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BDZV: Zeitungsbranche hofft auf Erfolg der Tablets

Der Bundesverband deutscher Zeitungsverleger (BDZV) hat in Berlin die dramatische Lage der Branche skizziert - Hoffnungsträger sind Tablet-PCs wie das iPad und Bezahlinhalte im Internet.

18.07.2010, 09:01 Uhr
Datenübertragung© envfx / Fotolia.com

Leserschwund und anhaltende Flaute auf dem Anzeigenmarkt: Es sieht weiterhin nicht gut aus für die deutsche Zeitungsbranche. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hatte die Situation für die Verlage im vergangenen Jahr noch verschärft. Der Bundesverband deutscher Zeitungsverleger (BDZV) nahm auf seiner Jahrespressekonferenz in Berlin Stellung zur dramatischen Lage für die Zeitungsverlage.

Tablets als neuer Umsatzbringer

Dieter Wolff, BDZV-Geschäftsführer, bezeichnete Tablet-PCs und generell elektronische Lesegeräte als Hoffnungsträger der Zeitungsbranche und als wichtigen Teil der Digitalstrategie der Verlage. Insbesondere die Einführung des Apple iPad habe Bewegung in den Markt für digitale Inhalte gebracht. Es werde derzeit intensiv an Inhalten, einem ansprechenden Design und entsprechenden Vermarktungsmodellen gearbeitet. Die Branche verspricht sich von den Tablets, dass sich mit ihnen das klassische Geschäftsmodell der Zeitungen in die digitale Welt hinüberretten lasse. Die Zeitungsverlage wollen sich laut Hans-Joachim Fuhrmann, Leiter Kommunikation und Multimedia des BDZV, künftig aber nicht nur als reine Inhalteanbieter verstehen. Vielmehr wünschen sie sich über die neuen Plattformen auch einen direkten Kontakt zu den Kunden. Die Verkaufspreise für Produkte wollen sie zudem selbst festlegen und das Anzeigengeschäft weiterhin in Eigenregie steuern. Um dies durchsetzen zu können, bedarf es laut Fuhrmann Verhandlungen mit den Anbietern der neuen externen Plattformen. Es dürfe keine technischen Hindernisse für die Angebote der Verlage geben, denn diese sollten möglichst auf allen "attraktiven Plattformen und Endgeräten" nutzbar sein. Denkbar sei auch die Zusammenarbeit von Verlagen, um einen gemeinsamen E-Kiosk für Presseprodukte zu etablieren.

Kritik an Online-Portalen der öffentlich-rechtlichen Rundfunksender

Da Online-Werbung bislang zur Finanzierung der Online-Aktivitäten nicht ausreiche, sprach sich Wolff für Bezahlprodukte im Internet aus. Dies sei von "existenzieller Bedeutung". Die Nutzer seien bereit für exklusive Inhalte auch zu bezahlen. Einen heftigen Seitenhieb gab der BDZV-Hauptgeschäftsführer in Richtung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ab. Diese würden mit ihren gebührenfinanzierten Online-Auftritten den Internet-Bemühungen der Zeitungsbranche entgegenstehen. Textbasierte Portale wie "tagesschau.de" oder "heute.de" hätten nichts mehr mit Rundfunk zu tun. Die Genehmigung der Online-Präsenzen der Rundfunkanstalten durch die Rundfunkräte im Rahmen des Drei-Stufen-Tests sei ein Skandal. Die Zeitungsverlage würden daher weiter juristisch und politisch gegen die Praxis vorgehen.

BDVZ: "Zeitungen sind wie Lebensmittel"

Weiterhin forderte Wolff einen besseren Schutz für Presseprodukte durch ein gesetzlich verankertes Leistungsschutzrecht. Dieses solle teuer erstellte Presseprodukte vor der gewerblichen Nutzung durch Dritte schützen. In Zusammenhang mit der Diskussion um die Mehrwertsteuer solle diese Steuer für Presseerzeugnisse auch weiterhin bei einem reduzierten Steuersatz von sieben Prozent liegen. "Zeitungen sind wie Lebensmittel. Sie sichern die Teilhabe und den Diskurs in einer pluralistischen und demokratisch verfassten Gesellschaft", so Wolff. Täglich würden 71,4 Prozent der über 14-Jährigen eine gedruckte Zeitung lesen, zudem besuchten 52 Prozent der Internetnutzer regelmäßig die Webseiten der Verlage. Pro Erscheinungstag werden jeweils rund 24,66 Millionen Zeitungen verkauft. Die Auflagen gingen im vergangenen Jahr im Durchschnitt um 2,5 Prozent zurück, das Minus im Anzeigengeschäft lag bei 15,9 Prozent. Nur die Vertriebsumsätze stiegen um 2,3 Prozent. Der Gesamtumsatz der deutschen Zeitungsbranche lag im vergangenen Jahr bei 8,46 Milliarden Euro.

(Jörg Schamberg)

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