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Aus für Internet-Lotto: Glücksspiele im Netz verboten

Das Jahr 2009 bringt Internetsurfern nicht nur die Vorratsdatenspeicherung: Online-Glücksspiele wie Lotto dürfen im neuen Jahr nicht mehr über das Internet gespielt werden.

01.01.2009, 14:31 Uhr
Internet© Victoria / Fotolia.com

Ein Ausblick in das neue Jahr 2009 zeigt für Internetsurfer nicht nur Gutes. So werden dank der dann in vollem Umfang auch für das Internet einsetzenden Vorratsdatenspeicherung Surfausflüge eines jeden Internetnutzers ein halbes Jahr lang gespeichert. Auf der Strecke bleibt 2009 nicht nur die Privatsphäre im Netz, auch auf die Gemeinde der Online-Glücksspieler kommen Veränderungen zu.
Spielsucht soll bekämpft werden
Lottospieler, die bisher bequem online ihre Kreuzchen etwa für die Lotterie "6 aus 49" oder andere Glücksspiele gemacht haben, müssen sich ab dem 1. Januar umstellen. Die rund 23.700 Lotto-Annahmestellen in Deutschland wird es freuen, denn sie dürften dann wieder erheblich mehr Zulauf erhalten. Möglich ist noch ein Spielen per Dauerauftrag, der allerdings auch einmal in einer Annahmestelle vor Ort beantragt werden muss. Der neue Glücksspielstaatsvertrag verbietet ab 2009 die Vermittlung staatlicher Lotterien im Internet sowie die Werbung dafür. Das Ziel ist die Bekämpfung der Spiel- und Wettsucht. Der Glücksspielstaatsvertrag war bereits am 1. Januar 2008 in Kraft getreten, hatte aber den Anbietern von Online-Lotto eine einjährige Übergangsfrist eingeräumt.
Internet-Lottoanbieter ziehen Konsequenzen
Die großen Internet-Lottovermittler wie Tipp24 ziehen bereits erste Konsequenzen. Das Unternehmen gab bekannt, seine Geschäfte statt von Deutschland künftig von London aus zu steuern und den Schwerpunkt auf das internationale Geschäft zu legen. Aus tipp24.de wurde tipp24.com: das Internet-Lotto für Deutschland kann somit derzeit von England aus angeboten werden. Dies allerdings auch nur solange bis die einzelnen Bundesländer den Lotto-Vermittler zur Unterlassung des Internet-Lotto auffordern. Die rechtliche Klärung wird aber sicher noch einige Zeit beanspruchen. Laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) soll als Folge ein Großteil der 170 Arbeitsplätze von Tipp24 in Deutschland gestrichen werden. Tipp24 kämpft derzeit noch vor Gericht gegen den Glücksspielstaatsvertrag, setzt seine Hoffnung dabei vor allem auch auf Entscheidungen europäischer Gerichte.
Dem Staat entgehen Einnahmen
Der Staat selbst sei ein Leidtragender seiner eigenen Gesetzesregelung, denn die Gewinne der Lotterien kommen zum Großteil Wohlfahrtsorganisationen zu Gute. In einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt" nannte Tipp24-Geschäftsführer Jens Schumann alleine für die Stadt Hamburg die Summe von rund 24 Millionen Euro, die der Stadt 2009 durch die neue Gesetzesregelung entgehen würde. Auch die Werbeindustrie muss alleine beim Anbieter Tipp24 auf ein Werbebudget von rund zehn Millionen Euro verzichten.
Update vom 30. Januar 2009: Warnung vor Internet-Lotto
Die Diskussion um das Verbot des Internet-Lotto hält an. Einen Erfolg vor Gericht konnte Tipp24 in Rheinland-Pfalz erzielen: Internet-Lotto ist teilweise wieder erlaubt. Unterdessen wurde auch eine Warnung der Verbraucherzentrale NRW vor dem Internet-Lotto veröffentlicht.

(Jörg Schamberg)

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