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Arcor plant eigenes Glasfasernetz

Regulieren oder nicht? Das Ringen um VDSL geht weiter. Nun meldet sich auch der größte Telekom-Konkurrent Arcor zu Wort, plant ein eigenes Glasfasernetz und ausgerechnet die Telekom soll dabei helfen.

28.01.2006, 10:04 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Das Ringen um das neue VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz geht in eine weitere Runde. Nun meldet sich der nächste Provider zu Wort: Arcor ist bereit, im großen Stil in den Aufbau eines eigenen Glasfasernetzes zu investieren und will offenbar in diesem Zusammenhang die für dieses Jahr geplanten Investitionen von 200 Millionen Euro deutlich erhöhen. "Wir würden der Bundeskanzlerin gern ein zweites Investitionsprogramm präsentieren", sagte Arcor-Vorstandschef Harald Stöber der Tageszeitung "Die Welt" in Anspielung auf die geplante Investition der Deutschen Telekom.
Hilfe für größten Konkurrenten?
Die Bereitschaft in ein eigenes VDSL-Netz zu investieren, macht Stöber allerdings laut "Welt" abhängig davon, dass die Telekom bei ihren Baumaßnahmen zusätzliche Leerrohre verlegt, die von den Wettbewerbern für eigene Leitungen genutzt werden können. "Es wäre ökonomisch unsinnig, ein zweites Mal Tiefbaumaßnahmen vornehmen zu müssen", sagte der Chef des größten Telekom-Konkurrenten. Arcor plane künftig via VDSL eigene Produkte anzubieten. Stöber betonte, dass es Arcor allein darum gehe, "unbeschalteten" Zugang zum Telekom-Netz gewährt zu bekommen.
Geschickte Schachzüge der Telekom-Konkurrenten
Drei Milliarden Euro will der rosa Riese in bis 2007 investieren, um ein VDSL-Netz mit Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit/s in zunächst 50 Städten aufzubauen. Im Gegenzug fordert der Ex-Monopolist, von der Bundesnetzagentur, die VDSL-Regulierung auszusetzen - zumindest für ein Jahr - um die Kosten für den Netzaufbau wieder wettzumachen. In den vergangenen Wochen meldeten sich einige Wettbewerber der Deutschen Telekom zu Wort und signalisierten die Bereitschaft, sich an den Investitionen in ein neues Hochgeschwindigkeitsnetz finanziell zu beteiligen. United Internet bot 500 Millionen Euro, die freenet AG kurz darauf rund 200 Millionen Euro. Ein geschickter Schachzug, der die Telekom unter Druck setzen sollte. Der Ex-Monopolist zeigte sich aber kaum beeindruckt. Man wolle das Feld nicht den Wettbewerbern überlassen, so der Kommentar von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke.
"Es kann nicht sein, dass der Regulierer eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zementiert und wir dabei allein für die Basisversorgung instrumentalisiert werden", kritisiert Stöber in der "Welt" auf der anderen Seite das Vorhaben der Telekom. Nach Auffassung von Arcor-Chefs handele es sich bei dem Telekom-Projekt zudem auch nicht um ein vollständig neues Netz: Denn die Telekom ersetze lediglich bei einem Teil der Strecke die alte Kupfer-Doppelader durch neue Glasfaser - zwischen Hauptverteiler und den Kabelverzweigern.

(Denise Bergfeld)

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