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Baden-Württemberg: Sat-Internet auf dem Prüfstand

Ein Modellprojekt von bundesweiter Bedeutung für Internet über Satellit ist in Baden-Württemberg gestartet. In über 150 Haushalten in sechs ländlichen Gemeinden wird die Akzeptanz von Sat-Internet über Astra und Eutelsat untersucht.

18.05.2010, 09:01 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Die Breitbandlücken in ländlichen deutschen Regionen sollen möglichst schnell geschlossen werden - so der Wille der Politik. Der Weg dahin ist jedoch umstritten: Welche Technologie ist in der Praxis am ehesten geeignet, um auch abgelegene Dörfer mit Breitband zu versorgen? In Baden-Württemberg untersucht das dortige Verbraucherschutzministerium, inwieweit sich Internet über Satellit als Anschluss an die Datenautobahn bewährt. "Das Projekt soll Klarheit darüber verschaffen, ob und inwieweit der Satellit als Übertragungsmedium für schnelles Internet von den Beteiligten vor Ort angenommen wird", so Thomas Langheinrich, Präsident der Landesanstalt für Kommunikation (LFK). An dem von der LFK koordinierten Modellprojekt mit bundesweiter Bedeutung beteiligen sich die Satellitenbetreiber SES Astra und Eutelsat.

Über 150 Haushalte in sechs Gemeinden

An dem Projekt nehmen über 150 Haushalte in den Gemeinden Niederstotzingen-Lontal (Landkreis Heidenheim), Dachsberg und Ibach (Landkreis Waldshut), Eschbronn (Landkreis Rottweil), Häg-Ehrsberg (Landkreis Lörrach) sowie Forbach (Landkreis Rastatt) teil. Die Teilnehmer werden in regelmäßigen Abständen nach ihren Erfahrungen mit Internet über Sat befragt. Astra bietet seine Sat-Internet-Plattform Astra2Connect in Baden-Württemberg zusammen mit dem Vertriebspartner Filiago an. Für Eutelsat und dessen Plattform Tooway beteiligt sich der Breitbanddienst dsl2u der Internetagentur Schott an dem Modellprojekt. Derzeit können Nutzer auf Basis von Tooway mit bis zu 3,6 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Internet surfen, im kommenden Jahr erlaubt der im Herbst startende neue Satellit KA-SAT dann Bandbreiten von bis zu 10 Mbit/s im Downstream.

Die Mehrheit der teilnehmenden Haushalte hat sich laut Internetagentur Schott für den Internetanschluss über Eutelsat entschieden. Daniel Steinlein, Geschäftsführer der Internetagentur Schott, verwies gegenüber unserer Redaktion darauf, dass es für die Kunden von Vorteil sei, den TV-Empfang neben Internet und Telefonie über nur eine Sat-Schüssel realisieren zu können. "Wir hoffen, dass sich nun auch andere Bundesländer von der wichtigen Rolle überzeugen lassen, die Satellitentechnik beim Schließen der immer noch sehr zahlreichen Breitbandversorgungslücken mit sehr überschaubarem Investitionsaufwand im Vergleich zu anderen Technologien spielen kann", so Stephan Schott von der gleichnamigen Internetagentur.

Sat-Internet als "wichtiger Baustein zur Breitbanderschließung"

Um das von der Bundesregierung im Rahmen ihrer Breitbandstrategie zum Jahresende angestrebte Ziel einer Versorgung aller Haushalte mit mindestens einem Mbit/s erreichen zu können, rückt auch Sat-Internet immer stärker in den Fokus. "Die Satellitentechnik ist ein wichtiger Baustein zur Breitbanderschließung des Ländlichen Raums. Sie wird dazu beitragen, allen Bürgerinnen und Bürgern unabhängig von ihrem Wohnort, einen Anschluss an die Datenautobahn zu verschaffen", so Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im baden-württembergischen Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz. Die Anbieter von Internet über Satellit sehen ihren Internetzugang realistischerweise nicht als Alternative zu DSL oder Kabel, sondern vielmehr als Brückentechnologie zur Breitband-Anbindung der ländlichen Regionen. Für Poweruser ist Sat-Internet dagegen nicht geeignet - und auch nicht gedacht.

(Jörg Schamberg)

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