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ARD: Starker Einbruch bei GEZ-Gebühren befürchtet

Der öffentlich-rechtliche Sender rechnet mit einem Einnahmerückgang von bis zu 15 Prozent bis 2020. Würde die Werbung wegfallen, könne die Situation außer Kontrolle geraten.

01.04.2009, 15:34 Uhr (Quelle: DPA)
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Die ARD rechnet in den kommenden zehn Jahren mit einem Einnahmerückgang von bis zu 15 Prozent. Daher wolle sich der Senderverbund bereits in den kommenden Jahren strukturell auf diesen "Sinkflug" einstellen, sagte der ARD-Vorsitzende und SWR-Intendant Peter Boudgoust am Mittwoch nach dem Frühjahrstreffen der Intendanten in München.
Werbung unverzichtbar
"Die Wirtschaftskrise geht natürlich auch nicht spurlos an den öffentlich-rechtlichen Sendern vorüber", betonte er. Gebührenbefreiungen aus sozialen Gründen sowie die absehbar schrumpfende Bevölkerung in Deutschland seien Ursachen für den Einnahmerückgang. Mit mehr Kooperationen müssten sich die zehn Einzelsender der ARD schon darauf einstellen.
"Die Situation könnte außer Kontrolle geraten, wenn jetzt auch noch die Werbung wegfiele", sagte Boudgoust und widersprach damit erneut wiederholten Forderungen aus Teilen der Politik und seitens der Privatsender nach massiven Werbeeinschränkungen bei ARD und ZDF. "Es gibt hier keine Einnahmen-Schieflage zugunsten der Öffentlichen-Rechtlichen", sagte Boudgoust.
Positive Zuschauerbilanz
ARD-Programmdirektor Volker Herres kündigte eine intensive und breit angelegte Berichterstattung zum Besuch des neuen US-Präsidenten Barack Obama in Europa und zum Gipfel in London an. Herres zog eine positive Bilanz der Zuschauerzahlen im Monat März, in dem das Erste und die Dritten Programme der ARD mit Marktanteilen von mehr als 13 Prozent den Spitzenplatz der Sender einnahmen. Erfolgreich seien insbesondere die Wintersportübertragungen sowie Serien und Reihen gewesen. Als Aushängeschild nannte Herres den "Tatort" am Sonntagabend, der zurzeit "einen echten Höhenflug" mit zuletzt oft mehr als acht Millionen Zuschauern erlebe.
Ab Juni Internet-Überprüfung
Noch nicht geklärt sei, ob Comedian Oliver Pocher nach dem anstehenden Ende seiner gemeinsamen Show mit Harald Schmidt auch künftig - wie Schmidt - der ARD mit einem eigenen Angebot erhalten bleibe. "Wir sind in guten Gesprächen", sagte Herres in München. Eine weitere Personalie gab die ARD dagegen bekannt: Neuer hauptamtlicher Sportkoordinator der Sendergruppe wird von November an Axel Balkausky, der bisherige Sport-Programmchef des NDR. Er ist schon jetzt nebenamtlicher Sportkoordinator der ARD.
Mit Blick auf den nach den entsprechenden Ratifizierungen ab Juni geltenden 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, der den öffentlich- rechtlichen Sendern eine dreistufige Prüfung ihrer Inhalte für eine digitale Verwendung verordnet hat, sind derzeit Telemedienkonzepte der ARD-Sender in Arbeit. Wie ARD-Generalsekretärin Verena Wiedemann berichtete, sollten diese bis Mai fertig sein und im Juni den Gremien zur Prüfung übermittelt werden.
Vom Juni an würden die bestehenden, neuen und veränderten Angebote sowie das Internetangebot daraufhin geprüft, ob sie dem öffentlich-rechtlichen Auftrag entsprechen und in qualitativer Hinsicht zum publizistischen Wettbewerb beitragen. Drittes Prüfkriterium ist der Aufwand für das Entstehen des Angebots.

(Michael Posdziech)

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