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Banken suchen Online-Weg auch aus Kostengründen

Deutschlands Banken wollen Verbraucher stärker da abholen, wo der Kunde sie braucht. Uneigennützig sei die Online-Initiative nicht, urteilen Experten.

17.03.2013, 13:01 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

Für viele Banken ist Sparen nach Expertenansicht der eigentliche Grund für den Ausbau ihrer Internetangebote. "Auch diese zweite Online-Welle dient nicht in erster Linie dazu, die Kundenfreundlichkeit zu erhöhen, sondern zielt darauf, Kosten zu sparen", sagte der Bamberger Bankenforscher Andreas Oehler im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt.

Kunden wollen nicht auf die Filiale verzichten

"Wir haben vor etwa zehn Jahren schon einmal die gleiche Entwicklung gehabt: Hin zur Selbstbedienungsfiliale und zum Online-Banking", erinnerte der Inhaber des Lehrstuhls für Finanzwirtschaft an der Universität Bamberg und Direktor der Forschungsstelle Verbraucherfinanzen & Verbraucherbildung.

Damals sei die Rechnung der Finanzbranche nicht aufgegangen: Zwar hätten Kunden die automatisierte Technik schätzen gelernt, auf ihre Filiale aber wollten die meisten nicht verzichten. "Die Kunden reagieren auf das mannigfaltige Angebot nicht im Sinne der Banken: Der Trend geht zur Mehrfachbankverbindung, es gibt keine klare Hauptbankverbindung mehr, die Kunden sind flexibler geworden", erklärte Oehler.

Spagat zwischen Filiale und Online-Angebot

Geld verdienen im Privatkundengeschäft in Deutschland sei schwierig, bilanzierte Oehler, der sich seit Jahren wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt. "Seit den 1950er Jahren gibt es kein wirklich lukratives Retailbanking der privaten Banken in Deutschland. Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben dagegen ein anderes Problem: Sie sind zwar je nach Segment Marktführer, haben aber zu kleinteilige Strukturen."

Der Spagat zwischen Filiale und Online-Angebot könne aber durchaus gelingen, meint Oehler: "Ich glaube, dass eine Universalbank im Privatkundengeschäft in Deutschland erfolgreich sein kann, wenn sie ihre Kunden ernst nimmt. Und das heißt auch den Kunden transparent zu sagen, welche Leistung wie viel kostet." Ganz ohne Angebot der Banken vor Ort werde es nicht gehen: "Zu viel Anonymität ist auch nicht gut für eine gesunde Kundenbeziehung", sagte der Bamberger Forscher.

(Peter Giesecke)

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