Entscheidung gefallen

Mobilfunkmesse MWC findet nicht statt: Aus wegen Coronavirus-Gefahr

Die weltweit größte Mobilfunkmesse MWC, die ab dem 24. Februar in Barcelona stattfinden sollte, ist von den Veranstaltern aus Angst vor dem Coronavirus abgesagt worden. In den letzten Tagen hatten zahlreiche Unternehmen ihre Teilnahme abgesagt.

Melanie Zecher, 12.02.2020, 23:33 Uhr (Quelle: DPA)
Mobile World Congress© GSM Association

Die weltweit wichtigste Mobilfunk-Messe MWC in Barcelona fällt in diesem Jahr wegen der Coronavirus-Gefahr aus. Die Veranstalter sagten sie am Mittwochabend ab. Zuvor hatten viele große Aussteller angekündigt, dem für Ende Februar angesetzten Branchentreff fernzubleiben.

Veranstalter GSMA: Unmöglich, an dem Ereignis festzuhalten

Die Mobilfunk-Anbieter-Vereinigung (GSMA), die Messe veranstaltet, hatte noch am Wochenende beteuert, am dem Termin vom 24. bis 27. Februar festzuhalten. Jetzt hieß es aber, die weltweite Sorge wegen des Ausbruchs der Coronavirus-Krankheit, Bedenken bei Reisen und andere Umstände machten es "unmöglich für die GSMA, an dem Ereignis festzuhalten".

Die britische Ausgabe des Magazins "Wired" berichtete am Mittwoch, die GSMA habe zunächst versucht, die Behörden der spanischen Provinz Katalonien zu überzeugen, einen Gesundheits-Notstand auszurufen. Das wäre wichtig gewesen, um die Ausgaben von Versicherungen zurückzubekommen.

Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau sagte am Mittwoch jedoch vor Journalisten, die Stadt sei "perfekt auf die Organisation des MWC vorbereitet". Nach Angaben der Gesundheitsbehörden gebe es "keinen Grund, Notmaßnahmen zu ergreifen". Damit war der Ball wieder im Feld der GSMA.

Deswegen hieß es in GSMA-Kreisen laut "Wired UK" anfangs noch, die Messe könnte trotz aller Absagen und Bedenken möglicherweise trotzdem stattfinden, damit man nicht auf den Kosten sitzen bleibt.

Flut der Absagen zwang Veranstalter zum Handeln

Am Ende wurden die Veranstalter aber von der Flut der Absagen überrannt. Allein am Mittwoch teilten die Deutsche Telekom, Vodafone, der Netzausrüster Nokia und der Smartphone-Hersteller HMD Global mit, dass sie der Veranstaltung fernbleiben würden. Am Dienstag hatten der Chipriese Intel, der US-Telekomkonzern AT&T und der chinesische Smartphone-Anbieter Vivo ihre Teilnahme abgesagt. Sony und Amazon, der Telekom-Ausrüster Ericsson, der südkoreanische Elektronikkonzern LG und der Chiphersteller Nvidia waren schon vorher ausgestiegen.

Die GSMA setzte auch zusätzlich unter Druck, dass viele ihrer Mitglieder wie die Telekom, Orange oder AT&T aus Sorge um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter die Teilnahme an der Messe absagten.

Die "Financial Times" berichtete in der Nacht zum Donnerstag, Gespräche darüber, wer die Kosten tragen soll, liefen noch.

Wirtschaft Barcelonas profitiert von der Messe

Der MWC gilt als die weltweit wichtigste Veranstaltung der Mobilfunkbranche und ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Die GSMA erwartete zu der Messe in diesem Jahr wieder mehr als 100.000 Besucher und mehr als 2.800 Aussteller. Für Barcelona ist sie auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor - der Effekt für das Gastgewerbe und andere Branchen wird von der GSMA auf nahezu eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

Die große Frage für die Zukunft ist nun, ob die Absage erste Risse in die MWC-Erfolgsstory bringt. Denn manche Anbieter könnten ihre Teilnahme an künftigen Events überdenken, wenn sie feststellen, dass ihr Geschäft im Jahr ohne den teueren Messeauftritt keinen Schaden nahm. So markierte die Finanzkrise 2008 den Anfang vom Ende der Computermesse Cebit in Hannover: Viele Aussteller blieben ihr damals fern und kamen auch später nicht wieder. Jetzt beteuerten viele große Player immerhin, sie freuten sich auf die MWC-Ausgabe 2021.

Keine Teilnehmer aus der Provinz Hubei erwünscht

Die Organisatoren hatten nach den ersten Absagen zunächst noch versucht, die Teilnehmern mit zusätzlichen Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen zu beruhigen. Außerdem sollte allen Reisenden aus der chinesischen Krisenprovinz Hubei der Zugang zum MWC verwehrt werden. Personen, die sich in China aufhielten, sollten den Nachweis erbringen, dass sie das Land vor mindestens 14 Tagen verlassen haben.

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