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Berlin strickt die Zukunft: Schlaue Kleidung auf der Fashion Week

Musik aus dem Schal, Sensoren im Handschuh und ein vibrierender Navigationshut - intelligente Kleidung ist schwer im kommen. Live erleben lässt sich all das auf der Berliner Fashionweek, die nächste Woche ihre Tore öffnet.

18.01.2015, 11:01 Uhr (Quelle: DPA)
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Navigierende Hüte, gestrickte Kopfhörer und ein Handschuh, der Taubblinden helfen soll: In den futuristischen Räumen des "Design Research Lab" der Universität der Künste Berlin wird an der Kleidung der Zukunft geforscht. Was bisher noch im Verborgenen existiert, soll bei der Berliner Fashion Week nächste Woche einem breiten Publikum vorgestellt werden.

Markt mit intelligenter Kleidung im Aufschwung

Leiterin Gesche Joost und ihr 20 Mitarbeiter starkes Team machen sich auf einem wachsenden Markt verdient: Laut der Senatsverwaltung für Wirtschaft lag der Umsatz der Branche "Wearable IT/Fashion Tech" (intelligente Kleidung und Zubehör) vergangenes Jahr in Deutschland bei rund 470 Millionen Euro.

Die Erfindungen richten sich dabei an alle: Medizinische Hilfen sind unter den Ideen genauso wie Alltagsgegenstände. Auch Menschen mit Behinderungen haben die Berliner im Blick. So könnte ein Handschuh mit Sensoren Taubblinden bei der Kommunikation mit ihrer Umwelt helfen. "Für Taubblinde öffnet sich damit eine ganz neue Welt", sagt Designforscherin Joost. Als der Prototyp erstmals funktionierte, habe eine betroffene Frau sogar weinen müssen.

Smarte Handschuhe überwachen Gelenke

Einen Raum weiter sieht es fast aus wie in einer Schneiderei. An den Wänden stehen Strickmaschinen, die aussehen, als wären sie noch von Oma aus den 70ern. Ein Spezial-Faden eingebaut und schon geht's los. Graues Garn wie grelle Neonfarben. Das Muster gibt der Computer vor. "Man braucht für geniale Sachen eigentlich ziemlich wenig", findet Joost, die auch Netzexpertin der Bundesregierung ist.

Sie zeigt einen weiteren Handschuh - dieses Mal einen schicken aus Stoff mit schwarzweißem Muster. Daran befestigt ist ein dünnes Lederband mit Metallchip und Lämpchen: ein Pulsmesser, erklärt die Professorin. "Der blinkt, wenn man das Handgelenk den ganzen Tag überlastet." Damit könne man zum Beispiel einer Sehnenscheidenentzündung entgegenwirken. Auch eine Weiterentwicklung für alle Arten von Gelenkerkrankungen sei möglich, sagt sie. Es sei nur eine von vielen Erfindungen der Einrichtung mit Potenzial im medizinischen Sektor.

Vibrierender Navi-Hut und klingender Schal

Praktisch als Accessoire für Orientierungslose: ein Hut mit Navigationssystem. Für den muss man nur im Handy die Zieladresse eingeben, dann empfängt der Hut per Bluetooth alle nötigen Daten. Beim Laufen vibriert dann die Krempe, in deren Richtung man als nächstes abbiegen muss. "Wie bei Harry Potter", sagt die Professorin und lacht. Ein echter Zauberhut.

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) ist bei einem Besuch noch mehr begeistert, als die Universitätsmitarbeiterin ihr einen grauen Schal um den Kopf wirft. Plötzlich bekommt sie Musik auf die Ohren - und das ganz ohne Kabel. "Gestrickte Lautsprecher", erklärt Professorin Joost, falls der Berliner Winter doch noch kommt. "Das darf ich nicht meiner Tochter erzählen", scherzt die Senatorin. "Die will das doch sofort haben." - "Wir haben noch mehr davon", entgegnet Joost augenzwinkernd. Weitere Produkte werden am 20. Januar auf der Messe Premium auf der Fashion Week vorgestellt.

(Falko Kuplent)

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