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Aufgeklärt: Pro und Contra T-DSL-Resale

Die großen DSL-Provider werben mit günstigen Flatrates. Voraussetzung: Ein Resale-Anschluss. Wir zeigen die Vor- und Nachteile auf.

03.06.2005, 16:19 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Otto Normal surft mit T-DSL durchs Netz der Netze. Er ist zufrieden mit dem Anschluss, hat keine Veranlassung, den DSL Anbieter zu wechseln. Bis zu dem Tag, an dem er erfährt, dass Unternehmen wie 1&1, GMX oder freenet ähnliche Leistung für deutlich weniger Geld erbringen. Und er seine Flatrate von T-Online mit einem Mal maßlos überteuert findet.
Wechsel mit Tücken
Jetzt hat Otto die Qual der Wahl. Für welchen DSL-Anbieter soll er sich nur entscheiden? Er pickt sich das Angebot von 1&1 heraus, weil die günstige City-Flat an seinem Wohnort verfügbar ist. Ein Wechsel auch des Anschlusses zu 1&1 DSL sei Voraussetzung, entnimmt er dem Bestellvorgang. Doch was hat es mit so einem Anschlusswechsel eigentlich auf sich? Welche Vor- und Nachteile ergeben sich?
Viele unserer Leser dürften Ottos Problem kennen. Wie ihm geht es gerade vielen Breitband-Surfern. Wo früher so gut wie alle Angebote auf T-DSL ausgelegt waren, gibt es jetzt neue Bedingungen. Bei den günstigen Tarifen der Telekom-Konkurrenten ist ein Wechsel des DSL-Anschlusses zum Tarifanbieter inzwischen zur Pflicht geworden. Ob Tiscali, freenet, Strato oder 1&1 - stets ist die Billig-Flatrate auch an den hauseigenen Anschluss gekoppelt.
Resale ist Pflicht
Bei den augenscheinlich eigenen Anschlüssen handelt es sich um sogenannte Resale-Produkte. Das sind T-DSL-Anschlüsse, die von den Providern unter eigenem Namen in Eigenregie vertrieben werden. Fast alle Beteiligten können von Resale profitieren. Provider verkaufen Anschlusse und Tarif unter eigenem Namen, der Kunde bekommt die komplette Dienstleistung aus einer Hand. Und die Telekom freut sich über viele umgeschminkte T-DSL-Anschlüsse, die sie ohne eigene Vertriebsleistung unter die Leute bringt. Für Kunden hat das ganze aber auch einen dicken Haken.
Ein Resale-Anschluss ist nämlich nicht ohne Weiteres wieder in einen T-DSL-Anschluss zu verwandeln: Der Kunde ist meist für ein Jahr oder länger an den Resale-Anbieter gebunden. Sollte der Resale-Kunde nach Ablauf der Mindestlaufzeit wechseln wollen, etwa weil ein anderer Provider mit T-DSL-basierten Tarifen günstiger ist, bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Resale-Anschluss zu kündigen und T-DSL (oder ein anderes Resale-Produkt) neu zu beauftragen. Dabei vergeht Zeit. Oftmals Zeit ganz ohne DSL.
Warum geht das nicht einfacher? Wie die T-Com uns wissen lässt, arbeite man derzeit an einem Prozess, der Kunden eines Resellers in Zukunft einfacher zum "echten" T-DSL zurückkehren lässt. Wann der Wechsel von Telekom zu Resale endlich reversibel sein wird, will man uns aber nicht sagen. Bekanntlich können solche Prozesse im Hause Telekom etwas länger dauern.
Keine Upgrades
Auch Zusatzmerkmale wie "Fastpath" oder "Upstream 384" sucht man an Resale-Anschlüssen vergebens. Zwar räumte die T-Com ihren Vertriebspartnern schon vor einiger Zeit eine entsprechende Option ein, genutzt wird diese bisher jedoch nicht. Außer von Hauptkonkurrent Arcor, der ironischerweise seine ArcorDSL Resale-Anschlüsse damit im Upstream verschnellert. T-DSL-Resale zieht dem Kunden also nicht nur die Anbieter-Knebel an, sondern zwingt ihn bei weitgehend allen Anbietern auch zum Verzicht auf Zusatzleistungen.
Die großen Reseller wollten auf Anfrage nicht mitteilen, warum sie diese Möglichkeit nicht nutzen. Nur Tiscali reagierte und führte die eingeschränkte Nachfrage an. Dennoch wollen die Münchner "Fastpath" und mehr Upstream "mittelfristig anbieten, voraussichtlich aber noch dieses Jahr."
Was ist, wenn mal etwas mit dem Anschluss nicht stimmt? Telekom fragen? Reseller fragen? Letzterer ist erster Ansprechpartner - und dann geht die Fehlersuche los. Über Umwege. Vom DSL-Komplettanbieter zur Telekom, zum DSL-Komplettanbieter zum Kunden. Die Folge: Es dauert schon wieder. Natürlich nur für den Fall, dass die Hotline erreichbar und kompetent besetzt ist. Sonst dauert es länger.
Das Fazit?
Wer einen günstigen Internetzugang zum Pauschalpreis wünscht, sollte erst einmal nach Tarifen für T-DSL Ausschau halten. Unser Tarifrechner weiß hier zu helfen. Es sei denn, der gewählte Reseller wird auch ganz sicher fürs Erste der Provider der Wahl bleiben. Es gilt also Erfahrungen von Bestandskunden des Wunschproviders einzuholen. Internet-Foren bieten hier einen umfangreichen Meinungspool.
Denn gute Preise sind lange nicht alles. Ebenso wichtig wie Leistungsumfang und Performance ist der Service. Besonders bei den Resellern, die als Bindeglied zwischen Kunde und dem Leitungsanbieter Telekom funktionieren soll(t)en.

(Michael Müller)

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