News

"Atomarer Erstschlag": Firefox verärgert Werbeindustrie durch Blockade von Cookies

Mozilla will ab der Version 22 seines Browsers Firefox Cookies von Drittseiten automatisch blockieren. Für die Werbeindustrie gleicht das laut eines Berichts der Zeitung "Der Standard" einer Kriegserklärung, da sich Werbung über Cookies besser auf einzelne Nutzer zuschneiden lässt.

26.02.2013, 10:07 Uhr
Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Eine von Mozilla geplante Änderung in seinem Webbrowser Firefox sorgt für Ärger mit der Werbeindustrie. Wie die österreichische Zeitung "Der Standard" berichtet, wollen die Firefox-Entwickler ab der Version 22 künftig Cookies von Drittseiten blockieren. Mike Zaneis, Vizepräsident beim "Interactive Advertising Bureau", reagiert mit scharfer Kritik und nannte den Schritt auf Twitter einen "atomaren Erstschlag".

Blockade der Cookies von Drittseiten

Was genau ist geschehen? Auf Vorschlag des Internet-Aktivisten Jonathan Mayer, der sich für Datenschutz und mehr Privatsphäre im Web einsetzt, wollen die Firefox-Entwickler ihren Browser mit einem von Mayer entwickelten Patch ausstatten, durch den automatisch alle Cookies von Drittseiten abgelehnt werden.

Über den Browser des Internetnutzers werden bei Besuch einer Webseite kleine, als "Cookies" bezeichnete Textinformationen auf dem Rechner gespeichert. Der Browser kann sich auf diesem Wege beispielsweise bereits besuchte Internetseiten und vorgenommene Einstellungen 'merken' und bietet dem Nutzer mehr Komfort bei einem erneuten Besuch der Webseite. Doch auch die Werbebranche setzt auf Cookies bei Online-Werbung und Tracking-Verfahren, um das Verhalten der Internetsurfer im Web zu verfolgen und Werbung besser auf einzelne Nutzer zuschneiden zu können.

Änderung betrifft rund ein Viertel aller Internetnutzer

Da rund ein Viertel aller Internetnutzer aktuell den Firefox-Browser verwenden, wäre eine Cookie-Blockade ein herber Rückschlag für die Werbeindustrie. Allerdings hat auch Apple in seinem Browser Safari schon lange eine solche Funktion integriert, die noch weit strikter ist. Denn im Gegensatz zu Safari erlaubt Firefox Cookies von Drittseiten wie beispielsweise Facebooks "Like"-Button oder in Internetseiten eingebettete Werbung, wenn die Nutzer einen entsprechenden 'Datenkeks' bereits vorher auf einer anderen Webseite angenommen haben. Bereits bestehende Cookies sind von der Firefox-Änderung nicht betroffen. Möchten Nutzer von der neuen Regelung profitieren, müssen sie alle Cookies löschen.

Nach Angaben von Jonathan Mayer akzeptiert hingegen Googles Browser Chrome alle Cookies, auch Microsofts Internet Explorer zeigt sich derzeit noch relativ offen gegenüber Cookies von Drittseiten. Bis zur Veröffentlichung von Firefox 22 dauert es aber noch einige Wochen. In der vergangenen Woche hat Mozilla zunächst die aktuelle Version Firefox 19 zum Download freigegeben.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang