen kommt der Bitcoin zurück aus der Versenkung. Die US-Regierung versteigert das umstrittene Digitalgeld in Millionenwert und der US-Bundesstaat Kalifornien legalisiert Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel. Beim iPhone-Riesen Apple sind Bitcoin-Apps plötzlich doch erlaubt und bei Expedia kann man bald seinen Urlaub damit buchen. Ist die Riesen-Pleite der einst größten Bitcoin-Onlinebörse Mt.Gox schon verdaut?

Für die Versteigerung von Gangster-Utensilien, die das FBI oder andere Ermittler beschlagnahmen, ist die US-Justizbehörde Marshals Service zuständig. Im Angebot: Goldschmuck, aufgemotzte Autos und Segeljachten sowie eine Absteige in New Jersey, in der russische Spione gewohnt haben. Jetzt wurde das illustre Spektrum auf ungewöhnliche Art erweitert - unter den Hammer kamen im ersten Schritt rund 30.000 Bitcoins, die bei der geschlossenen Online-Handelsplattform Silk Road gepfändet worden waren.

Auch digitales Geld stinkt nicht

Laut US-Behörden sollen bei Silk Road Drogen, Waffen und gefälschte Pässe angeboten worden sein. Doch unabhängig davon, aus welchen dunklen Quellen die Bitcoins stammen - die US-Justiz verhilft dem ehemaligen "Hackergeld" zu Legitimität, indem sie es verkauft, anstatt es aus dem Verkehr zu ziehen. Digitales Geld stinkt halt nicht. Insgesamt hatte das FBI 144.342 Bitcoins bei Silk Road sichergestellt.

Nach Einschätzung des Bankers Steven Englander von der Citigroup dürfte die große Bitcoin-Auktion der US-Regierung nur der Auftakt zu weiteren Versteigerungen gewesen sein: "Der Knaller ist, dass erst etwa 20 Prozent der beschlagnahmten Menge verkauft wurde, so dass wahrscheinlich noch mehr auf den Markt kommen wird."

Dabei warnen Notenbanken rund um den Globus vor Bitcoins, die erst seit 2009 in Umlauf sind und zunehmend bei Zahlungen im Internet benutzt werden können: Extreme Kursschwankungen, keine Einlagensicherung, dafür großes Risiko durch Hackerattacken, technische Pannen und Cyber-Diebstahl. Zudem steht die virtuelle Währung im Verdacht, in großem Stil für Geldwäsche verwendet zu werden.

Die Imageprobleme erreichten mit der Pleite von Mt.Gox in Japan ihren Höhepunkt. Kundengelder in dreistelliger Millionenhöhe waren verschwunden, die Schwachstellen der Idee des "freien Geldes" ohne zentrale Aufsicht und Regulierung wurden schonungslos offengelegt. Der Bitcoin-Kurs stürzte von mehr als 1.100 auf etwa 400 Dollar ab. Der Kollaps liegt erst wenige Monate zurück. Die Sorgen scheinen vorerst verflogen, der Bitcoin-Kurs hat wieder deutlich angezogen und stand zuletzt bei 647 Dollar.

Nicht nur die Auktion der US-Regierung sorgt für Rückenwind: Ende vergangener Woche hat mit Kalifornien einer der größten US-Staaten den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel anerkannt. Kurz zuvor öffnete Apple seinen App-Store wieder für Anwendungen, die Bitcoins verwenden. Bei Expedia soll die Hotelbuchung schon bald damit klappen und der Finanzdienst Bloomberg baut sein Angebot an Bitcoin-Charts aus. Auf dem Weg in den Mainstream geht es also trotz aller Rückschläge voran.

Update, 2. Juli 2014, 18:18 Uhr

Meistbietender bei der millionenschweren Bitcoin-Auktionen der US-Regierung war offenbar ein einzelner Investor. Nach Angaben des Bitcoin-Marktplatzes Vaurum handelt es sich um den amerikanischen Risikokapitalgeber Tim Draper. Die Bitcoins sollten genutzt werden, um den Handel mit der digitalen Währung in Schwellenländern anzukurbeln, schrieb Vaurum-Chef Avish Bhama am Mittwoch im Firmenblog. Draper hat in Vaurum investiert und arbeitet mit der jungen Firma zusammen.

Der aktuelle Wert der 30.000 Bitcoins liegt bei gut 19 Millionen Dollar oder umgerechnet knapp 14 Millionen Euro. Die staatliche Auktion wurde von Beobachtern als Ritterschlag für die nicht unumstrittene digitale Währung gewertet.

(Michael Frenzel)

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