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BBC-Doku: Apple-Zulieferer in China beuten Arbeiter weiter aus

"Apple's Broken Promises" ist der Titel einer investigativen BBC-Dokumentation, die jetzt auf YouTube veröffentlicht wurde. Verdeckte Reporter heuerten bei Apple-Zulieferern an, wollten ermitteln, ob sich die Arbeitsbedingungen seit der Foxconn-Selbstmordserie im Jahre 2010 verbessert haben. Mit schockierenden Ergebnissen.

24.12.2014, 00:01 Uhr
Apple© Apple

Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in den Zulieferer-Fabriken der Hype-Marke Apple werden seit der Selbstmordwelle bei Foxconn im Jahre 2010 immer wieder angeprangert. Besonders paradox: Der Konzern aus Cupertino lebt von seinem guten Namen und pocht auf Umweltfreundlichkeit, unbedenkliche Rohstoffe und menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Eine BBC-Dokumentation des Reporters Richard Bilton und seines Teams unter dem Titel "Apple's broken Promises" ("Apples gebrochene Versprechen") führt nun zu Tage, was sich in der Fabriken der iPhones und iPad-Produzenten getan hat – mit erschreckenden Ergebnissen. Die Dokumentation ist inzwischen auf der Video-Plattform YouTube veröffentlicht worden.

Verbesserungen nur Lippenbekenntnisse?

Eingeschleuste Undercover-Reporter berichten in Produktionsanlagen für das iPhone 6 und bei der Rohstoff-Gewinnung in den Zinn-Minen Indonesiens von unmenschlichen Zuständen. Und das auch in solchen Fabriken, die lange nach der Foxconn-Affäre entstanden sind. Dabei hatte Apple versprochen, für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Fernen Osten zu sorgen. Laut BBC blieb es offenbar bei Lippenbekenntnissen.

Die Recherchen ergaben: Beim Zulieferer Pegatron in Shanghai waren Überstunden, 16-Stunden Schichten und 12-Mann-Schlafsäle an der Tagesordnung. Die Arbeiter arbeiten teilweise 18 Tage am Stück ohne einen freien Tag und schlafen in den Pausen und am Fließband erschöpft am Arbeitsplatz ein. "Ich war manchmal zu müde zum essen", berichtet ein Reporter, "und konnte vor Stress doch nicht schlafen".

Eine angstgeprägte Arbeits-Atmosphäre sorgt der Doku zufolge für die nötige Disziplin. Gebetsmühlenartig wird den Arbeitern und Vorarbeitern eingebläut: Wenn du nicht funktionierst, steht draußen vor der Tür der nächste und übernimmt deinen Job – und niemand wird nach dir fragen.

Die BBC-Dokumentation "Apple's Broken Promises" ist auf der Videoplattform YouTube zu sehen. Überstunden und Kinderarbeit sind in der Rohstoff- und Zulieferkette des Weltkonzerns offenbar weiter an der Tagesordnung. Quelle: YouTube

Apples UK-Vice-President for Operations, Jeff Williams, hat sich offenbar von den Anschuldigungen distanziert. Die Sendung wolle Apple bloßstellen und beweisen, dass der Konzern sich nicht bemühe, die Bedingungen der Arbeiter auf der anderen Seite der Erdkugel zu verbessern, heißt es in einem Apple-Statement auf der Video-Plattform Youtube. BBC zufolge soll er an 5.000 Mitarbeiter per E-Mail kommuniziert haben: "Lasst mich sagen, nichts ist ferner von der Wahrheit".

BBC: Apple-Chefetage lehnte Interview ab

Die Dokumentation spricht jedoch eine andere Sprache. Die Apple-Standards bezüglich Arbeitsstunden, Schichtwahl, ID-Karten, Schlafräume und Jugendschutz werden offenbar teils offen, teils verdeckt von Pegatron umgangen. Und das, obwohl Arbeitsschutz-Behörden und Qualitätssicherungs-Fachleute Apple mehrfach darauf hingewiesen haben wollen und überzeugt sind: Eine Firma, die innerhalb von Monaten eine neue Produktionsanlage aus dem Boden stampft, kann mit dem entsprechenden Willen und vergleichsweise wenig Aufwand zum Arbeitsschutz in den Elektronik-Konzernen Chinas beitragen, die für Apple produzieren.

Erst recht, wenn diese Firma laut BBC im Jahre 2013 rund 169 Millionen iPhones und 68 Millionen iPads verkauft hat und einen Gewinn von 39 Milliarden US-Dollar verbuchen konnte.

Die Firmenspitze in Kalifornien lehnte ein Interview zur Sendung offenbar ab und soll lapidar erklärt haben: "Wir kennen kein Unternehmen, das sich so für faire und sichere Arbeitsbedingungen einsetzt wie Apple." Wenn Zulieferer von den Apple-Normen abweichen, arbeite man gemeinsam an Verbesserungen, und es gebe immer wieder deutliche Fortschritte zu verzeichnen. Auch wenn, so räumt der Konzern ein, die Arbeit "hier nie wirklich getan ist".

(Dorothee Monreal)

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