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Auch Microsoft und Facebook scannen Nutzerinhalte auf Kinderpornografie

Um Kinderpornografie auf die Spur zu kommen, durchsuchen Google, Facebook und Microsoft die Inhalte ihrer Nutzer - freiwillig und ohne Verdacht. Nun werden erstmals konkrete Fälle bekannt.

07.08.2014, 12:16 Uhr (Quelle: DPA)
Facebook © Facebook

Im Kampf gegen Missbrauchsfotos von Kindern durchforsten große Internet-Unternehmen wie Google und Microsoft Inhalte ihrer Nutzer. Eine automatische Software soll kinderpornografische Bilder erkennen, die Unternehmen melden Verdächtige an eine zentrale Stelle. Für die Polizei liefert das wichtige Hinweise auf mögliche Besitzer der schrecklichen Fotos. Für Nutzer ist es eine Erinnerung daran, dass ihre E-Mails und Dateien bei den Anbietern nur bedingt privat sind. Die deutschen E-Mail-Dienste GMX, Web.de und die Deutsche Telekom tun dies nicht. Sie halten das Vorgehen nicht für vereinbar mit dem Datenschutz.

E-Mail-Konten werden automatisch durchsucht

Wir scannen keine E-Mails auf illegale Inhalte", sagte ein Telekom-Sprecher der dpa. "Es gibt dafür auch keine gesetzliche Grundlage." Ähnlich sieht man es bei GMX und Web.de, die beide zu United Internet gehören. "Eine inhaltliche Überwachung der E-Mails halten wir nicht für vereinbar mit deutschem Datenschutz", erklärte ein Sprecher. E-Mails würden lediglich auf Viren und Spam geprüft.

Anders sieht es bei Diensten außerhalb Deutschlands aus. Microsoft durchkämmt E-Mail-Konten von Nutzern und Inhalte auf seinem Cloud-Dienst automatisch nach kinderpornografischen Inhalten. Ein Tipp von Microsoft habe im US-Bundesstaat Pennsylvania dazu geführt, dass ein Verdächtiger festgenommen worden sei, berichtete der britische Fernsehsender BBC. Auf dem Speicherkonto des Mannes sei ein Foto eines jungen Mädchens gefunden worden, berichtete der Sender. Der Mann soll auch versucht haben, zwei illegale Fotos per E-Mail über einen Microsoft-Dienst zu verschicken. Das gehe aus Gerichtsunterlagen hervor. Ein Beamter der Polizei in Pennsylvania habe der BBC bestätigt, dass Microsoft die Untersuchung angestoßen habe. Google hatte Anfang der Woche mit einem ähnlichen Fall für Aufsehen gesorgt.

Microsoft sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass das Unternehmen Software einsetze, um kinderpornografische Inhalte aufzuspüren. "Kinderpornografie verstößt gegen das Gesetz und unsere Nutzungsbedingungen", erklärte das Unternehmen. Microsoft hat die entsprechende Software namens "Photo DNA" 2009 mitentwickelt. Dieses Programm wird auch von Google und Facebook eingesetzt. Es errechnet eine Art digitalen "Fingerabdruck" aus den Lichtverhältnissen in einem Foto. So können Bilder automatisch wiedererkannt werden.

PhotoDNA-Technologie wird schon lange eingesetzt

In den Nutzungsbedingungen von Microsoft heißt es: "Wir verwenden auch automatische Technologien, um Kinderpornografie oder missbräuchliches Verhalten aufzuspüren, das dem System, unseren Kunden oder anderen schaden könnte."

Bisher war vor allem bekannt, dass Unternehmen automatisch Spam und Schadsoftware aussortieren. Dabei setzen die Firmen die "PhotoDNA"-Technologie bereits seit einer Weile ein. Facebook verwies auf einen Blogeintrag aus dem Jahr 2011, in dem das Online-Netzwerk als neuer Nutzer der Technik vorgestellt wird. Verdachtsfälle melden die Unternehmen an eine zentrale Stelle in den USA zum Schutz von Kindern vor Missbrauch.

(Jörg Schamberg)

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