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Arcor und Vodafone sperren Zugriff auf Pornoseiten

Drei in der Branche nicht ganz unbekannte Pornoseiten sind von Arcor- und Vodafone-Anschlüssen seit einigen Tagen nicht mehr zu erreichen. Ein durch deutsche Behörden geprüftes Schreiben belege fehlenden Jugendschutz, heißt es seitens Arcor.

11.09.2007, 13:53 Uhr
Vodafone© Vodafone GmbH

Das Internet: Seit den frühen 90er Jahren ist es, nach der zunächst rein militärischen und akademischen Nutzung, öffentlich zugänglich und erfreut sich bei immer mehr Informationssuchenden wachsender Beliebtheit. Doch neben klassischen Nachrichten und Informationen sind über das World Wide Web zunehmend auch jugendgefährdende Inhalte frei zugänglich. Unter anderem Videoportale, auf denen freizügige Sexfilmchen abgerufen werden können, sind Jugendschützern ein Dorn im Auge. Ein Grund, den Zugriff auf diese Seiten zu sperren? Für die beiden DSL-Anbieter Arcor und die Konzernmutter Vodafone offenbar schon.
Arcor und Vodafone greifen ein
Mit leicht süffisantem Blick haben viele deutsche Internetnutzer bisher Berichterstattungen über Internet-Zensur in asiatischen Staaten verfolgt. Zum Beispiel in China werden viele Internetseiten für den öffentlichen Zugriff gesperrt. Dass dies in Deutschland passieren könnte, war undenkbar. Bis jetzt: Arcor und Vodafone sind dazu übergegangen, den Zugriff auf einzelne Internetseiten zu sperren, auf denen pornografische Inhalte frei zugänglich sind. Die Seiten youporn.com, sex.com und privatamateure.com sind bei einer Interneteinwahl über die beiden Provider nicht mehr zu erreichen. Das schließt auch UMTS-Verbindungen über Vodafone ein, wie ein Test unserer Redaktion ergab.
Vorwurf der Zensur
Auf diversen Internet-Portalen, unter anderem im Forum unseres Magazins, ist die Aufregung groß. Dort ist von "Zensur des bisher freien Mediums Internet" und einem "Imageschaden" für die betroffenen Provider die Rede. Kaum Beachtung findet allerdings der Paragraph 184 des Strafgesetzbuches, in dem die Verbreitung pornographischer Schriften geregelt ist. Darin heißt es unter anderem, dass jedem, der einer Person unter achtzehn Jahren pornographische Schriften anbietet, überlässt oder zugänglich macht, eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe droht.
Das Problem: Die Betreiber der kritisierten Internetseiten haben ihren Sitz meist nicht in Deutschland und können demnach auch nicht nach deutschem Recht belangt werden. Auch dann nicht, wenn sich die Seitenbetreiber zum Teil eindeutig an deutsche Nutzer richten. Ausnahmen gibt es beim Jugendschutz: Hier können deutsche Behörden einschreiten. Und genau das scheint nun der Fall zu sein. Wie ein Unternehmenssprecher von Arcor gegenüber onlinekosten.de erklärte, kam es "von einem Mitbewerber aus dem Umfeld der drei betroffenen Seiten" zu einer Aufforderung, den Zugriff auf die frei zugänglichen Seiten zu unterbinden. Welcher Anbieter es genau ist, wurde von Arcor nicht verraten. Denkbar ist, dass es sich um einen kommerziellen Anbieter handelt, der mit dem Vertrieb von Pornos über das Internet Geld verdient und um seinen Umsatz fürchtet.
Arcor: "Wir zensieren nicht das Internet"
Seitens Arcor heißt es weiter, die eingegangenen Unterlagen seien bereits von deutschen Behörden überprüft worden, und es gehe aus ihnen hervor, dass auf den beanstandeten Seiten die aktuell gültigen Rechtsvorschriften missachtet würden. "Das auf den Websites hinterlegte Material sollte Beschränkungen unterliegen", sagte der Arcor-Sprecher. So fehle es zum Beispiel an einer Altersverifikation. Das hat zur Folge, dass auch Minderjährige jederzeit auf die pornografischen Inhalte zugreifen können. Ein Umstand, den man bei Arcor wohl nicht akzeptieren möchte.
Die erhobenen Zensur-Vorwürfe wies Arcor trotzdem ausdrücklich zurück: "Wir zensieren nicht das Internet", stellte der Unternehmenssprecher klar. Sollte auf den Seiten etwas für den Jugendschutz getan werden und der Zugang nicht mehr für Minderjährige frei zugänglich sein, sieht Arcor nach eigenen Angaben keinen Grund, die Seitensperren weiter aufrecht zu erhalten. Ferner verwies der Konzernsprecher darauf, dass ausschließlich die drei genannten Seiten gesperrt seien und derzeit mit keinen weiteren Blockaden seitens Arcor gerechnet werden müsse.
Mehr Ärger für youporn.com
Für youporn.com könnte es, parallel zu den aktuellen Entwicklungen, zu weiteren Problemen kommen. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" geht der Verband der Videothekare gegen das Videoportal vor. Er habe die Kommission für Jugendmedienschutz bei der Landesmedienanstalt in Bayern aufgefordert, Internetprovidern die Verbreitung der Internetseite zu verbieten. Hier steht möglicherweise ein fallender Umsatz aus dem Verleih von Porno-Videos im Vordergrund.

(Hayo Lücke)

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