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Arbeitsmarkt IT-Branche: Viele Jobs, viel Stress

20.000 Stellen sind bereits jetzt in der IT- und Telekommunikationsbranche unbesetzt. Goldene Zeiten für Jobsuchende – wenn sie besonders belastbar sind.

19.06.2010, 09:01 Uhr
Internet© Gina Sanders / Fotolia.com

Es wird eng bei den Fachkräften: Schon jetzt fehlen 20.000 Arbeitskräfte im Bereich IT- und Telekommunikation (ITK). Tendenz steigend – zum Schaden der Wirtschaft. Denn viele Firmen treten gezwungenermaßen aufs Bremspedal: Jedes dritte IT-Unternehmen gibt an, mehr Aufträge abwickeln zu können, wenn die freien Stellen besetzt werden könnten. Das geht aus einer Umfrage des Branchenverbandes BITKOM hervor.

Hälfte will aufrüsten

Demnach will etwa die Hälfte (53 Prozent) der deutschen Unternehmen dieser Branche ihr Personal verstärken. Etwa jedes dritte (30 Prozent) plant weder Abbau noch Neueinstellungen. 17 Prozent müssen laut Umfrage Arbeitsplätze reduzieren. Jobchancen gibt es vor allem in den Bereichen Software und IT-Services. Als Grund macht der BITKOM die technologische Entwicklung aus, die sich bereits jetzt am Horizont abzeichnet: Infrastrukturen wie Verkehrssysteme, Energienetze, Behörden sowie das Gesundheits- und Bildungssystem müssten IT-technisch aufrüsten. Daraus resultiere eine "enormer Bedarf an Spezialisten, die diesen Wandel gestalten", so der Verband.

Die ITK-Branche zählt derzeit rund 846.000 Arbeitnehmer. Dabei ist der IT-Anteil deutlich überlegen: 599.000 arbeiten in der Informationstechnik und 236.000 in der Telekommunikation. Damit sei der ITK-Sektor heute nach dem Maschinen- und Anlagenbau der zweitgrößte Arbeitgeber in der deutschen Industrie, so der BITKOM.

IT-Fachleute werden älter

Allerdings ist nicht jeder für diese Branche geeignet. Aus einer Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen geht hervor, dass nur 37 Prozent der IT-Spezialisten glauben, ihre Tätigkeit auf Dauer durchhalten können. 29 Prozent haben Probleme beim Abschalten nach der Arbeit.

Termingebundene Projekte sind Stressfaktoren und gefährden Gesundheit und Lebensfreude ebenso wie zu wenig Pausen und konzentrationsstörendes "Multitasking", beispielsweise Telefondienst parallel zum Programmieren.

Der Trend zum Billiglohn macht den Fachkräften ebenfalls das Leben schwer, wie der Fall FoxConn in Taiwan erst kürzlich bewies. Hinzu komme, dass aufgrund des demografischen Wandels die Zahl der oft weniger stressfähigen älteren Mitarbeiter auch im IT-Bereich zunimmt. Zwischen 1999 und 2009 stieg der Anteil der über 50-Jährigen der Studie zufolge von 12,5 Prozent auf 18,5 Prozent. Der Anteil der 25- bis 39-jährigen Beschäftigten hingegen sank von 55,9 Prozent auf 41,8 Prozent.

(Dorothee Monreal)

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