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Bemomo im Test - Durchblick im Vertragsgewirr

Ärgerlich: Schon wieder den DSL-Vertrag nicht rechtzeitig gekündigt und eine Chance zum Geldsparen verpasst? Vielleicht zum letzten Mal, denn bald hilft der Webdienst "Bemomo", Verträge zu verwalten, fristgerecht zu kündigen oder zu verlängern. Onlinekosten hat das Portal getestet.

18.09.2009, 10:27 Uhr
Netzwerk© TheSupe87 / Fotolia.com

Nicht jeder kann sich eine Sekretärin leisten. Aber bei der Vielfalt von DSL-, Versicherungs- und Telefon-Verträgen würde sich das mancher wünschen. Wie schnell ist ein Kündigungstermin verpasst - und schon ist der vergessliche Kunde ein weiteres Jahr zu einer Leistung verpflichtet, die er eigentlich nicht verlängern wollte.
Nicht denken - "einfach leben"
Klarer Fall – eine Marktlücke, dachten sich die Macher von Bemomo.de. Die gleichnamige Agentur residiert auf auf der mondänen Düsseldorfer "Kö" (Königsallee) und hat ein kostenloses Internet-Portal geschaffen, das dem überforderten Normalbürger hilft, nicht im Chaos seiner Fristen und Verträge zu ertrinken. Als Starttermin ist der 1. Oktober unter www.bemomo.de vorgesehen.
Die Idee: Wer seine Abschlüsse hier erfasst und verwaltet, wird auch ohne Sekretärin pünktlich an Termine erinnert. Und das nicht nur per E-Mail: Die Applikation stellt auch Kündigungsschreiben zum Ausdrucken am PC zur Verfügung. Dabei sind nicht nur Privatpersonen als Kunden gefragt. Auch Partnerfirmen können ihren Nutzern die Seite im hauseigenen Design als Erinnerungstool anbieten. Nützliches Helferlein oder eine weitere Datenfalle? Onlinekosten.de hat die Beta-Version vorab unter die Lupe genommen.
"Einfach leben" lautet das Motto der Macher – lästige Termine sollen die Nutzer getrost der kostenlosen Bemomo-Seite überlassen, die sich durch Werbung finanzieren soll und sich derzeit noch im Beta-Stadium befindet. Zwei virtuelle Karteikarten-Reiter auf der Startseite ermöglichen Login und Erstanmeldung. Sie funktionieren zügig und einwandfrei ohne Wartezeit und ohne Test-Mail ans E-Mail-Konto. Beim Anmelden kann der Nutzer sich mit Hilfe einer Checkbox bewusst für Informationen und Werbemail entscheiden. Ein Pluspunkt, denn viele Anbieter fischen hier schon nach Adressen: Sie bieten solche Boxen bereits angewählt zur Bestätigung an und hoffen, dass eilige Nutzer sie übersehen.
Große Auswahl
Kaum registriert, kann es auch schon losgehen. Der Karteireiter "Start" nimmt die Verträge auf – vom Zeitungsabo bis zur Rechtschutzversicherung ist alles möglich. Einige Anbieter können mit einer Shortcut-Auswahl angewählt werden, andere kann man mit einer Suchfunktion ermitteln.
Nach dem Speichern setzt der Nutzer einen Erinnerungstermin für die fällige Kündigung oder Verlängerung des Vertrages fest. Das Menü ist alles in allem übersichtlich gestaltet. Nur Logout und Profildaten "verstecken" sich etwas unauffällig hinter kleinen Symbolen im Karteireiterkopf.
Umschlag zu und los
Am "D-Day" des Termins erhält der Nutzer eine E-Mail mit angehängtem vorformulierten Kündigungsschreiben inklusive Adresse und Absender als PDF-Datei. Der Brief besteht aus mehreren Textbausteinen inklusive einem frei formulierten Teil. Was dort steht, ist kein Zufall: Die Bausteine kombiniert der Nutzer bereits beim Planen der Erinnerung.
Das Schreiben passt tadellos in einen Fensterumschlag und muss nur noch unterzeichnet werden. Kleiner Wermutstropfen: Im Adressfeld bringt Bemomo Werbung in eigener Sache unter. Die begrüßt den Empfänger durch das Brieffenster. Zum Release-Termin soll sie jedoch entfernt werden, so die Entwickler.
Soweit, so gut – doch was geschieht mit den Daten, die der Nutzer hier erfasst? Als deutscher Betreiber bekennt sich bemomo.de zu den vergleichsweise strengen hiesigen Datenschutzgesetzen. Die Daten "bleiben bei Bemomo und werden nicht weitergegeben", beteuern die Webseiten-Betreiber in ihrer FAQ-Liste. Sie räumen aber ein, dass die Angaben auch dazu verwendet werden, "interessante Angebote" zu präsentieren.
Also Feuer frei für Werbemails? Nicht, wenn man sich beim Anmelden dagegen entschieden hat, versichern die Betreiber auf Anfrage von onlinekosten.de. Erinnerung im Online-Kalender setzen – oder doch lieber Bemomo vertrauen? Obwohl formell eine einfache E-Mail reicht, setzt man in Vertragsdingen gerne auf den Postweg. Wer sich nicht gern mit Verträgen herumschlägt, dem kann die Website ein nützlicher Helfer sein: Termine melden sich von selbst und Bemomo hilft mit Kündigungsvorlagen beim Formulieren. Das spart Zeit und Mühe – und Zeit ist Geld. Das wissen wir nicht erst seit Michael Endes Jugendbuch "Momo", in dem ein gleichnamiges Struwwelmädchen erfolgreich die Zeitdiebe bekämpft. Und zugleich Namenspatin des virtuellen Vertragsverwalters ist.
Fazit: Eigener Ermessensspielraum
Manchen Zweifler überzeugt vielleicht der moralische Aspekt. Denn Bemomo verspricht auf der Webseite, 15 Prozent der künftigen Werbe-Einnahmen Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" zukommen zu lassen.
Aber eine Frage steht stets bei Web-Dienstleistern im Raum: Was geschieht mit den Vertragsdaten? Bleiben sie wirklich in Betreiberhand? Fest steht, das Verträge und Vertragsverhältnisse diskrete Informationen sind, die man nicht jedermann preisgeben sollte. Und fest steht auch: Verbraucherzentralen weisen immer wieder darauf hin, dass kostenlose Webdienste oft als Sammelbecken für Werbe-Adressen dienen.
Hier punktet der Klassiker: Eine Erinnerung im E-Mail-Client tut's auch. Und Muster-Kündigungsschreiben sind schließlich auch im Internet erhältlich. Natürlich ist das zeitintensiv, der Nutzer muss selbst formulieren, recherchieren, organisieren – und kann nicht "einfach leben". Dafür bleiben die Vertragsdaten aber auch garantiert hinter Schloss und Riegel. Und verschwinden nicht auf diffusem Weg im Web-Nirvana.

(Dorothee Monreal)

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