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AVM: FritzBox startet ins Internet von morgen

IPv6 auf dem Vormarsch: AVM stattet die FritzBox mit dem neuen Internetprotokoll aus. Erstmals können auch Heimanwender IPv6 nutzen.

04.05.2010, 09:31 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Bitte mal aufrücken: Es wird eng im Internet. Rund 85 Prozent der Internetadressen sind bereits vergeben – und der Bedarf steigt. Einen Ausweg bietet IPv6. Schon lange rufen Fachleute nach der Einführung des neuen Protokolls. Und so langsam offenbar auch mit Erfolg: Das Berliner Unternehmen AVM stattet nach einer einjährigen Testphase seine DSL-Endgeräte wie die FritzBox mit dem neuem Internetprotokoll aus.

Dual Stack erlaubt Parallelbetrieb

Als erster Provider Europas wagt sich offenbar der niederländische DSL-Anbieter XS4ALL auf Neuland vor. Er stellt nach AVM-Angaben IPv6 auch für Heimanwender zur Verfügung.

In der Testphase habe man den Leistungsumfang des neuen Internetprotokolls auf Herz und Nieren überprüft, so AVM. Außerdem sei das neue Internetprotokoll mit einer umfassenden Firewall ausgestattet. Wer auf Nummer Sicher gehen wolle, könne im Netzwerk sowie im Internet IPv6 und IPv4 mittels Dual Stack Technologie auch parallel betreiben.

Schon lange ist bekannt: Das aktuelle Internetprotokoll IPv4 gerät an seine Grenzen. Das Nachfolgeprotokoll IPv6 wird zwar bereits seit Jahren diskutiert, es blieb jedoch bisher weitgehend bei der Theorie. Daran konnte auch der 2009 formulierte Nationale Aktionsplan des deutschen IPv6-Rats bis jetzt nichts ändern. Demzufolge soll IPv6 bis 2010 für mindestens ein Viertel der Deutschen verfügbar sein.

Billionen von Adressen möglich

Internet-Anbieter sollten für ihre Endkunden in einer ersten Stufe ein IPv6-Angebot einrichten. Bis 2012 solle die eigentliche Umstellung auf IPv6 dann erfolgt sein, sieht der Plan vor.

Das neue Übertragungsprotokoll erlaubt deutlich mehr als die bislang möglichen vier Milliarden Internet-Adressen – Fachleute sprechen von Billionen von Adressen, die rein rechnerisch für jeden Quadratmillimeter der Erdoberfläche möglich werden.

Erster Schritt zum "Internet der Dinge"

Wird nicht aufgerüstet, befürchten die Forscher, dass das Internet in absehbarer Zeit in eine Ansammlung verschiedener Unternetze zerbricht.

AVM sieht in IPv6 gar ein "neues Internet", zumindest aus Netzwerksicht. Der Provider erhalte nicht nur eine IP-Adresse für ein Netzwerk, sondern mehrere für ein Subnetz. Bestehende Dienste wie Peer-to-peer, VPN oder Videokonferenzen würden einfacher und eine Vielzahl neuer Anwendungen überhaupt erst möglich – beispielsweise das legendäre Internet der Dinge.

Bei dieser Zukunftsvision sollen auch Haushaltsgeräte wie der Kühlschrank oder die Kaffeemaschine eigene IP-Adressen erhalten. Auch Pläne zur Internet-Kommunikation über oder mit Fahrzeugen basieren auf IPv6.

(Dorothee Monreal)

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