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Arcor: Festnetz, VoIP – alles das gleiche?

Wer bisher die "telefon flat" nutzte, telefonierte mit zwei Leitungen und drei Rufnummern unbegrenzt ins Festnetz. Bald wechselt die Flat heimlich das Netz.

21.03.2006, 18:09 Uhr
CeBIT© CeBIT

Wer als Arcor-Kunde unbegrenzten Telefonspaß haben will, kommt beim All-inclusive-Paket mit ISDN-Anschluss, DSL- und Telefon-Flatrate für 44,85 Euro monatlich auf seine Kosten - sofern er in einem Arcor Anschlussgebiet wohnt. Doch wie wir im Dezember berichteten, gibt es die Telefonie-Pauschale bei Arcor im Zusammenhang mit ADSL2(+) auch bei den neuen Resale-Angeboten. Die Telefonflat wird am Telekom-Anschluss über Arcor Preselection realisiert. Zumindest vorerst. Später soll der Tarif dann über ein VoIP-Produkt laufen.
Vergleichbar günstiger
Das Angebot DSL mit Preselection wird nicht besonders beworben, dabei kann es sich durchaus sehen lassen. Für die Nutzung wird weiterhin eine Telefonleitung der Telekom benötigt. Das macht die Preselection-Kombination gegenüber dem ISDN-Angebot aber lediglich 2,95 Euro teurer im Monat. Dafür halbiert sich jedoch die Mindestvertragslaufzeit auf zwölf Monate.
Weiterer Vorteil: während die Telefon-Flat mit ISDN mit drei Rufnummern nur auf zwei Leitungen genutzt werden kann, ist die Preselection-Kombi "besonders auch für mehrere Nutzer geeignet", wie es in der Broschüre heißt.
Umstellung auf VoIP
Doch findet sich hier im Sternchentext ein entschiedender Hinweis. Dort heißt es: "Die telefon flat kann nach entsprechender Mitteilung von Arcor ausschließlich als VoIP-Dienst in Anspruch genommen werden. Bis zu dem von Arcor genannten Termin wird die telefon flat über Arcor-Preselect realisiert. Wird VoIP nicht genutzt, gelten die jeweils gültigen Arcor-Call by Call Preise. Ab Nutzungsbeginn des VoIP-Dienstes ist die Umstellung auf ein VoIP-fähiges Endgerät erforderlich."
Im Klartext: Arcor wird die Flatrate nach einer gewissen Zeit über VoIP realisieren. Wer dann nicht ein VoIP-fähiges Endgerät hat, telefoniert zu normalen Preselection-Konditionen über die Telekom-Leitung. Keine Flatrate mehr. Die angekündigte Mitteilung von Arcor wird dann wohl im Sommer erfolgen, wenn nämlich das angekündigte Dual-Mode-Handy verfügbar sein wird. Doch was ändert sich für den Kunden, außer dass er zusätzliche Kosten durch die Anschaffung neuer Hardware hat? Nach Ansicht von Arcor nichts, schließlich sei Sprachdienst gleich Sprachdienst. "Wir behalten uns das Recht vor, die Flatrate über VoIP zu realisieren", erklärt Arcor-Sprecher Paul Gerlach. Was aus Gerlachs Munde bereits in unserer Dezember-Meldung wie eine juristische Spitzfindigkeit klang, ist also bald schon Service-Realität.
Dual Mode
Das für die kommenden Monate angekündigte Dual Mode Handy für WLAN und GSM soll der Schlüssel zur schönen neuen Dienste-Welt von Arcor sein. Damit soll es sich in jedem verfügbaren WLAN telefonieren lassen. Die Kosten sind auch dann bei Telefonaten ins deutsche Festnetz durch die Telefon-Flatrate abgedeckt. Zu Hause erfolgt die automatische Einwahl ins heimische WLAN-Netz.
Festnetz adé: Ab Sommer wird der Service nur noch aus DSL mit Sprachdienst bestehen. Der Pauschalpreis gilt dann nur noch für Verbindungen über das Internet. Nutzt der Kunde dennoch das Festnetz, fallen zusätzliche Kosten an, die denen von Arcor Call-by-Call entsprechen. Und die sind nicht zu verachten: zur Hauptzeit, montags bis freitags von 7-19 Uhr, nehmen die Eschborner immerhin 4,5 Cent pro Minute. Am Preis von 9,95 Euro für die Telefonflatrate werde bei der Umstellung auf VoIP wohl nicht gerüttelt, wie Gerlach mitteilt. Obwohl bereits heute günstigere Telefon-Pauschalen angeboten werden, wie unsere VoIP-Anbieterübersicht zeigt. Arcors Argument: Schließlich ändere sich auch inhaltlich nichts am Angebot.
VoIP kann eben nicht alles
VoIP kann einen Festnetzanschluss nicht vollständig ersetzen. Da wäre zum Einen die höhere Gefahr eines Ausfalls oder zumindest Einschränkung des Dienstes. Schließlich ist das Internet weitaus anfälliger für Verbindungsfehler und –abbrüche als das Festnetz. Zudem können nicht alle Services in gewohnter Weise über VoIP angeboten werden. Da wäre der Faxversand, der bei VoIP nur bedingt zur Verfügung steht. Und nicht zuletzt das wichtige Thema der Notruf- und Sonderrufnummer-Erreichbarkeit.
Arcor verspricht trotzdem, dass der Service ab Sommer nicht von einem herkömmlichen Sprachanschluss zu unterscheiden sein wird. Es wird sich zeigen, ob und wie Arcor dieses Versprechen halten wird.

(Aleksandra Leon)

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